Direktvertrieb - welche Form?

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FDKT91
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Direktvertrieb - welche Form?

Beitrag von FDKT91 » 03.05.2009, 18:52

Hallo zusammen,

die Firmengründung liegt hinter mir und das Geschäft wirft planmäßige Gewinne ab. Um weiter wachsen zu können ist es notwendig, dass die angebotene Dienstleistung über ein Netzwerk an Vertretern vertrieben wird. Ich möchte den Vertretern kein festes Gehalt zahlen, sondern für jeden Verkauf eine Provision.

Welche Form des Direktvertriebs bietet sich an? Der freie Handelsvertreter? Wobei hier die Problematik der Scheinselbstständigkeit besteht.
Welche anderen Möglichkeiten gibt es? Danke für eure Hilfe!

Beste Grüße,
Florian

C.Ahr
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Re: Direktvertrieb - welche Form?

Beitrag von C.Ahr » 04.05.2009, 06:18

Hallo,

das Thema Scheinselbstständigkeit hat sich etwas gewandelt. Zur Einleitung ein paar Zeilen aus einem meiner Texte:

"Selbstständige Personen sind solche, die ihre Tätigkeit und Arbeitszeit frei gestalten gestalten können, sowie über ihre Arbeitskraft frei verfügen können. Die Tätigkeit findet im eigenen Namen und auf eigene Rechnung statt, und man trägt das volle wirtschaftliche Risiko selbst. Wenn auch noch sozialversicherungspflichtige Beschäftigte beschäftigt werden, dann ist eine selbstständige Tätigkeit zweifelsfrei gegeben.
Scheinselbstständig dagegen ist, wer wirtschaftlich und persönlich im Wesentlichen von nur einem Auftraggeber abhängig ist und bei der Tätigkeit Ort und Zeit vorgegeben wird. Ein Scheinselbstständiger gibt also eine Selbstständigkeit vor, obwohl er abhängig beschäftigt ist. Das kann für ihn attraktiv sein, da er Sozialabgaben spart, aber auch für den Auftraggeber, da er weder Kündigungsschutz beachten, noch Arbeitgeberanteile in die Sozialversicherungssysteme leisten muss."

"Nach einer Gesetzesnovelle und zahlreichen Problemen, wurde das ganze Thema etwas entschärft, bis dahin galten aber 5 Kriterien, bei denen drei erfüllt sein mussten um als Scheinselbstständiger nach § 7 Absatz 4 SGB IV eingestuft zu werden. Diese stellten auf die Beschäftigung anderer Arbeitnehmer, Anzahl der Auftraggeber, Unternehmertypische Merkmale, vorherige Beschäftigung, sowie die Art der Tätigkeit ab. Diese Kriterien gelten nun nicht mehr, das Problem ist damit entschärft, außer in offensichtlichen Fällen."

Das Thema Scheinselbstständigkeit hat sich also stark entschärft. Der Handelsvertreter ist wesentlich älter als jede Debatte über Sozialabgaben. Im HGB widmet sich der 7. Abschnitt komplett dem Handelsvertreter §84 findet hierzu die einleitenden Worte:

§ 84
(1) Handelsvertreter ist, wer als selbständiger Gewerbetreibender ständig damit betraut ist, für einen anderen Unternehmer (Unternehmer) Geschäfte zu vermitteln oder in dessen Namen abzuschließen. Selbständig ist, wer im wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann.
(2) Wer, ohne selbständig im Sinne des Absatzes 1 zu sein, ständig damit betraut ist, für einen Unternehmer Geschäfte zu vermitteln oder in dessen Namen abzuschließen, gilt als Angestellter.
(3) Der Unternehmer kann auch ein Handelsvertreter sein.
(4) Die Vorschriften dieses Abschnittes finden auch Anwendung, wenn das Unternehmen des Handelsvertreters nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.

Fazit: aufgrund der Angaben wäre der Handelsvertreter genau das richtige Instrument. Bitte aber die einschlägigen Paragraphen im HGB durchlesen. Dies geht online bspw. unter http://bundesrecht.juris.de/hgb.

Und wie findest du nun einen Handelsvertreter?
- Anzeigen in einer Zeitung
- Kleinanzeigen im Internet
- spezialisierte Börsen www.handelsvertreter.de/
- interessierte Leute aus dem Bekanntenkreis direkt ansprechen.

Mit besten Grüßen,
Christoph Ahr

FDKT91
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Re: Direktvertrieb - welche Form?

Beitrag von FDKT91 » 04.05.2009, 19:06

Hallo,

danke für die sehr gut durchdachte und wissentlich fundierte Antwort. Damit hast Du fürs Erste all meine Frage beantwortet. Rechtliche Details und Vertragsinhalte werde ich dann mit meinem Anwalt besprechen.

Beste Grüße,
Florian

mgb-consulting

Re: Direktvertrieb - welche Form?

Beitrag von mgb-consulting » 04.05.2009, 20:48

Hallo ...

die Antwort ist grundsätzlich nicht falsch, die Problematik ist jedoch der Ausgleichsanspruch, den der HV mit Aufnahme seiner Tätigkeit aufbaut und der vielleicht irgendwann eingefordert wird.

Unter Umständen kann es dann sinnvoll sein, eine Vertriebs-GmbH zu gründen und diese dem Handelsgewerbe vorzuschalten, um Schaden vom Handelsgewerbe fern zu halten.

MfG
MGB-Consulting

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