Ein paar Fragen zur UG-Gründung

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Webdesign
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Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von Webdesign » 29.07.2012, 20:54

Hallo zusammen,
ich bin 20 Jahre alt und möchte mich neben meinem Studium selbstständig machen.

Da ich langristig orientiert bin und auf Dauer eine GmbH am Sinnvollsten scheint, würde ich die kommenden Tage gerne eine UG gründen. Auch aufgrund eigener BaFög-Ansprüche scheint dies am Verbnünftigsten zu sein.

Über die anfallenden Kosten bei Gründung bin ich in etwa im Bilde (Notar + Handelsregister). Vorrangige Geschäftstätigkeiten sollen der Handel mit neuwertigen Multimediageräten, sowie das Erstellen von Websites sein.
Hierfür habe ich mir 2000 - 3000 Euro zur Seite gelegt.

Der erste Gang ist zum Notar, auch das ist mir bewusst. Jetzt stellt sich mir allerdings die Frage, wie ich das ganze Konstrukt mit Geschäftsführer, Gesellschafter und befreundetem Angestellten, der die Websites erstellt, gestalten soll. Partizipieren könnten meine Eltern, ich und der Freund.


Konkret heißt dies:
Wer soll welche Rolle einnehmen um die Kosten bei Gründung, sowie in laufendem Betrieb möglichst gering zu halten. (Krankenversicherung, Lohnsteuer für den Freund, etc.)
Als Firmensitz würde ich die eigene Wohnung nehmen, ist dies legitim? Ich würde die Geräte online beziehen und verkaufen, mit der Kundschaft trete ich also nicht direkt in Kontakt.

Wie gestaltet es sich mit weiteren Einlagen in die UG, ist die problemlos möglich?

Viele Fragen, ich hoffe auf viele Antworten.
Vielen Dank und freundliche Grüße aus dem Rhein-Neckar-Raum.

riese
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Re: Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von riese » 30.07.2012, 06:23

Webdesign hat geschrieben:Der erste Gang ist zum Notar, auch das ist mir bewusst. Jetzt stellt sich mir allerdings die Frage, wie ich das ganze Konstrukt mit Geschäftsführer, Gesellschafter und befreundetem Angestellten, der die Websites erstellt, gestalten soll. Partizipieren könnten meine Eltern, ich und der Freund.
Hier fängt das Problem nämlich schon an. Möchtest Du lieber versicherungspflichtig sein (gesetzliche Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung mit Ansprüchen auf Rente und Arbeitslosengeld) oder bevorzugst Du Versicherungsfreiheit (keine Absicherung, dafür aber keine "Lohnnebenkosten" - private Krankenversicherung).

Bist Du Mehrheitsgesellschafter, fliegst Du als GF aus der SV. Sind Deine Eltern als Strohmänner die formellen Gesellschafter und Du der GF, hast Du auch in der SV Arbeitnehmerstatus und bist pflichtversichert. Für den Freund gilt sinngemäß das gleiche: Ist er Mehrheitsgesellschafter, wäre sein Arbeitnehmerstatus gefährdet.
Als Firmensitz würde ich die eigene Wohnung nehmen, ist dies legitim?
Wenn sich dort Dein Büro befindet, wäre das nicht nur legitim, sondern korrekt.
Wie gestaltet es sich mit weiteren Einlagen in die UG, ist die problemlos möglich?
Da ist der § 272 Abs. 2 Nr. 4 HGBeinschlägig. Diese Kapitalrücklage hat bei der UG ohnehin einen höheren Stellenwert als das Stammkapital selbst. Im Gegensatz zu letzgenanntem gilt nämlich für die Kapitalrücklage das Sacheinlageverbot nicht. Einzelbetriebe, die in eine UG umgewandelt wurden, haben alle ein niedriges Stammkapital und eine hohe Kapitalrücklage. Das wissen mittlerweile auch die Banken, wenn sie die Bonität einer UG bewerten wollen.

Gruß
Rainer

Webdesign
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Re: Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von Webdesign » 30.07.2012, 13:42

Hallo Rainer,
danke für deine Antwort.
Hier fängt das Problem nämlich schon an. Möchtest Du lieber versicherungspflichtig sein (gesetzliche Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung mit Ansprüchen auf Rente und Arbeitslosengeld) oder bevorzugst Du Versicherungsfreiheit (keine Absicherung, dafür aber keine "Lohnnebenkosten" - private Krankenversicherung).

Bist Du Mehrheitsgesellschafter, fliegst Du als GF aus der SV. Sind Deine Eltern als Strohmänner die formellen Gesellschafter und Du der GF, hast Du auch in der SV Arbeitnehmerstatus und bist pflichtversichert. Für den Freund gilt sinngemäß das gleiche: Ist er Mehrheitsgesellschafter, wäre sein Arbeitnehmerstatus gefährdet.
Zu Beginn meiner Selbstständigkeit würde ich gerne auf die Versicherungspflicht verzichten, da dies mit verhältnismäßig hohen Kosten verbunden ist. Wenn ich die Antwort richtig interpretiere heißt das, dass dies gewährleistet wäre, wenn ich Gesellschafter und Geschäftsführer zugleich wäre? Selbiges würde dann ja auch für meinen Freund gelten als Arbeitnehmer und Gesellschafter in Person.

Ließe sich dies für ihn nicht auch mit einer Einstellung als freier Mitarbeiter realisieren? Nebenbei möchte auch er studieren.

Dann wäre es vermutlich am geschicktesten eine 1-Mann-UG mit mir als GF und einzigem Gesellschafter in Personalunion zu gründen und ihn als Freelancer zu engagieren?
Wenn sich dort Dein Büro befindet, wäre das nicht nur legitim, sondern korrekt.
Ja es wäre eine Art Büro. Wir haben aber leider keinen seperaten Raum den wir entbehren können, daher würden wir ein Eck in einem Zimmer mit Schreibtisch, Rechner, etc. für die Arbeit einrichten.
Lässt sich dies so problemlos tun?


Herzliche Grüße

riese
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Re: Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von riese » 30.07.2012, 21:02

Hallo Webdesign,
Wir haben aber leider keinen seperaten Raum den wir entbehren können, daher würden wir ein Eck in einem Zimmer mit Schreibtisch, Rechner, etc. für die Arbeit einrichten.
Lässt sich dies so problemlos tun?
das ist egal - Hauptsache, dass dort die strategischen Entscheidungen getroffen werden und Interessenten (Gläubiger, Behörden) auf die Geschäftsleitung einwirken können.
Ließe sich dies für ihn nicht auch mit einer Einstellung als freier Mitarbeiter realisieren?
U.U. wäre er dann scheinselbständig. :(
Nebenbei möchte auch er studieren.
Fein! Dann wäre er bei einer Beschäftigung lediglich rentenversicherungspflichtig. Gleiches würde auch für Dich gelten, wenn Du pflichtversichert und Stundent wärest. Das Gehalt darf aber nicht zu üppig sein - sonst wäre Euer Studentenstatus in Gefahr.

Gruß
Rainer

Webdesign
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Re: Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von Webdesign » 01.08.2012, 16:04

Hallo Rainer,

danke für die Antworten.
Er wäre sehr wahrscheinlich scheinselbstständig, da dies vorerst seine einzige Beschäftigung wäre.
Fein! Dann wäre er bei einer Beschäftigung lediglich rentenversicherungspflichtig. Gleiches würde auch für Dich gelten, wenn Du pflichtversichert und Stundent wärest. Das Gehalt darf aber nicht zu üppig sein - sonst wäre Euer Studentenstatus in Gefahr.
Genau genommen, würden wir uns am Liebsten gar kein Gehalt auszahlen, sondern erst einmal einen gewissen Umsatz generieren. Ist dies rechtlich in Ordnung?
Ich nehme an, um die Rentenversicherungspflicht kümmert sich mein Steuerberater oder ist das auch meine Aufgabe?
Im Grunde möchte ich ja nur die Aufträge akquirieren und umsetzen mit seiner Hilfe. Nebenbei würde ich halt noch einen An- und Verkauf ausüben. Dafür brauche ich halt die UG. Zu mehr reicht mein Wissen leider noch nicht.



Grüße

matthiasludw
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Re: Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von matthiasludw » 02.08.2012, 07:22

Ich nehme an, um die Rentenversicherungspflicht kümmert sich mein Steuerberater oder ist das auch meine Aufgabe?
Soweit ich das weiß ist das die Aufgabe des GF. Der GF ist auch haftbar für nicht angeführte Sozialbeiträge (sowohl Zivil- als auch Strafrechtlich) Am Besten kann dir dazu glaube ich ein Anwalt Auskunft geben.
Genau genommen, würden wir uns am Liebsten gar kein Gehalt auszahlen, sondern erst einmal einen gewissen Umsatz generieren. Ist dies rechtlich in Ordnung?
Hier sehe ich kein Problem. Gerade bei der UG gibt es hier strenge Auflagen wie ein etwaiger Gewinn thesauriert werden muss.

riese
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Re: Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von riese » 02.08.2012, 16:43

Webdesign hat geschrieben:Ich nehme an, um die Rentenversicherungspflicht kümmert sich mein Steuerberater oder ist das auch meine Aufgabe?
was hat Rentenversicherungspflicht mit Steuersachen zu tun. Gleiches gilt für die Insolvenzantragfspflicht etc.

Ich kenne einen GF, der sitzt jetzt wegen Insolvenzverschleppung im Knast, weil er glaubte, sich voll auf seinen Steuerberater verlassen zu können wie ein Einzelunternehmer. Die Tücke des §43 GmbHGist manchen gar nicht bewusst. Wer entgegen §41 GmbHGdie Buchhaltung outsourct oder sonstwie Dritte mit Führungsaufgaben betraut, die dem GF obliegen, hat sich regelmäßig davon zu überzeugen, dass der Dritte das richtig macht. Der Fehler des Dritten würde dem GF angelastet. Die Haftpflicht eines StB beschränkt sich auf Vermögenssschäden infolge falscher (steuerlicher) Beratung. Das ist beim Einzelunternehmer anders, der praktisch "nur fürs Finanzamt" Bücher führt..


Gruß
Rainer

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Re: Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von Webdesign » 16.10.2012, 22:06

Hallo,
da wäre ich wieder. Leider kam ich aufgrund einiger persönlicher Veränderungen noch nicht dazu das angedachte Projekt umzusetzen. Ich würde aber gerne die Chance ergreifen und in diesem Thread mitteilen, wie sich das Ganze denn nun gestaltet. Da ich ein absoluter Laie in der Hinsicht bin, denke ich, könnte dies eine Hilfestellung für zahlreiche andere Gründer sein, sozusagen ein gewisses "How-To".

Ich habe mich nun entschlossen, die Gesellschaft auf einen Elternteil als alleinigen Gesellschafter zu melden. Grund hierfür ist, dass ich mein BaFög nicht gefährden möchte. Ich würde mich dann als GF bestellen lassen. Da ich sonst nirgends gemeldet bin, werde ich dies auf "400-Euro"-Basis sofern möglich tun. Diesbezüglich muss ich mich noch schlau machen.

An der Idee des Handels mit Multimedia-Geräten und der Programmierung von Websites hat sich nichts geändert. Vielmehr ziehe ich in Betracht zusätzlich dazu als Makler zu agieren. Habe bei meinem Umzug leider feststellen müssen, wie unfähig manche Immobilienmakler doch sind und dennoch ein beträchtliches Sümmchen für den Arbeitsaufwand kassieren.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich werde also versuchen, die Woche einen Termin beim Notar zu bekommen und aufgrund nur eines Gesellschafters die Mustersatzung verwenden. Hoffe dass ich nix übersehen habe, da ich mich leider absolut nicht auskenne könnte das sehr gut sein

riese
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Re: Ein paar Fragen zur UG-Gründung

Beitrag von riese » 17.10.2012, 10:52

Denk dran, die Maklertätigkeit mit in den Unternehmensgegenstand aufzunehmen.

Gruß
Rainer

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