Was genau bedeutet Haftungsbeschränkt?

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approach
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Was genau bedeutet Haftungsbeschränkt?

Beitrag von approach » 29.07.2013, 22:54

Hi@all

nehmen wir mal an, man eröffnet ein Online Shop. Nach einer Zeit stellt sich heraus, das die AGB's nicht Ordentlich sind und man bekommt eine Abmahnung oder man wird verklagt weil man einen Kunden ungerecht behandelt hat.

Kann man bei einer UG sagen, hmm im Pott liegen nur 500€, also mache ich den Laden dicht und beantrage Insolvenz? Oder werde ich noch Privat für die Sachen belangt (dann könnte man auch als Einzelunternehmer aggieren)?

Danke schon mal für die Info :)

StartUP-Helfer
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Re: Was genau bedeutet Haftungsbeschränkt?

Beitrag von StartUP-Helfer » 30.07.2013, 08:00

Hallo,

Theoretisch ja, solange Du keine Insolvenzverschleppung betreibst nur bleibt es ja nicht bei den 500,00 Euro, Du bist ja verpflichtet 25% deines Gewinns zur Rücklagenbildung zu nutzen.

Aber es gibt Anwälte die Dir ein komplett Paket geben für eine Monatliche Gebühr.
Die AGB sind TOP und die Anwälte übernehmen sogar noch die Haftung dafür (in der Regel, nicht alle).
Somit bist Du super eingedeckt.


Kleine Anmerkung, möchte ja nun kein besserwisser sein. Aber es gibt keine AGB's
(Allgemeine GeschäftsbedingungenS) klingt ja auch schon merkwürdig, oder?
AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) ist richtig.

approach
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Re: Was genau bedeutet Haftungsbeschränkt?

Beitrag von approach » 30.07.2013, 12:09

Hehe :D ja stimmt schon wegen den AGB.

Ja mein Ziel ist es, ein bisschen gefahrlos rein zu schnuppern und gugen was passiert.

Ich habe keine Lust auf Abmahnung oder ähnlichem. Deswegen eine UG. Wobei sicherlich ein Einzelunternehmen leichter zu Gründen wäre. Ist meine Herangehensweise richtig?

BEBOUB
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Re: Was genau bedeutet Haftungsbeschränkt?

Beitrag von BEBOUB » 30.07.2013, 14:16

Hallo ...

eine UG schützt zwar den Unternehmer, ist aber kein Freibrief, als Schutz für unkaufmännisches Verhalten!

Ihre Beschreibung: "... man wird verklagt, weil man einen Kunden ungerecht behandelt hat..." legt die Vermutung nahe, dass Sie es mal salopp angehen lassen möchten, um sich im Falle eines Falles mit einer Insolvenz aus der Verantwortung zu nehmen.

So einfach sollte man das Ganze nicht sehen!

Unter Umständen würden man dann prüfen, ob Sie als Geschäftsführer in die Haftung zu nehmen sind, in dessen Folge eine Gewerbeuntersagung ausgesprochen werden könnte.

Was die Haftungsbeschränkung angeht:

Die UG oder GmbH haftet grundsätzlich als juristische Person immer mit dem gesamten Betriebsvermögen. Die Haftungsbeschränkung betrifft das Vermögen der Gesellschafter die maximal mit einer noch ausstehenden Einlage in die Haftung genommen werden können, sofern das Stammkapital nicht vollständig erbracht wurde.

MfG
BEBOUB

riese
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Re: Was genau bedeutet Haftungsbeschränkt?

Beitrag von riese » 04.08.2013, 21:01

Unter Umständen würden man dann prüfen, ob Sie als Geschäftsführer in die Haftung zu nehmen sind, in dessen Folge eine Gewerbeuntersagung ausgesprochen werden könnte.
Das ist hier kein Fall von Geschäftsführerhaftung, sondern von § 823 BGB (unerlaubte Handlung). Hier haftet die Person, die die Handlung begangen hat, also nicht die Firma oder deren Geschäftsführer, sondern der Verfasser der AGB - und der kriegt auch die Abmahnung nach Hause. :cry:

Im Regelfall gibt es hier die §§ 278 und 831 BGB, die den Arbeitnehmer gegenüber einer Inanspruchnahme nach § 823 BGB durch einen Dritten schützt. Hier muss der Arbeitgeber anstelle des Arbeitnehmers den Schadensersatz leisten. Bei einer Insolvenz des Arbeitgebers geht diese Ersatzhaftung aber ins Leere und die ursprüngliche Schadensersatzpflicht des Arbeitnehmers lebt wieder auf.

Typisches Beispiel: Du lässt Dir Deine Decke von einer Anstreicherfirma streichen. Die schicken die Gesellen Müller und Piepenbrink vorbei. Dem fällt der Farbeimer von der Leiter und versaut Dir den Teppich. Beim Rausgehen haut der Piepenbrink Dir noch die Leiter in eine Scheibe. Nach § 823 BGB muss der Müller Dir den Teppich ersetzen und der Piepenbrink Dir die Scheibe. Da beide aber von Ihrer Firma als "Verrichtungsgehilfen" bestellt worden sind, kannst Du Deine Schadensersatzansprüche gegen die beauftragte Firma geltend machen. Damit hast Du keinen Anspruch mehr gegen die beiden Gesellen. Ist die Anstreicherfirma aber eine GmbH und geht noch vor der Schadensregulierung pleite, kannst Du Deine Ansprüche gegen die Firma nicht mehr durchsetzen. Da aber die Ersatzhaftung wegfällt, lebt die ursprüngliche Haftung der beiden Gesellen nach § 823 BGB wieder auf. Es kann also passieren, dass ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitgeber pleite geht, nicht nur seinen Job verliert, sondern auch noch für den "Mist" geradestehen muss, den er bei seiner Arbeit bei anderen Leuten gebaut hat. :cry:

Gruß
Rainer

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