Aktuelle Erfahrungen vom Amt und Frage zu Teamgründung

Alles über den Gründungszuschuss und das Einstiegsgeld.
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snaut
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Aktuelle Erfahrungen vom Amt und Frage zu Teamgründung

Beitrag von snaut » 24.02.2012, 17:03

Hallo zusammen,

ich möchte hier über meinen kürzlich wahrgenommenen Termin bei der Arbeitsagentur zum Thema Gründungszuschuss berichten. Kurz zu meiner Situation:

- Eigenkündigung zum 31.12.2011
- habe bei der Arbeitsagentur bereits bei einem Termin im November angegeben, dass ich mich evtl. selbstständig machen möchte und man hat mir das Formular ausgehändigt

Nun hatte ich den besagten zweiten Termin, bei dem ich gern noch einige Fragen meinerseits klären wollte. Als erstes hat die Sachbearbeiterin mir recht deutlich gesagt, dass sie bei mir nur noch schlechte Chancen auf eine Bewilligung des Zuschusses sähe, da ich ja selbst gekündigt und auch schon die Absicht einer Selbständigkeit geäußert hatte. Genau diese Mitnahmeeffekte sollten ja nun verhindert werden durch die Ermessensleistung. Weiterhin hat sie mir erklärt, dass die Bearbeitungszeit bis zu 2 Monate betragen könne, da nach der Prüfung durch den Sachbearbeiter für jeden Antrag noch eine "interne Besprechung" stattfinden und dann eine "Ausschuss"-Entscheidung fällig sei. Und dieser Ausschuss tage nur ein Mal im Monat.

Letztlich musste ich ihr ein quasi-verbindliches Gründungsdatum nennen, sodass sie auch gleich eine Abmeldung zu diesem Datum vormerken konnte. Dann hat man mir noch als Tipp mitgegeben, dass im Businessplan/Konzept genau dargelegt werden müsse, warum denn nun genau ich gefördert werden soll und ob es in dem Bereich "keine Arbeitsstellen" gibt. Dann beim Hinausgehen noch die "nette Anekdote", dass sie gerade vor mir einen Gründungszuschuss-Interessenten abgelehnt bzw. ihm erst gar nicht die Unterlagen ausgehändigt habe... Insofern habe ich wohl Glück gehabt, dass ich den Antrag noch im alten Jahr bekommen habe...

Fazit: es scheint auch hier (große Stadt im Norden) so zu sein, dass man die Kunden schon vor der Antragstellung verunsichern will. Auf Nachfrage hat man mir auch bestätigt, dass es wegen der größeren Hürden jetzt auch schon bedeutend weniger Anträge gebe. Interessant auch die teilweise Widersprüchlichkeit: Eigenkündigung soll eigentlich nicht mehr gefördert werden? Aber wieso kann ich dann überhaupt einen Antrag stellen? Kommt mir alles etwas schwammig vor.
Es bleibt abzuwarten, wie das in meinem konkreten Fall ausgeht - im schlimmsten Fall ist man schon mehrere Wochen selbstständig und bekommt dann die Ablehnung und muss zusehen, wie man sich ohne den eigentlich "eingeplanten" Zuschuss über Wasser hält.



Nun zum Abschluss noch eine Frage, hier bitte ich um eure Erfahrungen und Meinungen: In meinem konkreten Fall möchte ich mit mehreren Personen gemeinsam eine Internetplattform aufbauen und dazu zunächst bei einer GbR bleiben. Einer unserer Berater ist der Meinung, dass nur ich als Förderungsbeantragender in dem einzureichenden Businessplan/Konzept auftauchen sollte und die anderen Mitgründer quasi verschwiegen werden sollten. Auf der anderen Seite hat man mich beim Amt darauf hingewiesen, dass bei mehreren Gründern in z.B. einer GbR im Gesellschaftsvertrag darauf geachtet werden muss, dass der Antragsteller auch die entsprechenden Mitbestimmungsrechte hat. Ist denn nun eine Teamgründung nachteilig oder nicht? Bin da natürlich jetzt etwas vorsichtig geworden und befürchte, dass man das als Ablehnungsgrund nutzen könnte...

Danke für eure Einschätzungen im Voraus!

gruendungsberater24
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Re: Aktuelle Erfahrungen vom Amt und Frage zu Teamgründung

Beitrag von gruendungsberater24 » 24.02.2012, 19:16

Hallo,

prinzipiell kann eine Gründung im Team als Solches nicht als Ablehnungsgrund angegeben werden. auch Ihre Eigenkündigung wird wohl kein Ablehnungsgrund sein. Die netten Damen und Herren werden schon was finden, was rechtlich standhafter ist. Dafür brauchen sie wahrscheinlich auch die "Teamentscheidung" :lol:

Prinzipiell ist ein Businessplan für eine Einzelgründung natürlich anders geschrieben und es ist auch für angestellte im öffentlichen Dienst besser nachvollziehbar, wenn man das Ergebnis nicht noch "teilen" muss. Das "Quasi-Verbindliche" Gründungsdatum ist schon sehr verbindlich, wenn sie dafür dann auch gleich die Abmeldung schreibt.

Solche "Einschüchterungsversuche" gibt es seit der Umwandlung in eine Ermessensleistung massenhaft. Ob sich die Agenturen damit besser stehen, ist unklar. Gründungswillige haben ja immer noch die Möglichkeit, im Rahmen einer Nebentätigkeit ihr Unternehmen aufzubauen und den ALG-Anspruch bis zum letzten Tag auszureizen.

Den Antrag können Sie stellen. Den Antrag kann auch jeder andere Arbeitslose stellen, sofern er die 150 Tage Anspruch noch hat. Dass der Antrag nicht ausgehändigt wird, kann beim "richtigen Kunden" massiv Ärger geben. Denn dazu sind sie verpflichtet. Ob er bewilligt wird, steht auf einem anderen Blatt. Zur Not muss man sich eben wieder anmelden und sein Unternehmen im Nebenerwerb neben der Arbeitslosigkeit starten.

Viele Grüße

Michael Köhler

snaut
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Re: Aktuelle Erfahrungen vom Amt und Frage zu Teamgründung

Beitrag von snaut » 29.02.2012, 17:19

Moin Herr Köhler,

vielen Dank für Ihre Einschätzung! Ich werde den Antrag natürlich trotzdem stellen, so einfach will ich es dem Amt ja nicht machen ;-) Vielleicht habe ich ja trotzdem Chancen - und sei es nur, weil ich überhaupt noch einen Antrag stelle (siehe dazu die heutige Meldung bei gruendungszuschuss.de) ...

Ich werde berichten.

Beste Grüße!

snaut
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Re: Aktuelle Erfahrungen vom Amt und Frage zu Teamgründung

Beitrag von snaut » 13.04.2012, 14:43

Heute kam - nach ziemlich genau 4 Wochen Bearbeitungszeit - der Ablehnungsbescheid:

"[...] Aufgrund Ihrer Ausbildung und Ihrer besonderen Qualifikation sowie Ihres bisherigen Werdegangs ist Ihre Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit in angemessener Zeit möglich.

Es wurden auch keine Umstände vorgetragen und nachgewiesen, die so erheblich von denen anderer Antragsteller abweichen, dass sie eine Besserstellung in Ihrem Fall nahelegen. Eine Förderung Ihrer selbständigen Tätigkeit mit Gründungszuschuss kann daher nicht erfolgen. [...]"

Aus dem vorletzten Satz werde ich nicht schlau ... laut Amt gibt es also irgendwelche "Umstände", unter denen man trotz der eingangs erwähnten Ausbildung etc. trotzdem die Chance auf den Zuschuss hat?! Nunja.

Ich werde mich nun nach einem geeignetem Anwalt umsehen um zu überlegen, ob und wie ein Widerspruch Sinn macht.

Für weitere Tipps bin ich natürlich dankbar...

BEBOUB
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Re: Aktuelle Erfahrungen vom Amt und Frage zu Teamgründung

Beitrag von BEBOUB » 13.04.2012, 15:58

Hallo ...

mit der Gesetzesänderung erfolgte ein Umdenken in der Förderung!

Ursprünglich ging es bei der Gründungsförderung um die Schaffung neuer Unternehmen, im Hinblick auf die gleichzeitige Schaffung neuer Arbeitsplätze, es wurde also auch volkswirtschaftlich gedacht.

Mit der Gesetzesänderung erfolgte das Umdenken, im Sinne des Sparens, sodass eine Gründung nicht als Chance für eine Schaffung neuer Arbeitsplätze angesehen wird, sondern als letztes Mittel in der Not, um schwer vermittelbare Arbeitslose aus den Statistiken zu bekommen, es ist ein reines Zweckgesetz geworden.

Gefördert werden nur noch Diejenigen, die die Altersgrenze von 50 überschritten haben und am freien Markt nicht mehr vermittelbar sind... wobei Arbeitsagenturen eh nicht vermitteln sondern nur verwalten und bestenfalls zu Maßnahmen weiterleiten... und mit allen Mitteln aus den Statistiken raus sollen.

Sie hätten daher gute Chancen auf eine Förderung, wenn Sie über 50, schlecht ausgebildet und somit schwer vermittelbar wären... eine Gründung durch einen gut ausgebildeten und motivierten Gründer ist für Verwaltungsangestellte und Politiker nicht denkbar, denn die könnten ja in der Tat etwas auf die Beine stellen und neue Jobs schaffen.

MfG
BEBOUB

Das Gründerforum für den Mittelstand >>> http://www.treffpunkt-mittelstand.de/phpbb
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BEBOUB
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Re: Aktuelle Erfahrungen vom Amt und Frage zu Teamgründung

Beitrag von BEBOUB » 13.04.2012, 16:14

Nachtrag...

ich denke seit geraumer Zeit darüber nach, ob man nicht eine Eigeninitiative zur Förderung neuer Gründungen auf die Beine stellen sollte, denn unsere Politik ist hierzu definitiv nicht in der Lage, dies hat sie zur Genüge bewiesen.

Der Gründungszuschuss wurde völlig versemmelt und das Hausbankprinzip zur Erlangung eines KfW Kredites wurde noch immer nicht abgeschafft... völlig absurd, dass die KfW jedes Jahr aufs Neue klagt, dass zig Milliarden an Förderkrediten nicht in Anspruch genommen wurden.

Denkbar wäre beispielsweise sowas, wie ein Gründungsfonds, in den Freiwillige monatlich 1€ einzahlen. Könnte man diese Modell umsetzen und einen Teil der Bundesbürger dazu bewegen diesen 1€ pro Monat zu spenden, dann könnten zig Gründungen massiv angeschoben werden.

Wenn es gelänge, "nur" 10.000 Leute dazu zu bewegen, ein Jahr lang jeden Monat 1€ hierfür aufzuwenden, dann kämen pro Jahr 120.000€ zusammen und damit könnten schonmal 12 Gründungen mit einem Bedarf von 10T€ gefördert werden.

Würde man dies kontinuierlich tun und die Unternehmer das Geld als Darlehen erhalten und mittelfristig zurückzahlen, dann könnte man damit ein Instrument zur Schaffung von Gründungen aufbauen, auch ohne Politik und umständliche Gesetze, man muss es nur initiieren.

Sollte jemand diesen Gedanken bereits mit verfolgen oder zukünftig mit verfologen wollen, dann würde ich mich über eine Kontaktaufnahme freuen.

MfG
BEBOUB

snaut
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Re: Aktuelle Erfahrungen vom Amt und Frage zu Teamgründung

Beitrag von snaut » 18.04.2012, 16:04

Um das noch mal fortzuführen:
snaut hat geschrieben: Ich werde mich nun nach einem geeignetem Anwalt umsehen um zu überlegen, ob und wie ein Widerspruch Sinn macht.
Der Anwalt mit dem ich gesprochen habe (vermittelt über gruendungszuschuss.de, nach eigenen Angaben erfahren im Umgang mit dem Gründungszuschuss und Widersprüchen) hat mir keine Hoffnungen gemacht, dass ein Widerspruch erfolgreich sein wird. Das Problem ist eben, dass man das Argument des Vermittlungsvorrangs nicht wirklich anfechten oder aushebeln kann.

Ich werde sicherlich pro Forma trotzdem Widerspruch einlegen, rechne aber nicht damit, dass der etwas an der Situation ändert und eine Klage ist wohl auch nicht sinnvoll. Also heißt es, nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten umsehen oder doch wieder arbeitssuchend melden und ALG1 beantragen und im Nebenerwerb weitermachen ... absurd!


@BEBOUB, die Gründungsfonds-Idee klingt interessant - vielleicht ja eine gute Ergänzung zu den aufkommenden Crowdfunding-Plattformen ;-)

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