Gesellschafter-Geschäftsführer aus Firma ausschließen

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frznflme
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Gesellschafter-Geschäftsführer aus Firma ausschließen

Beitrag von frznflme » 30.04.2020, 06:56

Hallo liebe Community,

aktuell stehe ich vor einem relativ großen Problem und ich hoffe ihr habt einige Ratschläge parat.
Vor knapp 2,5 Jahren habe ich (25 Jahre alt) mit einem Mitarbeiter (45 Jahre alt) eines ehemaligen Kunden eine Firma gegründet. Bereits zu Anfang hatte ich jedoch schon leichte Bedenken, ob er der richtige ist, um ein gemeinsames Business zu starten. Er hatte jedoch Kontakte zu einigen Lieferanten.

Nach langer Überlegung habe ich mich dazu entschieden einen Versuch zu wagen, da es immer mein Traum war selbstständig zu sein. In den darauffolgenden 1,5 Jahren habe ich unsere Marken, unsere Shops, unsere Produkte und unsere Websites aufgebaut sowie die gesamte Infrastruktur und EDV eingerichtet.
Ich habe sowohl die Vorfinanzierung für Einkäufe übernommen, als auch die Anfangslokalitäten gestellt.

Von meinem Kollegen wurde zu diesem Zeitpunkt leider nur wenig beigetragen, er meinte jedoch seine Zeit würde kommen, sobald unsere Produkte auf dem Markt sind, um diese dann zu vertreiben.

Mit dem Marktstart konnten wir einen immer weiter steigenden Umsatz betrachten, der jedoch leider nicht auf seinen Vertrieb zurückzuführen war. Von ihm ist leider nach wie vor kaum Leistung erbracht worden.
Seine Aufgaben bestanden nur aus gelegentlicher stupider Copy-Paste Arbeit, dem Telefonieren, dem gelegentlichen Bearbeiten von Anfragen und dem Weiterreichen einfachster Aufgaben. Was auch immer er macht, macht er unsauber oder falsch, wodurch sich die Arbeit für mich teilweise verdoppelt.

November letzten Jahres haben wir unsere Jobs gekündigt und sind vollständig in die Selbstständigkeit übergegangen.
Seitdem steigt täglich mein Frust und ich stelle meine Entscheidung immer mehr in Frage, da ich quasi Tag und Nacht arbeite, er jedoch nach 3-4 Stunden in den Feierabend geht.

Besonders übel ist mir aufgestoßen, dass er mich und unseren Angestellten für den Versand laufend mit Dingen belügt, die teilweise banal, manchmal jedoch auch gravierender sind.
Als Beispiel ist er vor einigen Tagen mit dem Telefon in einen separaten Raum gegangen und hat die Tür hinter sich verschlossen. Daraufhin habe ich nur so viel verstanden wie "Herr [Mein Name] ist leider nicht da, ich richte ihm aber aus, dass Sie angerufen haben".
Als ich ihn darauf angesprochen habe, wer angerufen hat, meinte er es wäre nur ein Lieferant gewesen, der Bescheid gesagt hätte, dass die Ware einen Tag später kommt. Nach Recherche hat sich herausgestellt, dass es sich um eine offene Rechnung gehandelt hat,
die mein Kollege seit Monaten nicht zur Zahlung eingereicht hat und den Verzug auf mich abgewälzt hat.

Oft genug hat er ebenfalls die Arbeit unseres Angestellten mir gegenüber als sein Werk angepriesen.

Dazu kommt, dass er in meiner Abwesenheit im Urlaub einen Leasing-Vertrag für ein 100.000 € teures Auto unterzeichnet hat, und hierbei auch meine Unterschrift gefälscht hat.

Außerdem hat er zum wiederholten Male Firmengelder für private Ausflüge in Luxus-Hotels und Restaurantbesuche -teilweise ohne Absprache- ausgegeben. Auf den Rechnungen hat er ebenfalls meinen Namen vermerkt, obwohl ich ihn zu dem Zeitpunkt nachweislich nicht begleitet haben kann.

Ich denke ihr werdet nachvollziehen können, dass ich daher ernsthaft überlege mich von meinem Geschäftspartner zu trennen. Konstruktive Gespräche zu dem Thema blieben leider erfolglos, er hat viel geredet ohne großartig etwas zu ändern.

Leider sieht das ganze soweit ich das überblicken kann in der Praxis etwas schwieriger aus, da:

- es sich bei dem Unternehmen um eine UG mit einer Verteilung von 50/50 handelt
- wir beide Gesellschafter-Geschäftsführer sind
- noch knapp 12.000 € meines privaten Vermögens auf dem Firmenkonto liegen
- laut Gesellschaftsvertrag für alle Dinge eine 75%ige Zustimmung erforderlich ist
- über das Firmenkonto prinzipiell nur gemeinsam verfügt werden kann.
- sowohl ich als auch mein Geschäftspartner als Bürgen für unser neues Büro + Lagerhalle eingetragen sind

Hat eventuell jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht und ist schlussendlich noch zu einem Happy End gekommen?

elpatron29
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Re: Gesellschafter-Geschäftsführer aus Firma ausschließen

Beitrag von elpatron29 » 13.05.2020, 11:41

Sehr schade, dass du so einem Geschäftspartner begegnet bist.
Ich wüsste leider auch nicht wie man den Vertrag nun ändern könnte, da du für dafür eine 3/4 Mehrheit benötigst. Am Besten besuchst du mal einen Anwalt für Gesellschaftsrecht und schilderst ihm die Lage. Aus deiner Schilderung geht hervor, dass sich dein Partner rechtswidrig verhält. Die Mitglieder der Geschäftsführung haben nämlich die Geschäfte der Gesellschaft unter Beachtung der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters nach Maßgabe der Gesetze zu erledigen.

Jaquemot
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Re: Gesellschafter-Geschäftsführer aus Firma ausschließen

Beitrag von Jaquemot » 15.07.2020, 23:16

Das sehe ich ähnlich. Die Schilderung weist doch darauf hin, dass hier maßgebliche Aufgaben der Geschäftsführung nicht oder nicht angemessen erledigt werden. Wenn im Gesellschaftsvertrag keine Regelungen getroffen sind (Vetorecht o.ä.), würde ich a) einen Juristen fragen u./o. b) ihm eine Abmahnung schreiben. Er hat doch hoffentlich einen Geschäftsführer-Anstellungsvertrag, und danach hat er Pflichten zu erfüllen. Tut er das nicht, muss er schriftlich darauf hingewiesen werden, dass er sich vertragswidrig verhält und zum Abstellen des Mangels aufgefordert werden. Damit stärkt man zumindest schon mal seine eigene Position.

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