Einzelunternehmen vs UG vs UG & Co. KG

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fk1
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Einzelunternehmen vs UG vs UG & Co. KG

Beitrag von fk1 » 13.01.2016, 23:55

Hallo zusammen,

auf meiner Suche nach Informationen bin ich auf dieses Forum gestoßen und ich glaube hier scheint sich Kompetenz zu befinden :)

Kurz zu mir: 30, gelernter IT-Systemelektroniker mit 8 Jahren Berufserfahrung und ein paar Semestern Mathematikstudium (kein Abschluss).

Aktuell befinde ich mich in einer Phase der Arbeitslosigkeit. Im November letzten Jahres erldigte ich für einen Bekannten im Einzelhandel ein Programmierprojekt, das gute Resonanz und einen Folgeauftrag mit sich zog.

Daher möchte ich mittels Selbstständigkeit raus aus der Arbeitslosigkeit.

Der Folgeauftrag bringt mir vorraussichtlich ca. 5.500,- ein. Alles, was darauf folgt, ist ungewiss und hängt von mir und meinen Werbe/Verkaufsgeschick bei potentiellen Neukunden ab.

Eine Marketingstrategie für meine Dientstleistung basierend auf meinem Referenzkunden ist gegeben. Nachdem ich heute Rücksprache mit meinem Sachbearbeiter hatte war mein Plan, morgen ein Einzelgewerbe anzumelden. Aufgrund eines fehlenden Hochschulabschlusses glaube ich nicht, vom Finanzamt als Freiberufler eingestuft zu werden.

Nun habe ich noch mal recherchiert und weiche wieder vom Privatunternehmertum ab, da die Namensgebung auf meinen Namen beschränkt ist. Außerdem denke ich, ein Auftritt als UG wäre professioneller und für mich als "Nicht-Studierter" vorteilhafter, da ich nicht auf ein fehlendes Diplom hinweisen müsste. Freiberufliche Programmierer listen gerne ihre CVs auf, wo ich dann schlechtere Chancen für mich sehe.

Ein Fantasiefirmenname scheint mir also sinnvoller. Weiter habe ich gelesen, dass es leicht steuerliche Vorteile geben kann. Das hängt natürlich wieder von dem Einkommen ab aber nehmen wir an, ich schaffe es in diesem Jahr 3-4 Projekte umzusetzen, dann sprechen wir vom 16-22k p.a. Umsatz.

Auf dieser Erwartungsbasis würde mich interessieren, ob ihr den Aufwand einer direkten Gründung einer UG, oder sogar einer UG & Co. KG bevorzugen würdet. Ich habe gelesen letzteres vereint nun mal auch die steuerlichen Vorteile einer Personengesellschaft mit den Vorteilen der beschränkten Haftung einer UG.

Dem steht ein hoher Aufwand und Steuerberaterkosten gegenüber. Ich las von anderen Gründern, die mit einem ersten Jahresumsatz von ca. 15k/jahr mit einer UGCoKG scheinbar mit "Kanonen auf Spatzen schießen".

Wie würdet ihr an meiner Stelle unternehmerisch tätig werden?

Eine weitere Frage beschäftigt mich: Wenn ich eine UG gründe, sollte ich ein Geschäftsführergehalt bestimmen und im Falle weiterer Gewinne, mir diese nicht auszahlen lassen, das wäre steuerlich nicht so toll.

Kann mir das jemand mal konkret an meinem Beispiel erklären? Gründe ich eine UG, lege ein Gehalt fest und erwirtschafte mit der UG zu wenig, was passiert dann?

Schönen Gruß

riese
Beiträge: 863
Registriert: 29.07.2007, 22:50

Re: Einzelunternehmen vs UG vs UG & Co. KG

Beitrag von riese » 28.01.2016, 11:49

Hallo,

es fehlt noch die SV-rechtliche Seite. Als Unternehmer musst Du Dich auf jeden Fall freiwillig versichern. Und das ist meist teuer. Als GF kannst Du hingegen sozialversicherungspflichtig werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

1. Du darfst die Firma nicht beherrschen, d.h. Du darfst weniger an Anteilen halten als die Sperrminorität ausmacht. Also maximal 24,99%. Deshalb sieht das Musterprotokoll ja auch bis zu 3 Gesellschafter bei nur einem Geschäftsführer vor. Also übernimmst Du nur 20% des Stammkapitals und schlörst Bruder und Schwager mit zum Notar, die dort die anderen 80% übernehmen (natürlich steckst Du sie ihnen vorher zu und lässt Dir ein Schuldanerkenntnis von denen unterschreiben, dass sie Dir den Betrag schulden und dieser im Fall einer Kapitalrückzahlung fällig wird).

2. Zwischen Dir und der UG muss ein Arbeitsvertrag geschlossen werden, der auch die Geschäftsführerpflichten enthalten kann, aber einem "Drittvergleich" standhalten muss.

3. Es müssen regelmäßige Gesellschafterversammlungen abgehalten werden und Protokolle darüber existieren.

Nur wenn alle 3 Voraussetzungen erfüllt sind, wirst Du von der DRV im Rahmen eines Statusfeststellungsverfahrens für sozialversicherungspflichtig erklärt. Ist auch nur eine der 3 Bedingungen nicht erfüllt, fliegst Du aus der SV (einschl. Berufsgenossenschaft und Umlage) und musst wie ein Unternehmer selbst vorsorgen.

Steuerliche Beratung braucht eine GmbH nicht mehr als ein Einzelunternehmer - im Gegenteil, weil die Körperschaftssteuer keine Progression kennt. Dafür bedarf es aber mehr juristischer Beratung. Allerdings muss für Dich - auch wenn Du der einzige Beschäftigte bist (manuell machen gibt's nicht).

Deine Entgeltbescheinigung, die Du dann wie jeder Arbeitnehmer bekommst (auch dann, wenn Du aus der SV fliegst und nur dem Lohnsteuerabzug unterliegst), ist Dein Einkommensnachweis gegenüber Behörden u.ä. - z.B. gegenüber dem Job-Center (wenn Du ergänzend Hartz-IV haben möchtest), dem Jugendamt (das UVG für Deine nichtehelichen Kinder zurückfordern will) oder der Kindergeldkasse. Kannst Du die nicht vorlegen, betrachten Sie dich als Selbständigen und Deine UG als Privatbetrieb und zerpflücken sie!

Zur Steuer: Bei der UG unterliegt nur Dein Gehalt der Einkommensteuer (Lohnsteuerabzug). Dein Gehalt ist für die Firma Betriebsausgabe und mindert den Gewinn entsprechend. Der noch verbleibende Gewinn wird nur mit 15% Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer belegt. Als Einzelunternehmer versteuerst Du den gesamten Gewinn (der um das fiktive Unternehmergehalt höher ausfällt) nach dem individuellen Steuersatz (Progression) nach dem Einkommensteuertarif. Auch die Gewerbesteuer dürfte höher ausfallen, wenn Dein Gehalt einschl. Lohnebenkosten mehr ausmacht als der Freibetrag von 24000,00 €. Als einzelunternehmer könntest Du allerdings u.U. Freiberuflerstatus bekommen und gewerbesteuerfrei sein.
Und dann noch das liebe Auto. Als Einzelunternehmer darf es bei einer betrieblichen Nutzung von unter 10% überhaupt nicht Betriebsvermögen werden und bei 10-50% Nutzung werden als gewillkürtes Betriebsvermögen ein Prozentsatz für die Privatnutzung von allen Ausgaben abgezogen, die das Fahrzeug betreffen. Als Geschäftsführer hingegen versteuerst Du grundsätzlich nur 1% des Listenpreises, wenn die Fahrzeuggstellung im Arbeitsvertrag oder einem sonstigen Vertrag geregelt ist - unabhängig vom tatsächlichen Umfang der Privatnutzung.

Für den Einzelbetrieb spricht wieder, dass er sich leicht wieder auflösen lässt. Für eine GmbH oder UG hingegen gäbe es faktisch nur 3 Möglichkeiten, sie wieder loszuwerden:
1. "Hochgehen lassen" (Insolvenz anmelden)
2. Alle Anteile (und damit auch den Betrieb) verkaufen
3. "Existenzvernichtender Eingriff" (den Laden plündern und dem Handelsregister Vermögenslosigkeit vortäuschen),
wobei Variante 1 und 3 schon außerhalb der Legalität sind. Aber eine reguläre Abwicklung ist viel zu teuer und unverhältnismäßig. Das sollte man allerdings auch bedenken.

Gruß
Rainer

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