Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

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PJFry
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Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von PJFry » 17.01.2012, 19:18

Hallo,

es gibt drei Personen die zusammen eine GmbH gründen möchten. Jede Person soll zu gleichen Anteilen an der Gesellschaft beteiligt sein und ist gleichzeitig Geschäftsführer der GmbH.

Im Moment führt jede Person bereits ein Einzelunternehmen:
Person A: Einzelunternehmen seit 10 Jahren, Umsatz in 2011 ca. 50.000 EUR, Firmenwert ca. 15.000 EUR
Person B: Einzelunternehmen seit 2 Jahren, Umsatz in 2011 ca. 10.000 EUR, Firmenwert ca. 2.000 EUR
Person C: Einzelunternehmen seit einem Jahr, Umsatz in 2011 ca. 1.000 EUR, Firmenwert ca. 100 EUR

Die Gesellschafter möchten möglichst wenig Kapital zur Gründung der GmbH aufbringen müssen, eine Idee war die Stammeinlage mit 12.500 EUR anstatt 25.000 EUR da drei Gesellschafter vorhanden sind.

Alle Einzelunternehmen bilanzieren nicht sondern nutzen die EÜR / Gewinn-/Verlustrechnung. Der Firmenwert wurde anhand einer Vorlage eines Gesellschaftsvertrags ermittelt.

Die Frage ist nun, wie könnten die bestehenden Einzelunternehmen möglichst kostengünstig und ohne hohe Steuerlasten in die GmbH übertragen werden?

Müsste jedes Einzelunternehmen eine Bilanz erstellen und einen HR-Eintrag vornehmen um in die GmbH eingehen zu können?

Mit allen drei Einzelunternehmen wäre die Kapitaleinlage jedoch bereits bei 17.100 EUR und die Kapitaleinlage wäre nicht mehr gleichmäßig verteilt. Personen B und C müssten vermutlich einen Ausgleich an Person A bezahlen, der vermutlich wieder versteuert werden müsste.

Zusammengefasst: Drei Einzelunternehmen mit unterschliedlichen Werten sollen in eine GmbH mit gleichen Anteilen übernommen werden. Wie könnte das durchgeführt werden?

riese
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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von riese » 18.01.2012, 08:12

Hallo,

ich glaube, Du verwechselst hier die Begriffe "Firmenwert" und "Eigenkapital".

Die Einnahme-Überschuss-Rechnungen müsst Ihr erst mal verbrennen und Bilanzen aufstellen, was eine Übergangsrechnung erforderlich macht.

Mit den Bilanzen werden dann die bisherigen Einzelbetriebe als Sacheinlagen in die zu gründende GmbH eingebracht. Ich unterstelle mal, dass es sich bei den Beträgen, die Du als "Firmenwerte" bezeichnet hast, um die Beträge handelt, die auf den Einzelbilanzen als Eigenkapital ausgewiesen sind.

Daraus würde sich dann ein Stammkapital 17100,00 € von errechnen, an dem die Gesellschafter wie folgt beteiligt wären:
Gesellschafter A = 15000,00 €
Gesellschafter B = 2000,00 €
Gesellschafter C = 100,00 €

Da Ihr Euch aber nicht mit einer UG begnügen wollt (wo ohnehin keine Sacheinlage zulässig ist), sondern eine "echte" GmbH wollt, benötigt Ihr ein Stammkapital von 25000,00 € und müsst die Differenz in Geld beisteuern. Da Ihr gleiche Anteile wollt, würde der Geschäftsanteil eines jeden Gesellschafters 8333,33 € betragen. auf das neu einzurichtende Geschäftskonto hätten also einzuzahlen:
Gesellschafter B: 6333,33 € (8333,33 - 2000,00)
Gesellschafter C: 8233,33 € (8333,33 - 100,00)
Gesellschafter A hat bereits 15000,00 € Sacheinlage eingebracht, obwohl er nur eine anteilige Stammeinlage von 8333,33 € hätte erbringen müssen. Die 6666,67 €, die die Einlage die Stammeinlage übersteigt, fließen dann in die Kapitalrücklage.

Es handelt sich hierbei übrigens um eine Verschmelzung nach dem Umwandlungsgesetz.

Gruß
Rainer

PJFry
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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von PJFry » 19.01.2012, 07:12

Hallo Rainer,

vielen Dank fuer Deine Antworten.
riese hat geschrieben: ich glaube, Du verwechselst hier die Begriffe "Firmenwert" und "Eigenkapital".
Ich bin davon ausgegangen, dass ein Einzelunternehmen kein wirkliches Eigenkaptial hat sondern "nur" mit einem Wert bemessen werden kann. Den "Wert" der Einzelunternehmen haben wir nach einer Standardformel berechnet die aus einem Muster-Gesellschaftsvertrag aus einem Buch zu GmbH-Gruendungen kommt.
Die Einnahme-Überschuss-Rechnungen müsst Ihr erst mal verbrennen und Bilanzen aufstellen, was eine Übergangsrechnung erforderlich macht.
Hmm das sind keine guten Nachrichten ... ist es denn *zwingend* erforderlich, Bilanzen fuer die Einzelunternehmen aufzustellen damit sie als Sacheinlagen in die GmbH eingebracht werden koennen?
Da Ihr Euch aber nicht mit einer UG begnügen wollt (wo ohnehin keine Sacheinlage zulässig ist), sondern eine "echte" GmbH wollt, benötigt Ihr ein Stammkapital von 25000,00 € und müsst die Differenz in Geld beisteuern.
Doch, eigentlich wuerde uns eine UG ausreichen und das war auch das Ziel. Nur ist die Frage, wie kommen wir mit unseren drei Einzelunternehmen zu einer gemeinsamen UG? Die Einzelunternehmen als Sacheinlagen einbringen geht ja schon mal nicht, was ist die Alternative?

Gruß
Fry

riese
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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von riese » 19.01.2012, 13:23

Hallo Fry,
Ich bin davon ausgegangen, dass ein Einzelunternehmen kein wirkliches Eigenkaptial hat sondern "nur" mit einem Wert bemessen werden kann.
ist es denn *zwingend* erforderlich, Bilanzen fuer die Einzelunternehmen aufzustellen
Da ist der springende Punkt. Ein bilanzierendes Unternehmen hat sehr wohl Eigenkapital; wer aber nur eine Einnahme-Überschuss-Rechnung macht, legt nur seine Einnahmen und Ausgaben offen, nicht seinen Besitz. :( Eine EÜR dient nur steuerlichen Zwecken, eine Handels-EÜR gibt es nicht. Wird eine Handelsbilanz gebraucht - wie hier zur Verschmelzung von Firmen - muss sie aufgestellt werden, auch wenn steuerlich eine EÜR genügen würde. Ich glaube, das ist vielen nicht bewusst; sie glauben, Buchhaltung würde nur fürs Finanzamt betrieben.

Bei einer Verschmelzung/Einbringung wird aus den einzelnen Bilanzen der Altbetriebe eine Bilanz für den neuen Betrieb gebildet, indem die einzelnen Bilanzansätze addiert werden.
Nur ist die Frage, wie kommen wir mit unseren drei Einzelunternehmen zu einer gemeinsamen UG? Die Einzelunternehmen als Sacheinlagen einbringen geht ja schon mal nicht, was ist die Alternative?
Der erste Schritt ist, die UG mit 3 Gesellschaftern zu gründen. Hierzu müsst Ihr gemeinsam zum Notar, ein Musterprotokoll ausfüllen und unterschreiben. Mit der vom Notar beglaubigten Anmeldung zum Handelsregister geht Ihr zu einer Bank und richtet für die UG ein Konto ein. Anschließend zahlt jeder Gesellschafter bar oder per Überweisung mit dem Verwendungstext "Gesellschafteranteil" seinen Anteil auf das Konto ein. Dieses Geld ist das Stammkapital.

Jetzt müsst Ihr alle aus Euren EÜR Bilanzen machen. Dazu ist eine Übergangsrechnung erforderlich. Am besten geht Ihr dazu zu einem Steuerberater.

Diese Bilanzen kopiert Ihr. Jeder hängt an eine Ausfertigung seiner Bilanz eine schriftliche Erklärung mit dem Wortlaut "Hiermit bringe ich meinen anliegenden Betrieb mit Wirkung vom... in die ...UG ein." Die einzelnen Bilanzposten werden auf die entsprechenden Konten in der UG gebucht, nur das Eigenkapital der Einzelkaufleute wird auf die Kapitalrücklage gebucht. Die Kapitalrücklage ist nicht mit dem Stammkapital identisch (§272 HGB).

Für die UG oder eine GmbH gibt es ohnehin keine EÜR mehr (§42 GmbHG); die Bilanz muss sogar im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

Gruß
Rainer

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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von PJFry » 19.01.2012, 20:11

Hallo Rainer,

dass wir fuer die UG/GmbH Bilanzen erstellen muessen war uns klar, das werden wir auch mit einem Steuerberater zusammen tun.

Nur wollten wir Aufwand und Kosten fuer die Migration der Einzelunternehmen in die Gesellschaft vermeiden. Drei Abschlussbilanzen fuer die drei Einzelunternehmen klingt nach Aufwand und Kosten. Scheint aber leider wirklich nicht anders zu funktionieren ...

Mal sehr kreativ gedacht: Was passiert wenn sich die drei Einzelunternehmer zu einer Gbr zusammenschliessen? Muessen dazu auch Bilanzen fuer die drei Einzelunternehmen erstellt werden? Ein Jahr spaeter koennte die Gbr dann in eine GmbH oder UG eingebracht werden, dazu waere ja dann nur noch eine Bilanz fuer die Gbr erforderlich. Kann mir allerdings nicht vorstellen, dass das so einfach ist sonst wuerden vermutlich viele diesen "Trick" anwenden ;)

riese
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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von riese » 21.01.2012, 23:49

Hallo RJFry,
Drei Abschlussbilanzen fuer die drei Einzelunternehmen klingt nach Aufwand und Kosten.
nur wenn Du sie Dir beim Steuerberater machen lässt. Die kann noch so zusammengeschustert sein - Hauptsache, Du kannst sie vorlegen. Es geht ja hier nicht um die Frage, ob Du möglicherweise im Fall einer Betriebsprüfung ein paar Euro Steuern nachzahlst, sondern darum, preiswert die Rechtsform zu wechseln.

Und das ist ohne Frage die Einbringung im Rahmen der Verschmelzung. Die Alternative wäre nämlich die Liquidierung der Einzelunternehmen, Überführung der Wertgebenstände ins Privatvermögen und Einbringung der einzelnen Gegenstände. Da aber wäre ein steuerschädlicher Asset Deal. Die Entnahme der Gegenstände müsste nicht zu Buch-, sondern zu Zeitwerten erfolgen. Dadurch würden die sog. stillen Reserven aufgedeckt und müssten versteuert werden; außerdem würde der Spuk noch umsatzsteuerpflichtig sein. In der GmbH würde die Einbringung zu Zeitwerten auch noch das Risiko mit sich bringen, dass zu einem späteren Zeitpunkt - etwa im Fall einer Insolvenz - eine Überbewertung festgestellt würde.

Vom Asset Deal ist daher abzuraten. Die Steuerbelastung ist um ein Mehrfaches höher als die Nachforderung im Fall von Zuschätzungen für Deine "zusammengeschusterte" Bilanz (wenn es überhaupt zur Betriebsprüfung kommt).

Gruß
Rainer

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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von PJFry » 22.01.2012, 10:28

Hallo Rainer,

wir der Notar nicht ein genaues Auge auf diese drei Bilanzen legen? Schliesslich bilden Sie die "Sicherung" fuer die GmbH ...

Ich habe bisher noch nie eine Bilanz erstellt oder gesehen, wie kommt man denn von einer Gewinn-/Verlustrechnung zu einer Bilanz? Reichen da ein paar Buchungskonten und das Ergebnis oder muessen die einzelnen Einnahmen und Ausgaben auf verschiedene Buchungskonten verteilt werden?

riese
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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von riese » 22.01.2012, 20:11

Hallo PJFry,
Ich habe bisher noch nie eine Bilanz erstellt oder gesehen
dann eigne Dir aber mal schnell dieses Wissen in einem Buchführungskurs oder durch Literatur (z.B. Haufe-Taschenguide)an! Wer keine Ahnung von Buchführung hat, ist als Geschäftsführer einer GmbH nicht geeignet. :( Einschlägig ist da der § 41 GmbHG Auch wenn Du die praktische Durchführung einem Dritten (z.B. Steuerberater) überträgst, bist Du nicht aus der Verantwortung, sondern vielmehr verpflichtet, die Richtigkeit dieser Buchführung zu prüfen und ggfls. für Korrekturen zu sorgen. Blindes Vertrauen auf den StB ist bei der GmbH nicht. Ich kenne einen, der sitzt deswegen 2 Jahre und 4 Monate ein. Dabei hat der nichts anderes getan als die Unterlassung einer positiven Zukunftsprognose, die bei einer bilanziellen Überschuldung zu fertigen ist, wenn keine Insolvenz angemeldet wird. Der gute Mann hat aber die Bilanz nicht lesen können, die ihm sein Steuerberater gefertigt hat. So kam es erst zur Bewährungsstrafe und im nächsten Jahr - wo sich die Lage noch nicht verbessert hatte - zur Verurteilung zur Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Er kam auch nicht mit der Einlassung durch, sein StB hätte ihn rechtzeitig darüber informieren müssen, denn das Mandat betraf die steuerrechtliche und nicht auch die handelsrechtliche Beratung und die Verantwortung sei auch nicht abwälzbar.
wir der Notar nicht ein genaues Auge auf diese drei Bilanzen legen?
Der guckt sich die Bilanzen an (vielleicht noch die Plausibilität - ob sie ausgeglichen sind) und vor allem, ob sie von der verantwortlichen Person eigenhändig unterschrieben sind. Die Unterschrift unter eine Bilanz hat die gleiche Wirkung wie bei einer Privatperson die Unterschrift unter einen Offenbarungseid. Unter Strafandrohung bescheinigst Du, dass die Bilanz richtig ist. Das kann auch böse folgen haben: Meldest Du Insolvenz an und kannst dem Insolvenzverwalter keine bis zum Insolvenzstichtag geführte Bilanz übergeben (etwa weil Du den StB nicht mehr bezahlen konntest), wird er Dich für die GmbH zum Offenbarungseid schicken (den die SCHUFA als Deinen persönlichen Offenbarungseid ansieht).

Verletzung der Buchführungspflicht ist einer der größten Fallstricke des GmbH-Rechts!

Gruß
Rainer

PJFry
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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von PJFry » 23.01.2012, 19:30

Hallo Rainer,

interessante Hinweise, haette ich so nicht gedacht ich bin davon ausgegangen, der StB hat mehr Verantwortung, wenn man ihm die Aufgabe der Bilanzierung uebertraegt.

Vielen Dank erst einmal fuer Deine Informationen, die haben mir bereits viel weiter geholfen!

Fry

jaayd_de
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Re: Gründung einer GmbH aus drei Einzelunternehmen

Beitrag von jaayd_de » 29.10.2018, 16:46

Sehr nett zu verfolgen, wie kompetent du bist.

Sehr tolle Antworten Rainer.

Gruß

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