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Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Alles über den Wahnsinn im Geschäft. Unnötige Kosten, Gesetze über Gesetze, Papierkrieg etc. Was tun?

Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon Tobitobe am 16.06.2014, 12:52



Hallo zusammen,

seit der Gründung unserer UG im April schlagen mein Gesellschafter und ich uns mit der deutschen Bürokratie herum. Da wir Software herstellen und vollständig über das Internet vertreiben, haben wir bislang keine Büroräume und sitzen getrennt in zwei Frankfurt und Neuss (was mit den Ämtern schon zu diversen Problemen geführt hat).

Als vorerst letzte Hürde steht uns nun noch das Bauamt bevor, denn:
- Firmensitz ist in Frankfurt, Gewerbe ist ebenfalls dort angemeldet
- ich als GF wohne in Neuss
- Arbeit am Rechner ausschließlich im HomeOffice ohne Kundenverkehr o.ä.
- wir sind zu zweit und haben noch kein Personal eingestellt

Nun sieht es so aus, dass ich beim Gewerbeamt in Neuss vermutlich eine Zweigstelle anmelden muss, da ich als GF in Neuss wohne und logischerweise auch arbeite. In diesem Zusammenhang verlangt das Bauamt nun die Prüfung einer Nutzungsänderung bei der Bauordnung sowie die Gebietsverträglichkeit, etc.

Mir ist leider die Rechtslage nicht klar, da die Aussagen im Netz sich häufig auf Mietwohnungen und Sonderfälle beziehen. Hat jemand von Euch mit einer solchen Konstellation Erfahrungen sammeln können und kann mir davon berichten, bevor ich blauäugig beim Bauamt vorstellig werde :wink: ?
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon MyBusinessGmbH am 16.06.2014, 13:25

Hallo,

mir ist von anderen Unternehmern mit solchen Konstellationen bekannt, dass diese eine Zweigstelle nebenberuflich angemeldet haben. Das Bauamt ist bei keinem vorstellig geworden. Wäre auch unsinnig, da kein Ladenlokal oder Kundenverkehr o. ä. vorliegt. Es ist ja letztlich nur ein Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung, die ganzen eBay-Händler müssen als Beispiel auch nicht zum Bauamt und arbeiten oftmals auch nur von zuhause.
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon Tobitobe am 19.06.2014, 20:21

Denke ich mir auch, das wäre unsinnig. Nach meinen Amtserfahrungen der letzten Wochen wundert mich allerdings nichts mehr. :roll:
Nächste Woche werde ich da mal vorstellig und erkläre die Situation...der Hinweis mit den eBay-Verkäufern ist gut, danke. Das ist ein gutes Beispiel.
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon MyBusinessGmbH am 20.06.2014, 09:39

Gern, ich wünsche Ihnen viel Erfolg! Bei Ämtern ist es ja immer dasselbe, erst mal was kritisieren aber nachher keine entsprechenden Belege haben. Habe gestern noch mit einem Versicherungsmakler gesprochen, der arbeitet in Düsseldorf und unterhält eine Zweigstelle nebenberuflich in Berlin. Das Gewerbeamt hat ihm alles fertig gemacht und er hat seit Jahren nichts vom Bauamt gehört.
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon uvis-beratung am 20.06.2014, 11:49

@tobitobe....

... ich muss schmunzeln, tut mir leid. Aber das ist wirklich der deutsche Bürokraten-Dschungel. Wundere Dich jetzt nicht, wenn Du noch an die Müllabfuhr mit deinem Gewerbe gehängt wirst oder Verpackungsgebühren für den Grünen Punkt zahlen musst, weil die Entsorgung von Verpackungen vielleicht infrage kommen könnte.

Nein, ich möchte es nicht zu sehr dramatisieren. Diese Dinge, die Du aufzählst, sind alle soweit korrekt und auch das mit der Niederlassung unter deiner Neusser Adresse.

Um das Ganze etwas stressfreier anzugehen, denn die Masse der "heftigen" Bürokraten sind doch in der Minderheit, solltest Du mit der Rechtsabteilung der Neusser oder Frankfurter IHK ein Gespräch führen und Dir Orientierungshilfen verschaffen.

Die Startercenter oder der Wirtschaftsförderer der Kammern können da gerne ein Gespräch vermitteln. Auch werden in Landratsämtern entsprechende Wirtschaftsförderer vorgehalten, die für die Immboilien, Gewerbeansiedlung aber auch im Rahmen von Amtshilfe mit herangezogen werden können, Dir entspreehende Hilfen bieten können.

Ich halte es nur für sehr wichtig, wenn Du mit derartigen Stellen Kontakt aufnimmst, unbedingt ein persönliches Gespräch anzustreben. Diese Gesprächspartner müssen von Dir/Euch, dem Vorhaben und der Situation überzeugt sein, und dann setzt deren Hilfe sicherlich auch ein.

Guten Mut und gutes Gelingen
MfG Jürgen Arnold
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon Tobitobe am 23.06.2014, 09:25

@Jürgen Recht herzlichen Dank für Deine Infos. Es ist schön zu hören, dass ich nicht allein bin mit diesen Problemchen. :)
Das Startercenter scheint eine gute Anlaufstelle zu sein, dort habe ich nächste Woche einen Termin. Ich bin gespannt... :wink:
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon uvis-beratung am 23.06.2014, 10:35

@tobitobe ...

..... in jedem Fall hartnäckig bleiben. Die IHK hat auch ihre Verbindungen zu den städtischen Einrichtungen. Es gibt so viele gemeinsame Gremien, dass man Probleme auch auf dem kleinen Dienstweg lösen kann. Dir viel Erfolg.

MfG Jürgen Arnold
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon annnae am 23.06.2014, 17:20

Hallo Tobitobe,

da hast du dir aber ein echt gefährliches Thema ausgesucht. Ich bin davon selber auch betroffen und kann aus Erfahrung sprechen. Mein Büro liegt im ebenfalls im Eigenheim, das Thema mit Nutzungsänderung, Zweckentfremdung von Wohnraum etc. hatte ich auch schon durch.

a) Wieso solltet ihr einen zweiten Geschäftssitz oder Zweigstelle anmelden müssen? Wo soll da die rechtliche Grundlage sein, bitte anfordern und nachweisen lassen. (Wenn jeder Geschäftsführer immer eine Zweigstelle anmelden müsste, nur weil er auch für die Firma von zuhause arbeitet, na dann aber holla. Das ist m.E. nach nicht durch entsprechende Gesetze gedeckt). Der Firmensitz der UG ist Frankfurt. Die UG ist als solches eine juristische Person in sich selbst, da spielen die GF als Arbeitnehmer keine Rolle für den Firmensitz).

b) Der BGH hat über die teilgewerbliche Nutzung von Wohnraum bereits entschieden. Und zwar, solange es eine stille Tätigkeit ist, wird die Wohnung nach wie vor zu Wohnzwecken genutzt. Und das ist bei dir ja auch der Fall. Damit ist Bauamt und Gewerbeamt bzgl. Nutzungsänderung schon mal komplett raus. Auch hier am besten unter Hinweis auf das Urteil die Ämter auffordern, den Anspruch zu begründen.

c) Was aber noch viel schlimmer ist, ist die steuerliche Anwendung bei selbstgenutzten gewerblichen Flächen, das ist eine richtig fiese Falle:
Wenn man nämlich im Eigenheim / Eigentumswohnung Räumlicheiten selbst gewerblich nutzt, so zählt das zum sogenannten "notwendigen Betriebsvermögen". Das hat zur Folge, dass das Finanzamt dann, wenn das Haus einmal verkauft wird oder die Tätigkeit aufgegeben wird (und der Tag kommt unweigerlich irgendwann) den Unterschied zwischen Herstellungskosten und ggfs. geschätztem Verkaufspreis als Gewinn bei der Einkommensteuer veranlagt und du dann darauf auch noch Steuern zahlen darfst.

Da bitte auf alle Fälle einen Steuerberater schriftlich zu beauftragen und gucken, wie die Verhältnisse zuhause sind und was da zu gestalten ist.

Das Urteil und die Erklärung des Problems findest du auf meiner Seite noch einmal ausführlich erklärt unter BGH-VIII-ZR-165/08-teilgewerbliche Nutzung von Wohnraum und daraus resultierende Probleme für Existenzgründer.
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon Tobitobe am 26.06.2014, 21:50

@annnae,

das sind sehr gute Hinweise, danke! Für mein Verständis würde ein Firmensitz mit Gewerbe in Frankfurt eigentlich auch genügen. Es spricht nach Deinen Ausführungen alles gegen die Anmeldung des Eigentums für gewerbliche Zwecke.

Seltsamerweise hatte das Finanzamt, bzw. die Ämter in Frankfurt und Neuss genau die gleichen Allüren - wir haben unterdessen eine Steuernummer in Neuss - das regelt aber unser Steuerberater.

Ich bin gespannt auf das Beratungsgespräch im Startercenter...
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[BEANTWORTET] Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon Tobitobe am 04.07.2014, 20:54

Ein kurzes Update für alle Mitlesenden:
Nach Gesprächen mit dem Startercenter und der IHK hat sich unser aller Anfangsverdacht bestätigt, dass eine Zweigstelle in Neuss (verbunden mit Bauamt, etc.) vollkommen überflüssig ist und das angemeldete Gewerbe in FFM ausreichend ist.

Laut Steuerberater ist die Steuernummer aus Neuss nicht weiter problematisch, da Umsatz- und Körperschaftssteuer an den Bund gehen und die Gewerbesteuer mit der Steuererklärung abhängig vom Ort der Leistungserbringung abgeführt werden.

Also doch noch alle Fragen geklärt. Puh.

Danke für all Eure Ratschläge, die mich in die richtige Richtung geschubst haben!
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon MyBusinessGmbH am 05.07.2014, 15:52

Sehr schön :)
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Re: Gewerbliche Nutzung des Eigenheims

Beitragvon uvis-beratung am 08.07.2014, 10:59

@tobitobe ...

... na also, geht doch. Weiterhin viel Erfolg.

Mfg Jürgen Arnold
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