Gründungskredit auch ohne EK möglich?

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cibo
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Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von cibo » 08.10.2012, 08:35

Hallo zusammen,
ich plane schon seit langem die Selbstständigkeit. Leider ist es bis jetzt immer wieder an den Banken gescheitert, ich denke wegen des fehlenden Eigenkapitals. Ich habe mehrere Konzepte im Bereich Tierbedarf und Zubehör vorgelegt mit einem Kapitalbedarf von 40.000 € (kleines Geschäft) (lt Unternehmensberater wäre das auch ohne EK möglich gewesen) bis 250.000 € (großes Geschäft größe Fressnapffiliale), bis her wurden alle ablgelehnt und so langsam macht sich Frust breit.
Jetzt habe ich ganz inoffiziell von einer Bekannten, dessen Freundin bei der Sparkasse arbeitet, erfahren dass es durchaus möglich ist auch ohne Eigenkapital einen entsprechenden Kredit zu bekommen. Auch diverse Unternehmensberater haben so etwas im Erstgespräch angedeutet. Jetzt wäre meine Frage nach Euren Erfahrungswerten in dem Bereich. Vielleicht stand ja jemand vor einer ähnlichen Situation.

Zudem würde mich mal interessieren, ob es sinnvoll ist unter dieses erschwerten Bedingungen einen Unternehmensberater zu beauftragen mit der "Verbesserung" des Businellplanes. Ich hatte schon viele Erstgespräche und alle meinten, dass die Chancen bei der Bank deutlich steigen. Einer war sogar so tollkühn zu behaupten, dass er ein Konzept mit einem Kapitalbedarf von 250.000 € bei der Bank durchsetzten kann völlig ohne EK (allerdings auch ohne Garantie). Natürlich wollte der gute Mann für seine Dienste 4500 € im voraus, was bei mir alle Alarmglocken klingeln lässt.
Oder kann ein erfahrender Unternehmsberater das tatsächlich schaffen?

Markus1984
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von Markus1984 » 08.10.2012, 15:49

Vorweg sei gesagt, dass es theoretisch durchaus möglich ist, auch ohne EK einen Kredit zu bekommen. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, bei dem es funktioniert hätte. Das soll dich aber nicht frustrieren... vielmehr möchte ich kurz darauf eingehen, was Gründe für das Scheitern waren.
Um einen Kredit ohne EK zu bekommen, bedarf es einem lupenreinen Businessplan der durchaus von einem qualifizierten Berater erstellt werden sollte. Zum anderen hängt es auch sehr stark von der Branche ab, in der man sich selbstständig machen möchte. Ich denke das es in deiner Branche gute Planzahlen gibt, die man für den BP verwenden kann. Was ich jedoch nicht weiss ist, wie die Bank einer solchen Geschäftsidee gegenüber eingestellt ist und wie realistisch deine Planzahlen sind.
Abgesehen vom BP der realistisch sein muss, hängt es zu einem extrem hohen Teil an der Gründerpersönlichkeit, seiner Berufserfahren, seiner Qualikikationen sowie von seinem persönlichen Auftreten ab. Welche kaufmännischen Qualifikationen kannst Du vorweisen? Welche branchenspezifischen Qualifikationen kannst Du vorweisen? Sollten diese Fragen Probleme bereiten, weisst Du direkt wieso es nicht geklappt hat und nicht klappen wird. In diesem Falle soltest Du entsprechende Qualifikationen erwerben oder einen Mitgründer mit entsprechenden Qualifikationen ins Boot holen. Ggf. findet sich auch ein Mitgründer, der etwas EK mit einbringen kann!? Dies würde die Chancen definitiv erhöhen.

LG
Markus

cibo
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von cibo » 09.10.2012, 08:13

Hallo Markus,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort, dass läßt schonmal ein bisschen hoffen. Da ich Fragen bezüglich der Qualifikationen durchaus positiv beantworten kann (trotz dass ich eigentlich Quereinsteiger bin) könnte es eventuell doch noch klappen.
Ich weiß von meinem Anlauf noch von einem Unternehmensberater der bereits einige Kunden in dieser Branche betreut, ich denke werde mich noch mal mit dem guten Mann in Verbindung setzten. Er war zwar mit über 4000€ Honorar nicht ganz billig aber mal schauen was er für eine Prognose abgibt. Und vielleicht findet sich derweil noch ein Partner.

Markus1984
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von Markus1984 » 09.10.2012, 08:21

Hallo cibo,

freut mich, dass dir mein Beitrag etwas gebracht hat. 4000 Euro sind eine ganze Menge Geld... gerade bei Beratern ist Vorsicht geboten. Es gibt wie in allen Branchen sehr viele schwarze Schaafe. Zumal ein Existenzgründer knappes Budget hat und Geld braucht... statt es auszugeben....
Erkundige dich doch mal bei der ansäßigen IHK nach fachkundigen Stellen zum erstellen eines professionellen Businessplans. Soweit ich weiß gibt es auch Wirtschaftssenioren, die ehrenamtlich beraten. Gerade die IHK sollte dir eine wertvolle Hilfe sein. Investiere nicht blauäugig 4000 Euro in einen Berater, der dir das blaue vom Himmel verspricht. Erzählen kann man dir viel aber wieviele Referenzen sind nachweislich?
Lasse dich lieber von der IHK beraten und sir Schwachstellen aufzeigen und leg die 4000Euro mal beiseite.... Wieviel EK verlangten die Banken bei denen Du vorgesprochen hast? Da sollten 4000 Euro eine gute Grundlage bilden, um das EK zusammen zu bekommen, zumal sich dein Investitionsvolumen im Rahmen hält.

cibo
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von cibo » 09.10.2012, 08:33

Ich kam auf den Berater weil den Jumbo Zoo bei mir vor der Haustür damals bei der Gründung begleitet hat, den Kontakt hatte damals ein Nachbar hergestetllt, daher kenn ich den guten Mann. Aber werd auch in jedem Fall mal zur IHK gehen und dort nachfragen.
Die Bank hätte gerne mindestens 35.000 € EK bei einem Gesamtkredit von 250.000 €. Eine Menge Geld, wenn man bedenkt, dass ich zur Zeit aufgrund unglücklicher Umstände nicht einmal einen Bruchteil davon habe. Leider läßt sich auch an der Kreditsumme nichts mehr groß einsparen. Im Bereich Tierbedarf kommt man mit einem kleinen Geschäft nicht gegen die Konkurrenz wie Jumbo Zoo und Fressnapf an, sprich man in der gleichen Größenordnung spielen, dann hat man gute Erfolgschancen (ein guter Standort vorausgesetzt). Die 250.000 € entsprechen in etwa dem Wert einer typischen Fressnapffiliale und das ist auch der Wert der in den Franchiseunterlagen von Fressnapf vorgegeben wird.

Markus1984
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von Markus1984 » 09.10.2012, 08:55

Ich bin von 40.000 Euro ausgegangen... die Bedenken der Bank liegen doch auf der Hand... die Bank denkt in Zahlen und nicht wie Du oder ich. Wieso sollte dir die Bank soviel Geld geben, wenn Du nichtmal mit einem kleinen Geschäft überleben kannst? Ich verstehe deine Gedankenwege aber ich verstehe auch die Banken. Im übrigen werden solche Kredite nicht alleine von Hausbanken gewährt. Hier kommen auch die KFW Banken zum tragen, aber damit kenne ich mich nicht aus.
Wenn Du es schaffst mit einem kleinen Laden (40.000) zu überleben und überzeugende Planzahlen hast, ist ein Kredit denkbar, zumal du das EK hierfür bestimmt zusammen bekämst. Eine große Filliale im Wert von 250.000 Euro, gebe ich jedoch keine Chance. Sorry! Wieso sollte dir jemand soviel Geld geben? Zumal du preislich immernoch nicht mit großen Ketten mithalten könntest, da diese zu ganz anderen Konditionen einkaufen.

cibo
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von cibo » 09.10.2012, 09:29

Das Problem mit einem kleinen Geschäft ist, dass man dann nur eine bestimmte Randgruppe an Kunden ansprechen kann. Z.b. mit Biofutter oder alternativen Futtermöglichkeiten (Frischfleisch und Co). Handelsübliche Marken die jeder kennt und die viele Leute kaufen (Pedigree, Whiskas ect) kann man aufgrund der Maße dann nicht anbieten, zumal das bei einem kleinen Geschäft den finanziellen Rahmen sprengen würde. Und nur von "biobegeisterten" Kunden kann nur schwer überleben. Interessanter Weise hat die Beraterin der Sparkasse selbst eingeräumt, dass man mit einem großten Geschäft größere Erfolgschancen hat.
Das man preislich nicht mithalten kann ist allerdings ein Irrglaube. Hier in Essen gibt es einen Systemgroßhandel der alle größeren Zoofachgeschäfte beliefert. Ich habe von denen ein paar Beispielpreise für einige Artikel bekommen für meine Kalkulation und das sieht garnicht schlecht aus. Preislich läßt sich problemlos mit den Ketten mithalten. Zumal gerne vergessen wird, dass Futterhaus und Co Ihre Preise nicht selbst bestimmen können. Die Preise werden von den Franchisezentralen vorgegeben, damit sich die Märkte untereinander keine Konkurrenz machen.
Allerdings kann ich die Bedenken der Bank auch verstehen, auch die Chancen mit einem großten Geschäft besser sind, so ist das finanzielle Risiko um einiges höher.

steuerbeck
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von steuerbeck » 11.10.2012, 12:28

Hallo,

was spricht eigentlich gegen Franchise bei einer großen Kette?
Die liefern den kompletten Gründungsplan und unterstützen auch bei den Bankverhandlungen, Standortwahl usw.. Außerdem dürften die Chancen höher stehen, wenn ein "Großer" mit erprobtem Konzept im Hintergrund steht. Auch wenn die unternehmerische Freiheit bei Franchise nicht grenzelos ist, sollte man es nicht katagorisch ablehnen oder ausschließen.
Ich kann aus der Erfahrung von Mandanten überwiegend positve Ergebnisse bestätigen. Das Betriebsergebnis ist derart positiv, dass die zweite Filiale komplett aus dem EK ohne Bank finanziert werden konnte.

Wenn Sie dennoch auf den Unternehmensberater setzen wollen, sollten Sie ein Erfolgshonorar vereinbaren.
Sprich er bekommt nur das volle Honorar, wenn eine Finanzierung tatsächlich zustande kommt.
Außerdem gibt es auch Zuschüsse für die Beratung. Die werden nur an registrierte Unternehmensberater ausgezahlt. So kann man ggf. auch "prüfen" ob der UB mutmaßlich seriös ist.

Haben Sie schon mit Ihrem Steuerberater über Ihre Pläne gesprochen ? Auch dort kann man Ihnen ggf. helfen und auch zuverlässige UB empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen
gerd.beck@etl.de

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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von cibo » 11.10.2012, 15:48

Hallo Herr Beck,
grudsätzlich spricht nichts gegen Franchise. Ich habe sogar schon Unterlagen vom Futterhaus hier (Fressnapf nimmt derzeit leider keinen neuen Partner auf). Die benötigte Kreditsumme entspricht in dem Fall ebenfalls 250.000 € zuzüglich der Eintrittsgebür von 5100 €. Ich befürchte, dass trotz des ausgereifeten Konzeptes eine Bank ohne EK dieses Vorhaben nicht unterstützen möchte. Ansonsten wäre ich auch sofort und auch gener bereit, eine Futterhausfiliale zu eröffnen. Ich werde mir Ihren Rat in jedem Fall zu Herzen nehmen und mit dem Franchisekonzept noch einmal bei einem Steuerberater vorsprechen, bislang ging es immer nur ein eigenes Konzept.
Leider mußte ich die ERfahrung machen, dass es schwierig ist, einen UB zu finden, der Erfolgsbasiert arbeitet, ich werde aber in jedem Fall weiter dran bleiben. Vielleicht findet sich ja noch jemand, der sich der Sache annehmen möchte.
Ihrem Text entnehme ich, dass Sie Erfahrungen mit Mandanten in dieser Brache haben? Gab es auch mal einen Fall ohne oder mit nur sehr geringem EK?

Markus1984
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von Markus1984 » 11.10.2012, 17:00

Auch beim Franchising sollte man das unternehmerische Risiko nicht außer Acht lassen. Ich gebe Herrn Beck Recht, dass es sicherlich einfacher ist mit einem Franchise Unternehmen Fuß zu fassen aber nicht jedes Franchise Unternehmen ist gut. Hier sollten eine ganze Menge Prüfungen vorgenommen werden, bevor ein solcher Vertrag unterzeichnet wird. Bezüglich der Finanzierung, kann ich mir nicht vorstellen, dass man diese Summe ohne EK bei der Bank bekommt. Auch nicht bei einem bereits erpropten Konzept. Sollte dir hier jemand das blaue von Himmer versprechen, sollte Vorsicht geboten sein.
Einen UB zu finden, der auf Erfolgsbasis arbeitet ist ein nett gemeinter Ratschlag aber wohl kaum zu finden. Wer für seine Arbeit 5000 Euro verlangt aber nur 2500 Euro zu Beginn nimmt und den Rest erst nach erfolgreicher Finanzierung bekommt, ist sicherlich nicht unbedingt seriös.... ehr das Gegenteil ist der Fall. Sei extrem vorsichtig aber bleib dran.

uvis-beratung
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Re: Gründungskredit auch ohne EK möglich?

Beitrag von uvis-beratung » 15.10.2012, 14:21

@cibo ....

.... als Betroffener (30 Jahre Kernkompetenz Start-ups) empfehle ich ein gesunden EK-Stamm von 15 - 25%. Diese Gründungen haben einfach finazierungstechnisch die besseren Chancen, was natürlich nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass sie dadurch einen garantierten Erfolg haben. Dieser hängt nach wie vor von der Schlüssigkeit der Gründungsidee, von den Zielgruppen und dem Marktverhalten der Wettbewerber mit ab.

Das es auch ohne EK gehen soll, bekomme ich auch immer mal wieder mit und kann mir dann ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen. Leider ist es dann oft so (wie eben auch in anderen Berufssparten), dass diejenigen, die versprechen, nach einer gewissen marktschreierischen Zeit von demselben wieder verschwunden sind. Betroffene stehen dann meist bis zum Hals im Wasser.

Deshalb mein Tipp: EK muss sein. Ich stelle dann mal den Buchtipp

Existenzgründung - Finanzierung & Sicherheiten - ISBN 978-3-398684-03-0

mit bei, dessen Inhaltsverzeichnis Du gerne unter http://www.uvis-verlag.de/uv5100.htm einsehen kannst.

Wünsche gutes Gelingen. Manchmal macht es mehr Sinn, ein Jahr später mit etwas mehr angesparten Eigenkapital zu gründen.

MfG Jürgen Arnold (Autor)
- http://www.uvis.de -

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