Grundregeln im Umgang mit Banken

Darlehen, Kreditlinien, Kontokorrent, Geschäftskonto, Bankverhalten, Finanzkrise und Kreditkrise.
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binaryman
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Grundregeln im Umgang mit Banken

Beitrag von binaryman » 07.04.2017, 09:42

Hallo an alle Gründer!

Ich bin seit mehr als 20 Jahren in mehreren Bereichen selbständig tätig und hatte in dieser Zeit mit vielen Banken zu tun. Aus den Erfahrungen haben sich ein paar Grundregeln ergeben, die ich gerne allen Selbständigen an Herz legen möchte:

1) Niemals einer Bank vertrauen!
Eine Bank ist ein ausschließlich gewinnorientiertes Unternehmen und sonst nichts. Für Geld machen die alles - auch wenn sie es eigentlich nicht dürften. Weil sie es können...

2) Privatkonto und Geschäftskonto bei verschiedenen Banken!
Wenns mal nicht gut läuft dann werden Banken schnell ungemütlich. Bis hin zur Kontosperrung ist vieles möglich. Wenn das Privatkonto bei der selben Bank ist wie das Geschäftskonto dann sperren die das Privatkonto gleich mit. Und dann läuft gar nix mehr. Am besten ist es wenn man sogar zwei Banken allein fürs Geschäft hat. Dann macht man bei einer Bank die Kredite und den Geldeingang und überträgt monatlich den Rest zur zweiten Bank und den geschäftlichen Geldausgang. Und von dort zahlt man sich das Gehalt auf das Privatkonto.

3) Zweckerklärung bei Grundschulden prüfen!
Falls jemand einer Bank eine Grundschuld eingeräumt hat bitte unbedingt auf die Zweckerklärung schauen. Die Zweckerklärung gibt an wofür diese Grundschuld verwendet werden darf. Im Prinzip gibt es zwei Arten der Zweckerklärung. Die weite und die enge Zweckerklärung. Darüber wird der Grundschuldgeber in der Regel niemals von der Bank aufgeklärt. Wir glauben nur immer, dass die Grundschuld z.B. zum Hauskredit gehört. Ist aber nicht so. In der Regel holen sich Banken eine weite Zweckerklärung mit der sie machen können was sie wollen. War die Zweckerklärung z.B. ursprünglich für das Privathaus dann kann sie trotzdem auch für alle anderen Verbindlichkeiten herangezogen werden. Das gilt auch für abbezahlte Kredite! Wer wissen will wie die Bank zur Grundschuld steht, der braucht nur nachfragen unter welchen Umständen er sie löschen lassen darf. Da hat schon so mancher seine Überraschung erlebt. Gerade bei Selbständigen.

4) Bearbeitungsfristen setzen!
Grundsätzlich sitzen Banken immer am längeren Hebel. Vor allem beim kleinen Selbständigen. Wer etwas von der Bank will, der wird schon mal hingehalten. Manchmal mit Absicht und manchmal einfach nur, weil auch Banker nur Menschen sind. Trotzdem geht es dabei immer nur ums Geschäft. Und ich kenne wirklich viele Fälle (auch aus eigener Erfahrung), bei denen es Probleme gab, weil die Banken einfach nichts getan haben. Manchmal dauern die einfachsten Dinge Monate. Und immer heißt es "Ich kümmere mich drum" und "Das kriegen wir schon hin". Wenn das so läuft dann sollten alle Alarmglocken läuten. Denn wenns nachher doch nicht klappt ist die Bank niemals schuld. Ausbaden darf es der Selbständige. Also nie mit etwas rechnen bevor es erledigt ist. Immer davon ausgehen, dass es nicht erledigt wird. Zur Sicherheit immer einen Termin setzen bis zu dem eine Antwort erfolgen muss. Und wenn die Bank bis dahin nichts tut sofort der geschäftlichen Notwendigkeit entsprechend reagieren.

5) Nur Schriftliches zählt!
Aus Punkt 1 ergibt sich schon logischerweise Punkt 5. Trotzdem möchte ich das nochmal verdeutlichen. Der Mitarbeiter an der Front hat eigentlich überhaupt nix zu sagen. Was immer er verspricht ist absolut wertlos solange es nicht geschrieben steht. Selbst kleinste Entscheidungen werden heute vom Vorstand getroffen, den wir nie zu Gesicht bekommen. Daher ist es besonders WICHTIG: Immer wenn eine Entscheidung getroffen wird, die auf der Aussage eines anderen basiert, MUSS die Aussage des anderen schriftlich vorliegen. Das gilt z.B. auch für Punkt 3. Wenn die Bank sich äußert unter welchen Umständen sie eine Grundschuld frei gibt dann immer schriftlich geben lassen.

6) Wer Geld braucht bekommt keines!
Die obige Zeile ist ein Zitat eines Bankers und ist sozusagen die Leitkultur bankinternen Handelns. Darüber darf jeder selber nachdenken. Praktisch bedeutet es, dass Liquidität durch nix zu ersetzen ist. Auch Sicherheiten spielen heute keine Rolle mehr. Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit sind das größte Kapital eines Unternehmers und muss unter allen Umständen erhalten bleiben. Niemals das ganze Geld ausgeben, niemals alles aufs Spiel setzen!! Banken versuchen Abhängigkeiten zu erzeugen, weil sie daran verdienen. Banken sind die einzigen Unternehmen, bei denen jener ein guter Kunde, der das meiste Geld zu den schlechtesten Konditionen und ohne Sicherheit bekommt.

7) Insolvenz einplanen!
Es mag sich etwas seltsam anhören einem Gründer, der von einer besseren Zukunft und Selbstbestimmung träumt, Überlegungen zur Insolvenz ans Herz legen. Dennoch ist sie ein wichtiger Bestandteil unternehmerischen Handelns. Jeder kommt irgendwann in die Situation, dass es finanziell eng wird. Darauf sollte man vorbereitet sein. Die finanziellen Regelungen gerade für kleine Selbständige sind in den letzten Jahren wesentlich schlechter geworden. Siehe Punkt 6. Wie schon Warren Buffet sagte herrscht ein Krieg "der Reichen gegen die Armen". Der Gesetzgeber erlässt laufend neue Gesetze, die den leistungsorientierten Gewinn verhindern sollen. Ich kann daher nur jedem empfehlen sich schon beim Start des Unternehmens auch den Kopf zu zerbrechen wann das Unternehmen zu beenden ist. Dafür sollte es ein klares Kriterium geben und der Zeitpunkt so gewählt sein, dass noch Entscheidungsfreiheit gegeben ist. Wenn man bereits von den Gläubigern getrieben ist dann ist es zu spät und es wird richtig teuer.

8) Schnittstelle Bank!
Wer unternehmerisch tätig ist wird ziemlich schnell feststellen, dass es zwei finanzielle Welten gibt. Die Realwirtschaft und die Finanzwirtschaft. Als kleines Unternehmen ist man in der Realwirtschaft. Dort muss man für sein Einkommen arbeiten. Als großes Unternehmen (oder staatliche Institution) ist man in der Finanzwirtschaft. Dort braucht vorrangig gute Bekannte. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden Welten ist das Geld. Die Bank ist dabei die Schnittstelle und verbindet die beiden Welten. Die Finanzwirtschaft kennt kaum einer. Ich kann aber nur jedem empfehlen sich damit zu beschäftigen. Sie ist eine unglaubliche Erfindung menschlichen Einfallsreichtums und bestimmt unser tägliches Leben mehr als alles andere. Ein paar Stichworte für die Internetsuche sind: Geldschwemme, Begriffsdefinition "Kapital", Giralgeld, Vollgeld.

Ich hoffe ich konnte ein paar hilfreiche Anregungen geben und wünsche allen Gründern viel Erfolg bei ihren Unternehmen.

Isabella
Beiträge: 4
Registriert: 01.01.2017, 09:57

Re: Grundregeln im Umgang mit Banken

Beitrag von Isabella » 05.05.2017, 11:45

Vielen Dank für Deine umfangreichen Informationen bezüglich Banken. Da ich auch schon einige Jahre selbständig bin kenne ich das ganze trara mit unseren Banken. Was ich noch hinzufügen sollte, wären auch Konten im Ausland dahin kann weder sofort das Finanzamt pfänden noch irgend eine deutsche Institution Geld ab heben. Ich schreibe hier aber nicht von Schwarzgeld Konten sondern einfachen Geschäftskonten im Ausland. Mein schwer verdientes Geld verteile ich selbst und nicht die Bank oder das Finanzamt! Ich will damit nicht sagen das ich keine Steuern bezahle sondern es wird nach Priorität bezahlt. Mein Heim ist mir wichtig, daher erst Hauskredit tilgen und dann alles andere.
Noch schlimmer als die Bank sind Steuerberater, die Steuer nicht pünktlich abgeben und mit Beratungsfehlern die Firmen in die Pleite treiben . Das Thema Steuerberater und ihre Arbeitsweisen sollte hier auch einmal aufgeführt werden. Es passieren viele Fehler und manche Firmen gehen in Insolvenz und merkt es nicht einmal das auch der Steuerberater eine ,,Mit" Verschulden hat.

uvis-beratung
Beiträge: 631
Registriert: 25.10.2011, 10:23

Re: Grundregeln im Umgang mit Banken

Beitrag von uvis-beratung » 08.05.2017, 15:30

@binaryman, @isabella

Danke binaryman für deinen ausführlichen Beitrag. Sicherlich sind das mal die Kerngedanken zum Umgang mit Banken. Doch das Umfeld ist viel viel diffizieler.

Auch Isabella trifft des Pudels Kern. Die meisten Unternehmer, die in die Insolvenz gingen hatten Steuerberater. Sicherlich gibt es da viele gute. Nur wundert es immer wieder in Krisensituationen, dass diese zunächst nur bedacht sind, ihre "anvertrauten" Buchhaltungsarbeiten zu tätigen.

Aber nicht nur Steuerberater, sondern gerade Banken, sehen mit als erste, wenn ein Unternehmen nicht mehr rund läuft und der Unternehmer unangenehme Entwicklungen verdrängen möchte. Wach wird dieser erst dann, wenn der Leidensdruck recht hoch wird. Meist ist es dann aber für einen Turn Around zu spät.

Zu beiden Themenkomplexen weiterführende Denkanstöße, Prombleme in diesen Themenbereichen zu reduzieren oder gar rechtzeitig zu vermeiden.

Existenzgründung - Finanzierung & Sicherheiten - ISBN 978-3-938684-03-0 und
Unternehmenscoaching - Insolvenzgefahren vermeiden - ISBN 978-3-938684-11-5

Die jeweiligen Inhaltsverzeichnisse oder weitere Detailinformationen via uvis-verlag.de/uv5100.htm

Besser noch ist es, wenn Unternehmer stets wachsam agieren und relevante Planungs- und Controllingsysteme mit Frühwanindikatoren einsetzen.

MfG Jürgen Arnold - Autor
- uvis.de -

sa223
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Registriert: 21.04.2019, 14:37

Re: Grundregeln im Umgang mit Banken

Beitrag von sa223 » 16.06.2019, 21:35

Ich finde es auch super interessant und du hast das echt klasse zusammen getragen! Zudem ist das Thema Sicherheit ja auch wirklich wichtig! Ich habe mich auch auf https://www.kuglermaag.de/verbesserungs ... 21434.html beraten lassen, sodass ich in vielerlei Hinsicht abgesichert bin!

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