Existenzgründung oder Einstellung über Ehemann?

Alles über den Gründungszuschuss und das Einstiegsgeld.
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cricket81
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Existenzgründung oder Einstellung über Ehemann?

Beitrag von cricket81 » 03.02.2017, 18:10

Hallo zusammen,

da ich zu meiner komplexen Frage im Internet keine wirklich passende Antwort finden konnte, versuche ich es mal über diesem Wege und einer konkreten Beschreibung meiner Situation:

Mein Mann (Architekt und Bauunternehmer) und ich (Grafik Designerin und Medienberater) sind vor kurzem von unserem Work&Travel Jahr wieder gekommen und beziehen nun beide ALG1 da wir uns vorher fachgerecht abgemeldet bzw. angemeldet haben. Da wir beide nicht unbedingt wieder in ein Angestellten-Verhältnis gedrängt werden wollen (haben da schon 12-jährige Erfahrungen gesammelt) suchen wir nun nach passenden Alternativen als Selbständige. Mein Mann plant eine Existenzgründung als Architekt und Bauunternehmer und würde von dem Gründerzuschuss der Agentur für Arbeit gebrauch machen um anfangs finanziell unterstützt zu sein. Das Gleiche schwebt mir als Grafik Designer im meinem Metier vor. Natürlich vorausgesetzt einer Bewilligung vom Arbeitsamt nach Abgabe des Gründerzuschuss-Antrages.

Nun zum Knackpunkt: Nach gestriger Absprache mit unserem Steuerberater, empfahl er uns nicht 3 Unternehmungen (freiberuflicher Grafik Designer / freiberuflicher Architekt / Baugewerbe) zu gründen sondern nur zwei Unternehmungen (Baugewerbe und Architekturbüro). Mein Mann würde mich als Vollzeit-Angestellte (kein 400€ Job) in dem Bauunternehmen einstellen. Neben der für das Bauunternehmen nötigen Büroarbeit würden wir unter seiner freiberuflichen Tätigkeit auch meine Design Leistungen vertreiben.

Das Einstellen von Mitarbeitern durch ein Start-up Unternehmen könnte ebenfalls bezuschusst werden und ich hätte gleich noch die Vorteile eines Angestellten-Verhältnisses (Elterngeld, gesetzliche Krankenkasse, Steuern usw.) Bei der Agentur für Arbeit haben wir uns auch schon informiert und warten noch auf eine Betriebsnummer für ein persönliches Gespräch.

Um mich möglichst gut auf das persönliche Gespräch beim Arbeitsamt vorzubereiten, wäre eine vorherige Einschätzung hilfreich, ob sich eine Einstellung für uns steuerlich lohnt und ob der Einstellungszuschuss (Bezuschussung für die Schaffung einer Vollzeitbeschäftigung) einem Gründerzuschuss gleichzusetzen ist. Vor allem in Bezug auf Kinderplanung ist die Wahl der Unternehmungsform vielleicht entscheidend. Zumal der Einstellungszuschuss in Höhe und Dauer und ob überhaupt immer noch eine Ermessensfrage vom Arbeitsamt ist.

Wäre schön, einige Gleichgesinnte zu finden, die evtl. das Gleiche oder Ähnliches durchgemacht haben oder einen professionellen Rat aus der Branche zu bekommen. Uns raucht nämlich schon der Kopf!

Lieben Dank.

binaryman
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Re: Existenzgründung oder Einstellung über Ehemann?

Beitrag von binaryman » 11.04.2017, 10:43

Hallo!

So direkt kann man glaub ich nicht sagen was besser wäre. Anstellung hat natürlich Vorteile aber auch Nachteile. Schleißlich hat ein Angestellter höhere Nebenkosten und zahlt Lohnsteuer, die man als Selbständiger nicht hat. Das will erstmal verdient sein. Wenn aber das Unternehmen eine GmbH ist dann gehts ohne Anstellung auch nicht. Ich nehme an, dass zumindest das Baunternehmen schon aus Haftungsgründen eine GmbH wird. Als Architekt oder Grafiker ist man sinnvollerweise eher eine Einzelunternehmen.

Eine GmbH kostet schon für sich alleine gut 5T Euro jährlich. Zudem Bedarf es eben zumindest eines angestellten Geschäftsführers. Wenn schon eine GmbH da ist dann kann mans sich es sowieso aussuchen was über die GmbH geht und was man persönlich abrechnet. Schließlich kann man auch mehrere Jobs haben. Z.B. Anstellung bei der GmbH für die Büroarbeit und freiberuflich bzw. Einzelunternehmer als Grafiker geht auch.

Steuerlich werden die Einkunftsarten immer getrennt behandelt. Auch als Einzelunternehmer oder Freiberufler kann man mehrere verschiedene Einkunftsarten haben. Z.B. Architekt + Designer. Das ist nicht mehr als eine Mitteilung ans Finanzamt. Und wenn dann noch Vermietung dazu kommt gibts wieder eine neue Einkunftsart. Auch ein PV-Anlage die Strom vergütet bekommt ist eine eigene Einkunftsart. Und jede Einkunftsart wird separat betrachtet mit Verlusten und Einünften und erst zum Schluss wird alles zusammengerechnet und auf die entsprechende dahinterliegende Unternehmensform abgebildet.

Die praktische Frage ist immer nur der Gesamtumsatz. Eine GmbH zieht einen Rattenschwanz an Kosten und Aufwand hinter sich her und ist nichts anderes als eine Art Enteignung. Schließlich unterwirft man sich damit einer Vielzahl zusätzlicher Regelungen. Im Gegenzug gibts (zumindest theoretisch) die Haftungsfreistellung.

Auch kann man sich durchaus beim Partner, der ein Einzelunternehmen ist, anstellen lassen. Die Frage ist also eher ob GmbH oder nicht. Das Bezahlverhältnis läst sich immer jederzeit den Anforderungen entsprechend anpassen sofern das Verhältnis zum Arbeitgeber gut ist. Unterm Strich gibts keine Vorteile ohne Nachteile. Flexibilität sollte man aber möglichst erhalten.

Steuerlich viel wichtiger als die Frage der Anstellung wäre meines Erachtens die Frage der betrieblichen bzw. privaten Anschaffungen. Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen Betriebsvermögen und Privatvermögen, die meist erst sehr viel später eine Rolle spielen. Dazu am Besten rechtzeitig den Steuerfuchs fragen und die Begriffe erklären lassen.

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