UG theoretische Überschuldung

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seb
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UG theoretische Überschuldung

Beitrag von seb » 02.05.2012, 11:47

Hallo,

ich habe mal eine Frage zur UG die mir gerade durch den Kopf geht.

Mal angenommen ich habe eine UG mit bsp. 1000 Euro gegründet (1 Mann UG) und in der Gründungsphase und einiger Zeit danach keine Umsätze generiert aber die laufenden Ausgaben bezahlt und dies zum Teil über das Privatkonto des Gesellschafters bezahlt und in der Buchhaltung Verbindlichkeiten gegen Gesellschafter gebucht.
Nun ist es irgendwann so das immer noch Geld auf dem Konto der Ug ist zum beispiel 300 Euro aber die Verbindlichkeiten gegen den Gesellschafter den Betrag der Stammeinlage überschritten haben.
Dann bin ich meiner meinung nach ja nicht Zahlungsunfähig und muss Insolvenz anmelden oder?
Zumal ich noch zudem damit rechne in Kürze Einnahmen zu haben oder z.B. ein Gesellschafter Darlehen zu bekommen.
Ich bin ja in diesem Sinne nicht Zahlungsunfähig da ich weiterhin Problemlos meine Rechnungen zahlen kann.

Liege ich da so richtig mit meiner Meinung?
Und gibt es dann irgendwann grenzen, bsp. wenn die UG dem Gesellschafter 10.000 Euro schuldet und nur 1.000 Stammeinlage hatte?

Gruß
Seb

riese
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Re: UG theoretische Überschuldung

Beitrag von riese » 02.05.2012, 13:21

Hallo Seb,

schau Dir auch mal den § 272 Abs. 2 HGB an und buch die schnell von den Verbindlichkeiten auf die Kapitalrücklage um. :wink:
Dann bin ich meiner meinung nach ja nicht Zahlungsunfähig und muss Insolvenz anmelden oder?
Die Insolvenzantragspflicht wegen Überschuldung kann durch eine positive Fortführungsprognose abgewendet werden.

Gruß
Rainer

seb
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Re: UG theoretische Überschuldung

Beitrag von seb » 02.05.2012, 18:58

Danke für die antwort,
Was mich aber noch interessiert ist das man jetzt folgendes machen könnte.
man vergibt ein gesellschafterdarlehen in höhe x und begleicht davon Verbindlichkeiten gegen Gesellschafter.

Sollte ja kein Problem sein oder, insofern das Darlehen höher als die Verbindlichkeiten sind?

So und nehmen wir nun an das alle Verbindlichkeiten erledigt sind sowie die monatlichen kosten und das Darlehen zurück gezählt werden können da nun mehr Einnahmen als Ausgaben vorhanden sind.
Kann dann zb 1 Jahr später jemand kommen (Bsp. Finanzamt, Staatsanwalt Co.) und sagen hier sie waren zum Zeitpunkt x ja überschuldet, zahlungsunfähig oder dergleichen und bekommen dafür eine anklage wegen insolvenzverschleppung?
Ist das so?

Und nochwas,
Nur weil man vielleicht über den wert der stammeinlage, Beträge als Verbindlichkeit gegen gesellsch. Bucht muss das doch nicht gleich Überschuldung bedeuten oder liege ich hier falsch, weil praktisch kann die stammeinlage ja noch zu 100% auf dem Konto vorhanden sein!?

riese
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Re: UG theoretische Überschuldung

Beitrag von riese » 03.05.2012, 10:11

Hallo Seb,

schau Dir mal einen Bilanzaufbau an.

Auf beiden Seiten der Bilanz muss unten die gleiche Summe stehen. Zu den Verbindlichkeiten gehören auch solche gegenüber Gesellschaftern - etwa die Rückzahlung eines Gesellschafterdarlehens. Werden die Verbindlichkeiten zu hoch, wird logischerweise entweder das Eigenkapital negativ oder wandert teilweise auf die Aktivseite. Und damit ist die Überschuldung eingetreten.

Dem kann man leicht vorbeugen, indem man das vom Gesellschafter gegebene Geld nicht als Gesellschafterdarlehen bucht, sondern als Kapitalrücklage, steigen nicht die Verbindlichkeiten, sondern das Eigenkapital und das Problem ist gelöst. Nur kannst Du Dir das Geld dann nicht in monatlichen Raten zurückzahlen lassen, sondern an einem Tag X in einer Summe (wenn Deine Gesellschaft wieder genug Kapital hat).

Insolvenzverschleppung tritt ein, wenn Du die Überschuldung einfach hinnimmst, keine Insolvenz anmeldest und keine positive Fortführungsprognose aufstellst. Persönlich haftbar bist Du, wenn Du haltlosen Sermon in die Prognose schreibst, nur um zu einem positiven Ergebnis zu gelangen.

Gruß
Rainer

seb
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Re: UG theoretische Überschuldung

Beitrag von seb » 03.05.2012, 15:21

Ok gut das verstehe ich,
Aber da stellen sich mir wieder fragen.

1. Kann man einfach so von "verbindlichkeiten gegen gesellschafter" auf kapitalrücklage umbuchen?
2. Wenn das so einfach ist, könnte man ja einfach so ohne genauen Zweck Geld auf das Firmenkonto einzahlen und sagen es sei kapitalrücklage und irgendwann zinslos (da kein Darlehen) wieder komplett auszahlen, das kann doch nicht sein oder?

3. Das wäre ja fast so das bei jeder Rücklage das Stammkapital ansteigt, nur mit dem Unterschied das es irgendwann wieder ausgezahlt werden muss.

Ich kann mir nicht vorstellen das das legal sein soll, speziell in diesen fall.

Fundingstar
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Re: UG theoretische Überschuldung

Beitrag von Fundingstar » 22.10.2012, 11:14

Hallo Seb,

ein gutes Mittel zur Vermeidung der bilanziellen Überschuldung ist eine sogenannte Rangrücktrittsvereinbarung. Dadurch werden die Verbindlichkeiten gegenüber dem Gesellschafter als nachrangig gegenüber anderen Verbindlichkeiten behandelt und die bilanzielle Überschuldung vermieden.

Beste Grüße, von http://www.fundingstar.de

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