"Folgen" der Gründung

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ChristinaM
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"Folgen" der Gründung

Beitrag von ChristinaM » 06.10.2011, 08:46

Hallo liebe Experten und Gründer,
ich bin momentan Studentin und würde nach der Regelstudienzeit noch mindestens 4 Semester studieren. Nebenbei möchte ich jedoch eine UG gründen um eine Geschäftsidee auszuprobieren, die ich schon lange im Kopf habe und mir sonst keine Ruhe lassen würde. Sollte es nicht funktionieren, hätte ich eben zwei Semester verschenkt und könnte mich dann voll auf das Studium konzentrieren.

Meine Frage ist nun, was hat die UG Gründung für Folgen bei mir? Ich wäre weiterhin als Studentin eingeschrieben. Zudem erhalten meine Eltern für mich Kindergeld und ich bin über sie gesetzlich krankenversichert. Ich würde mir zumindest im ersten Jahr keinerlei Gewinne ausschütten oder Lohn zahlen.

Würde meinen Eltern das Kindergeld gestrichen? Und wie sieht es mit der Krankenversicherung aus, kann ich weiterhin bei meinen Eltern versichert bleiben? Alles unter der Annahme, dass ich (auch sonst) keinerlei Einkommen habe. Darüberhinaus frage ich mich, ob ich dann überhaupt einen GF Anstellungsvertrag brauche?

PS: Das Stammkapital (sofern erheblich) würde 5000€ betragen.

Vielen Dank euch allen :oops:

Gruß
Christina

riese
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Re: "Folgen" der Gründung

Beitrag von riese » 06.10.2011, 13:53

Hallo Christina,

einmalige Folgen sind:
- Notargebühren (abhängig vom Stammkapital und der Anzahl der Gesellschafter) 16,00 - 300,00 €
- Registergebühr (Eintragung) 150,00 €

Solange die UG besteht, fallen - unabhängig vom Umsatz - jährlich an:
- IHK (Beitrag) 155,00 €
- Bundesanzeiger (Veröffentlichung Bilanz) 33,00 €

Die Stellung als Gesellschafterin ist weder bafög- noch kindergeldschädlich. Allerdings könnte die Bafög-Stelle Dir die peinliche Frage stellen, wo du das Vermögen, das Du in die Gesellschaft gesteckt hast, denn hergeholt hast.

Anders sieht es beim Geschäftsführer-Gehalt aus. Das wird wie jedes Arbeitnehmergehalt angesehen. Auch ein GF kann auf 400,00 €-Basis arbeiten. Ein Anstellungsvertrag ist auch für GF nicht vorgeschrieben. Allerdings gelten in Ermangelung eines solchen die gesetzlichen Bestimmungen, die für GF sehr empfindliche Haftungstatbestände vorsehen und auf deren Geltendmachung die Gesellschaft verzichten oder dies auf Fälle von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit beschränken kann.

Gruß
Rainer

ChristinaM
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Re: "Folgen" der Gründung

Beitrag von ChristinaM » 06.10.2011, 21:04

Hallo Rainer,
ganz lieben Dank an dich für diese hilfreiche Antwort.

Deine Andeutung mit dem Anstellungsvertrag habe ich verstanden und werde mich wegen der haftungsbeschränkungen schlau machen. Super Tipp!

Eine Frage habe ich noch, wie sieht es mit der Krankenversicherung aus? Ich vermute mal so lange ich mir nicht zu viel Lohn zahle kann ich bei meinen Eltern gesetzlich krankenversichert bleiben?

Zum Thema krankenversicherung habe ich schon ganz viel gelesen, aber da ging es nahezu immer um die Frage ob PKV oder GKV. Nicht um die Frage wie es mit der Versicherung der Eltern aussieht :oops:


PS: Bafög bekomme ich leider nicht, somit ist dieser Punkt für mich nicht von Bedeutung.


Danke!


Gruß
Christina

nurpo
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Re: "Folgen" der Gründung

Beitrag von nurpo » 27.10.2011, 15:20

Das würde mich auch interessieren. Ich bin Student und selbst bei der GKV versichtert (mit Status Student). Dafür zahle ich monatlich pauschal um die 80 Euro.

Kann ich als GF so versichert bleiben? Vorrausgesetzt ich bin weiter "hauptberuflich" Student.

pieti2
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Re: "Folgen" der Gründung

Beitrag von pieti2 » 30.10.2011, 12:49

^^ Erst wenn Gewinne ausgeschüttet werden (an die Gesellschafter) oder du dir einen Gehalt bezahlst, erhöht dies das private Einkommen (von dir oder deinen alten) und wirkt sich dann erst aus ;-)

- ja bei 400€ brauchst du keine GV zu ändern. Ist ja der Sinn, das die ganzen Leute nicht schwarz schaffen...

Was gerne bei den laufenden Kosten vergessen wird, aber dennoch grad die ersten Monate ins Gewicht fällt:
- Denke du brauchst ein Geschäftskonto ;-)
- Buchhaltung, falls du das nicht selbst kannst
- ... usw.

riese
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Re: "Folgen" der Gründung

Beitrag von riese » 01.11.2011, 22:51

Hallo Christina,

solange Du alleinige Gesellschafterin bist, kann gar keine gesetzliche Sozialversicherung greifen.

Die Familienversicherung Deiner Eltern könnte Dir allerdings den Studentenstatus streitig machen, wenn Du zuviel Zeit in der Firma verbringst statt sie Deinem Studium zu widmen.

Gruß
Rainer

ChristinaM
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Re: "Folgen" der Gründung

Beitrag von ChristinaM » 03.11.2011, 23:45

riese hat geschrieben:Allerdings gelten in Ermangelung eines solchen die gesetzlichen Bestimmungen, die für GF sehr empfindliche Haftungstatbestände vorsehen und auf deren Geltendmachung die Gesellschaft verzichten oder dies auf Fälle von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit beschränken kann.
Hallo Rainer,
um auf diese Anspielung zurückzukommen:
Was mich dazu interessieren würde, hast du nähere Infos zum Höchstbetrag? Ich bin nun mehrfach auf folgende Vereinbarung im Anstellungsvertrag gestoßen:
Der Geschäftsführer haftet gegenüber der Gesellschaft für alle Schäden nur bis zum einem Höchstbetrag von ............€
Mein Rechtsgefühl sagt mir, dass hier nicht einfach ein beliebiger kleiner Betrag gewählt werden kann. Die Anerkennung ist offensichtlich noch umstritten, demnach spielt die Passage möglicherweise letztendlich garkeine Rolle.

Ich fände es ganz schön den Betrag auf die Deckungssumme der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung zu begrenzen. Was hälst du davon?

Vielen Dank für deine hilfreichen Beiträge,

Gruß
Christina

riese
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Re: "Folgen" der Gründung

Beitrag von riese » 04.11.2011, 07:55

Hallo Christina,
ChristinaM hat geschrieben:Mein Rechtsgefühl sagt mir, dass hier nicht einfach ein beliebiger kleiner Betrag gewählt werden kann. Die Anerkennung ist offensichtlich noch umstritten, demnach spielt die Passage möglicherweise letztendlich garkeine Rolle.
Wir haben in Deutschland Vertragsfreiheit. Die Vertragspartner (hier die GmbH und der GF) können miteinander vereinbaren, was sie wollen. Du musst auch davon ausgehen, dass Verträge für den Geschäftsalltag verfasst werden und nicht für einen evtl. Insolvenzfall. Würde der Haftungsausschluss oder die Haftungsbeschränkung nachträglich zu einem Zeitpunkt vereinbart, zu dem sich der Betrieb bereits in Schieflage befand, hätte der Insolvenzverwalter einen Grund, die Vereinbarung wegen Sittenwidrigkeit anzufechten. Wurde der Vertrag, der die Bestimmung enthält, aber im Rahmen der Geschäftsführerbestellung geschlossen, ist nicht zu unterstellen, dass die Bestimmung dazu dienen sollte, in einem möglichen Insolvenzfall Gläubiger zu benachteiligen, sondern dazu, den designierten GF durch günstigere Rahmenbedingungen zu ködern.
ChristinaM hat geschrieben:Ich fände es ganz schön den Betrag auf die Deckungssumme der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung zu begrenzen. Was hälst du davon?
Genau das ist der Sinn dieser Bestimmung. :wink: Vom Grundsatz her möchte die GmbH nicht auf den Anspruch selbst verzichten, sondern ihn auf eine Versicherung abwälzen. Insbesondere wenn der GF auch Gesellschafter oder gar alleiniger Gesellschafter ist, würde er ja von der Versicherungsleistung profitieren. Dazu müsste er aber erst mal formell selber haftbar sein.

Gruß
Rainer

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