Bitte dringend um Hilfe / Rechtsformwechsel?

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immobilienkaufmann
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Bitte dringend um Hilfe / Rechtsformwechsel?

Beitrag von immobilienkaufmann » 18.04.2016, 10:28

Hallo liebe Forenteilnehmer,

ich bin aktuell sehr verzweifelt und weiss nicht mehr weiter. Deshalb dachte ich ich versuchs mal hier.

Zu meiner Person / Firma:

Ich bin seit 31.05.2014 komplett als Immobilienmakler selbstständig. Zuvor habe ich den Beruf als Nebengewerbe ein Jahr lang betrieben, dann gekündigt.
Ab 31.05.2016, also in Kürze bin ich dann 2 Jahre selbstständig weshalb ich dann auch von den Banken einen Kredit bekommen werde.
Ich betreibe meine komplette Firma alleine von meinem "Homeoffice" aus :-) was aber auch zukünftig so bleiben soll. Mein Ziel ist es eigentlich nicht mitarbeitertechnisch zu wachsen.
Meine Umsätze / Gewinne wachsen seit Gründung von Jahr zu Jahr regelmäßig wobei ich dieses Jahr am Ende mit ca. 50.000,- Gewinn rechne. Ab 60.000,- müsste ich ja bilanzieren.

Nun zu meiner Frage: Ich möchte das Wissen und die angeeignete Marktkenntnis zukünftig (wie gesagt bekomme ich ab 31.05.2016 endlich einen Kredit von der Bank) auch dahingehend nutzen dass ich statt wie aktuell als Makler die Immobilien Anderer handle auch selbst investiere. Somit fällt für mich das oft sehr anstrengende Zusammenarbeiten mit den Auftraggebern (Verkäufern) und die nervige Kaltaquise usw. weg. Dies ist für mich derzeit das unangenehmste in meinem Beruf.
Ich würde also zukünftig auch mit Immobilien "handeln" wollen. Also billig ein- teuer verkaufen. Evtl. auch mit Renovierungsarbeiten etc. um den Preis/Wert zu erhöhen.
Meine Maklertätigkeit würde ich natürlich unverändert weiterführen. Ich hatte allerdings in der Vergangenheit schon öfters Möglichkeiten sehr billig einzukaufen.

Ich habe vor ca. einem 3/4 Jahr mit Gründungsvorbereitungen einer GmbH & Co KG zu beginnen. Notarverträge wurden bereits vorbereitet. Durch einen Privaten Grund und da ich auch nicht ganz so liquide war habe ich die Sache nie abgeschlossen. Ich müsste dann auch meinen Steuerberater wechseln, weil meiner nicht bilanzieren darf. Der Aufwand für die Buchhaltung und auch die Kosten sind natürlich deutlich höher als jetzt. Weiter ist die Sache so extrem kompliziert. Ich habe dann schon Vorgespräche mit einem anderen Steuerberater geführt bei denen ich gemerkt habe dass das mit der neuen Gesellschaft wirklich eine Wissenschaft für sich ist.

Nun weiss ich einfach nicht ob sich die Risiko bzw. Haftungsbeschränkung in meinem Fall lohnen würde.

Ich war z.B. auf einem Bauträgerseminar bei dem uns geraten wurde immer GmbH o.ä. zur Haftungsbeschränkung zu machen. Wobei Bauträger ja noch viel risikoreicher ist als das was ich vorhabe.

Mein jetziger Steuerberater sagt immer dass ich bei einem Kredit an die Bank immer mit meinem Privatvermögen (Eigentumswohnung) hafte und sich so eine andere Gesellschaftsform eh nicht lohnt.

Nun zu meiner Frage die mich verzweifeln lässt:
Was ratet Ihr mir, soll ich die Gesellschaftsform wechseln oder weiter als Einzelunternehmer fungieren?
Welches Horrorszenario könnte passieren dass ich Insolvenz anmelden muss und so letztendlich froh wäre kein Einzelunternehmer mehr zu sein?

So jetzt habe ich soweit alle Infos dargelegt und würde mich wirklich sehr über Meinungen aller Art freuen.

Vielen Dank vorab für Eure Hilfe!

riese
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Re: Bitte dringend um Hilfe / Rechtsformwechsel?

Beitrag von riese » 21.04.2016, 09:38

immobilienkaufmann hat geschrieben:Mein jetziger Steuerberater sagt immer dass ich bei einem Kredit an die Bank immer mit meinem Privatvermögen (Eigentumswohnung) hafte und sich so eine andere Gesellschaftsform eh nicht lohnt.
Nur wenn ein Kreditbetrug vorliegt (falsche Angaben bei der Kreditantragstellung) oder Du selbstschuldnerisch für den Kredit gebürgt hast. Sonst ist der Kredit eine ganz normale Insolvenzforderung.
immobilienkaufmann hat geschrieben:Nun weiss ich einfach nicht ob sich die Risiko bzw. Haftungsbeschränkung in meinem Fall lohnen würde.

Ich war z.B. auf einem Bauträgerseminar bei dem uns geraten wurde immer GmbH o.ä. zur Haftungsbeschränkung zu machen. Wobei Bauträger ja noch viel risikoreicher ist als das was ich vorhabe.
Bei Immobilien ist das Haftungsrisiko schon groß, wobei man natürlich auch immer die Delikthaftung im Auge behalten muss. Hier muss man auch die §§ 278 und 831 BGB berücksichtigen. Auch ohne dass es zu einer strafrechtlichen Verurteilung kommt, kann ein Insolvenzverwalter jeden Mitarbeiter der GmbH - nicht nur den Geschäftsführer - für den Schadensersatz in Regress nehmen, den die GmbH den Geschädigten gegenüber leisten musste - auch noch 3 Jahre rückwirkend.

Beim Einzelbetrieb kommt noch hinzu, dass die Haftung hier bidirektional ist - es haftet nicht nur der Unternehmer für den Betrieb, sondern auch der Betrieb für die Privatschulden des Unternehmers, weil es hier keine Vermögenstrennung gibt.

Aber es gibt Unterschiede bei Unternehmern und Arbeitgebern (zu denen ein GmbH-GF gehört) hinsichtlich Steuerzahlung (Einkommensteuer/Körperschaftssteuer, Lohnsteuerabzug/Est.-Vorauszahlungen), Dienstwagen (10/50%-Regelung oder 1% Regel selbst bei 100% Privatnutzung), Eigenanteil bei Telefon und Internet oder nicht. Steuerrechtlich ist nämlich der Geschäftsführer im Vorteil gegenüber dem Unternehmer. Im Gegenzug sind allerdings Privatentnahmen verboten (wer das will, muss auf die GmbH & Co KG ausweichen). Auch lässt sich eine SV-Pflicht konstruieren, indem ein Familienangehöriger als "Strohmann" 51% der GmbH-Anteile hält.

Das muss man hier alles überdenken - nicht nur das Haftungsrisiko.

Gruß
Rainer

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