Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

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Kestrel
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Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von Kestrel » 21.04.2016, 21:52

Hallo zusammen,

folgende Situation: Ich möchte zusammen mit einem Gesellschafter ein bestehendes Unternehmen im Zuge einer Altersnachfolge kaufen. Das Unternehmen hat ein Inventar mit einem Wert, z.B. 180.000€, der Kaufpreis wird auf 120.000€ verhandelt.
Jetzt möchten mein Gesellschafter und ich eine 50:50 Aufteilung vornehmen.
Er hat das Kapital, ich habe von meinem Anteil nur 25% und müsste den Rest finanzieren. Was in dieser Situation eigentlich kein Problem sein sollte, da ja genug Sicherheiten (Inventar) und Eigenkapitalanteil vorhanden sind.
Aber jetzt kommt mein Gesellschafter und sagt er möchte in dieser neuen Gesellschaft nicht von Anfang an die Banken mit im Unternehmen haben, da diese ja das Inventar beispielsweise als Sicherheiten ansehen würden.

Jetzt zu den eigentlichen Fragen zu dieser Situation:
1. Ist es möglich mein Darlehen auf mich Persönlich zu nehmen ohne das Inventar des Unternehmen als Sicherheit.

2. Was macht das eigentlich aus wenn die Bank da mit involviert wäre, sprich was hätte das für negativ Auswirkungen?

Mein Gesellschafter argumentiert das ganze so, dass die Bank dann bei jeder Entscheidung was zukünftige Planungen/Investition gefragt bzw. mit einbezogen werden müssen.
Wie läuft das in der Praxis? Hat da jemand Erfahrungen und kann mir das mal ein wenig beschreiben?

Vielen Dank schonmal.

Grüße Kestrel

KompaktDesign
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Re: Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von KompaktDesign » 22.04.2016, 09:16

1.
Das hängt ausschließlich von Deiner persönlichen Bonität ab.
Ich denke aber, dass es persönlich leichter sein wird einen Kredit zu bekommen als für eine Gesellschaft (zumindest wenn es eine Kapitalgesellschaft ist).
Ich denke auch, dass Inventar als Sicherheit keinen wirklich hohen Stellenwert erhalten wird.

2.
Die Bonität der Gesellschaft wäre schlechter.
Über die Sicherheiten (die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur auf das Inventar beschränken werden) kann nicht mehr frei verfügt werden.
Die Ansprüche des Kreditgebers würden sich nicht nur auf Deinen Anteil am Unternehmen beschränken lassen, was bei einer Pfändung Deinen Mitgesellschafter betreffen würde.

Jaquemot
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Re: Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von Jaquemot » 22.04.2016, 11:12

@KompaktDesign: Das ist mir zu pauschal geantwortet. Zunächst mal müssen wir doch unterscheiden zwischen Kapitalgesellschaft und Personengesellschaft. Wenn es sich um die Übernahme einer GmbH handelt, bekommt die eh keinen Kredit. Welche BAnk gibt der GmbH mit 25 T€ Stammkapital ein Darlehen??? Daher: Wenn jeder Gesellschafter zu 50% (ca. 60 T€ für jeden) beteiligt ist, bringt jeder Gesellschafter seinen Anteil ein. Das kann in diesem FAll so aussehen, dass der Fragesteller mit einem guten Businessplan für die Finanzierung der "Übernahme einer tätigen Beteiligung" ein KfW-Darlehen bei der Hausbank beantragt. Das Startgeld der KfW finanziert bis 100 T€ und die Bank bekommt eine Budnesbürgschaft über 80% der Kreditsumme. Somit werden normaleweise keine Sicherungsübereignungen oder andere oben angesprochenen Sicherheiten fällig. Der Fragesteller nimmt als Person das Darlehen und stellt es seiner GmbH bzw. dessen Verkäufer als Kaufpreis zur Verfügung.
In ähnlicher Weise läuft das auch bei der Personengesellschaft (GbR oder OHG). Jeder Gesellschafter bleibt für die Finanzierung seiner Hälfte in der Pflicht, die Finanzierung ist auch hier über die KfW möglich. Wenn der andere Gesellschafter "die Bank nicht mit drin haben" will, möchte er dann auch nur Bargeschäfte tätigen?? :wink: Ich denke, diese Sorge zum Einfluss der Bank auf das Tagesgeschäft ist völlig unbegründet. Das ist faktisch nicht möglich.

Selbstverständlich darf über Sicherheiten frei verfügt werden. Jeder, der ein Auto auf Kredit kauft, wird das kennen, dass der Fahrzeugbrief als "Pfand" bei der Bank hinterlegt wird ("Sicherungsübereignung" nennt sich das). Wenn das Fahrzeug veräußert wird, muss man natürlich mit der Bank = dem SicherungsNEHMER vorher sprechen. So verhält es sich auch in der GmbH. Aber vermutlich wird eine Besicherung bei KfW-Startgeld gar nicht notwendig.

uvis-beratung
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Re: Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von uvis-beratung » 27.04.2016, 11:08

@kestrel ....

.... ohne zu sehr irgendwo in die Tiefe zu gehen, sonst würde das ein Roman hier werden, eine Quelle zum Nachschlagen für alle diese Themen:

Existenzgründung - Finanzierung & Sicherheiten - ISBN 978-3-938684-03-0
Inhaltsverzeichnis, Rezensionen und weiterführende Details unter www.uvis-verlag.de/uv5100.htm

MfG Jürgen Arnold - Autor
-www.uvis.de -

Jaquemot
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Re: Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von Jaquemot » 27.04.2016, 11:11

Werter Herr Arnold, es wäre doch schön, wenn Sie ÜBERHAUPT was zur Sache sagen und nicht nur wie hier Ihre Veröffentlichung anpreisen. ich erlebe das jetzt binnen weniger Minuten zum zweiten Mal und möchte Sie bitten, Ihre werblichen Aktivitäten etwas im Zaum zu halten. Vielen Dank.

uvis-beratung
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Re: Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von uvis-beratung » 27.04.2016, 11:38

@jaquemot ....

.... ich muss Ihnen hier entgegnen, dass ihr Einwand prinzipiell berechtigt scheint.

Wenn Sie aber die Gesamteinschätzung sehen, dass in der Durcharbeit der Tausenden von Postings in Foren bei den mehr oder weniger konstruktiven Fragen, der in der "qualitativen Beantwortung" verbundene Zeiteinsatz enrom ist, darf es einem Antwortenden erlaubt sein, abzuwägen wann er welchen Inhalt und Umfang wählt.

Diese Aussage vor dem Hintergrund, dass es auch einen erheblichen Anteil von nicht unbedingt nachvollziehbaren Pseudowissen gibt, die einem Poster nicht wirklich weiterbringen.

So kann der Verweis auf eine Quelle zum Thema einem Fragenden ggfs. eine größere Hilfestellung bieten, als ellenlange Wiederholungen, die sich manchmal überschneiden und auch seltener ergänzen. Dabei spreche ich Sie nicht persönlich an, sondern sehe dies sehr allgemein, wenn ich die letzten Jahre hier betrachte.

Wenn ich dabei auf eigene Erfahrungen und Texte verweise, so wende ich diese sehr zielgerichtet an und liege wie mitunter Rückkopplungen bestätigen sehr richtig, weil auch ein Bezug und Quelle genannt wurde.

Insofern denke ich sollten wir, wenn wir schon mit unseren Ratschlägen die Qualtität der Inhalte stärken, uns gemeinsam diesen Zielen widmen.

MfG Jürgen Arnold
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Kestrel
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Re: Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von Kestrel » 29.04.2016, 10:14

Vielen Dank an alle die mir geantwortet haben.

@Herrn Arnold, gibt es von Ihrem Buch auch eine neuere Auflage wie die von 2006?
Ich bin sicher die Existenzgründerzuschüsse/Darlehen und Varianten haben sich in den letzten 10 Jahren geändert! Die Grundlagen sind bestimmt immer noch zutreffend, allerdings gebe ich ungern 35€ für ein Buch Stand 10 Jahre alt aus...

mir wurde mittlerweile eine andere Möglichkeit vorgeschlagen die auch nicht uninteressant finde:
Ich schreibe einen "neuen" oder auch zweiten Businessplan über eine Existenzgründung aus einem ähnlichen Bereich mit ähnlichen Zielen, nur etwas kleiner gefasst, mit dem Ergebnis, dass ich das Existenzgründungsdarlehen in gleicher Höhe nicht für den Kauf eines bestehenden Unternehmens benötigte sondern für eine "Neugründung" ohne Gesellschafter etc.
Sprich ich benötige 60k€ habe 15k€ als Eigenkapital für eine Unternehmung XY.
Wenn nun die Banken dem Konzept zustimmen, und das Geld zu Auszahlung bereit steht, beantrage ich eine geänderte Mittelverwendung um das bereits genehmigte Geld in die Beteiligung an dem eigentlich zu übernehmenden Unternehmen zu verwenden.

Ist so etwas möglich?

Jaquemot
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Re: Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von Jaquemot » 29.04.2016, 10:46

Beim KfW Startgeld ist das nur in einem geringen Rahmen möglich. Sowas wie: Motorrad statt PKW oder Maschine B statt Maschine A. Ein kompletter Wechsel der Verwendungszweckes wird nicht gehen. Für eine "nackte" Neugründung müssten man doch eine entsprechende sachliche Ausstattung (PKW, EDV, Maschinen etc.) zur Dokumentation des Finanzierungsbedarfs angeben. Dies dann umzuwidmen in eine Investition in ein Unternehmen gehen weder die Hausbank noch die KFW mit. Da ergibt sich nämlich - so ähnlich es auch klingen mag - ein völlig neues Geschäftsmodell und eine andere Risikoprüfung, u.a. mit der Frage: ist das "andere" Investment genau so ertragreich und kapitaldienstfähig wie das ursprüngliche.

Ich würde direkt die Unternehmensübernahme darstellen und den Anteil von 60 T€ über das KfW-Startgeld finanzieren. Da gibt es eine Haftungsentlastung von 80% für die Hausbank, womit voraussichtlich auch das Thema der weiteren Besicherung außen vor wäre. Die eigenen vorhandenen Mittel müssten gar nicht erst eingebracht werden, sondern könnten als "Puffer" im privaten Bereich verbleiben.

uvis-beratung
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Re: Existenzgründerdarlehen Inventar als Sicherheit?

Beitrag von uvis-beratung » 02.05.2016, 13:02

@kestrel ...

.... der bezeichnete Titel befindet sich derzeit in der redaktionellen Überarbeitung. Soweit über grundlegende Inhalte, Themen mit zeitaktuellen Inhalten betroffen sind, besteht nach Erscheinen die Möglichkeit, wie bei allen Titeln der Gründerreihe über eine Premiumoption auf die bis zu einer Neuerscheinung in Vorbereitung befindenden Aktualisierungen via Verlagsdatenbank zuzugreifen.

MfG Jürgen Arnold
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