Existenzgründung aber welche Rechtsform

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spynder
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Existenzgründung aber welche Rechtsform

Beitrag von spynder » 18.05.2009, 17:14

Hallo,

ich habe folgendes Problem zum Thema Existenzgrünung.

Ausgangssituation: Ich habe einen Edelmetallshop(Gold, Silber…) bei ebay gegründet und diesen auch als Kleingewerbe angemeldet. Das läuft soweit auch ganz gut, so, dass ich bei jedem Verkauf nach Abzug aller Gebühren zwischen 2-10% Gewinn erwirtschafte. Hier habe ich kein Problem, aber ich habe noch einen zweiten Geschäftszweig. Und zwar verkaufe ich auch über den gleichen Ebayshop Sachen für ein Onlinebrowsergame. Hiermit erziele ich aber einen wesentlich größeren Gewinn und habe außer Serverkosten und ein paar kleine andere Kostenfaktoren keinerlei Ausgaben.

Mein Problem ist, dass ich Student bin und normalerweise kein Einkommen habe und somit auch keine Steuern zahle. Außerdem bekomme ich noch Kindergeld, sowie meine Eltern Zuschüsse solange wie ich keine Einkommenssteuer zahle. Mein großes Problem ist aber, dass ich Privatversichert bin und das auch noch die nächsten Jahre bis zum Ende meines Studiums bleiben muss. Sollte ich nun mehr als 7.000 Euro Einnahmen haben, muss ich ja Einkommenssteuer zahlen, und die ganzen Zuschüsse fallen weg. Soweit kein großes Problem, aber danach müsste ich vollen Krankenkassenbeitrag von über 400€ pro monat zahlen und das ist ein wenig viel, denn ich weis bei einem Browsergame nicht, wie lange es noch existiert. Ich muss ja vom schlechtesten Fall ausgehen und damit rechnen, dass dieses Browsergame irgendwann nicht mehr existiert und ich damit dann keine Einnahmen mehr habe. Somit habe ich dann nur noch den Gewinn aus dem Edelmetallhandel und ob der dann die ganzen Kosten wie Krankenkasse und alles deckt ist mehr als fraglich.

Ich dürfte also, so wie ich das verstanden habe privat nicht mehr als 7.000€ Einnahmen haben, damit die Zuschüsse nicht wegfallen und ich nicht volle Krankenkasse zahlen muss, ist das richtig?

Momentan mache ich es so, dass ich von dem hohen Gewinn von dem Browsergame Edelmetalle kaufe und somit meinen Gewinn in der Einnahmen-Überschussrechnung relativ gering halte, weil der Edelmetalleinkauf ja eine Ausgabe ist. Ich verrechne also beide Geschäftszweige. Aber als Kleinunterehmer darf man nur 17.500€ Umsatz im Jahr machen, und das ist dann doch zu wenig für mich
Ein Freund hat mir geraten das ganze als GmbH zu gründen und zu sagen, dass ich im Jahr ein Gehalt von 4.000€ bekomme und der Rest vom Gewinn in der GmbH bleibt. Somit würde ich nie über meinen Einkommensfreibetrag kommen und müsste Steuern zahlen. Nur geht das so einfach? Den Rest vom Gewinn in der Firma lassen und sich jährlich nur 4.000€ zahlen, um das Kindergeld und die Zuschüsse nicht zu verlieren? Oder ist das so, wenn man alleine eine GmbH leitet, dass automatisch der komplette Gewinn als Einkünfte zählt und versteuert werden muss? Ich weis halt nicht, wielange meine Einkünfte noch so hoch sind und will es nicht riskieren, dass ich am Ende mehr Versicherung zahle, als ich Einnahmen mit dem Edelmetallhandel habe. Glaube das ist verständlich

Also hier nochmal meine Fragen, hoffe der ein oder andere kann mir bei einigen helfen:

1. Kann ich in einem Kleingewerbe so einfach den Gewinn aus dem Browsergamehandel mit dem Verlust aus den Edelmetallhandel aufsummieren, um den Gewinn kleiner zu halten, oder muss ich getrennte Einnahmenüberschussrechnungen machen, obwohls über den Ebayshop läuft?
2. Ab wann muss man als Student, wenn man nur die Einnahmen aus seinem Gewerbe hat vollen Krankenkassenbeitrag zahlen?
3. Könnte ich eine GmbH gründen und festlegen, dass ich im Jahr 4.000 Euro Gehalt aus der Firma bekomme und der Rest in der GmbH bleibt?
4. Wenn drittens geht, und ich somit unter dem Einkommenssteuerfreibetrag bleibe, bekomme ich dann weiterhin Kindergeld, sowie meine Eltern Ihre Zuschüsse?
5. Muss ich dann auch weiterhin nur einen geringen Teil meiner Krankenkasse selber zahlen?

Weis eben nicht, ob das nicht ein wenig paradox klingt, wenn man seine eigene GmbH hat, die auch einen jährlichen Gewinn größer als 7000€ hat, aber gleichzeitig sich nur 4000€ pro Jahr als Gehalt gibt um weiterhin Kindergeld zu bekommen, bzw. nicht völligen Krankenkassenbeitrag zu zahlen?

Oder wisst Ihr eine andere Lösung, bzw eine andere Geschäftsform, mit der Ich das Problem lösen kann?

C.Ahr
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Re: Existenzgründung aber welche Rechtsform

Beitrag von C.Ahr » 23.05.2009, 13:09

Hallo,
ich hatte bereits mehrfach zum Thema "Gründen im Studium geantwortet", wenn Sie die Suchfunktion verwenden, dürfte das hilfreich sein.

zu Frage 1: wenn die Gewerbe jeweils eigenständig sind, dann ist auch eine eigene EÜR vorzunehmen. In Ihrer Einkommenssteuererklärung ist aber dann das Saldo relevant. Die 7000 € sind übrigens etwas unterzeichnet.
Frage 2: wenn Sie privat versichert sind, gibt es üblicherweise keine Grenze (im gegensatz zur gesetzlichen). Sie könnten ggf. in die Studentische Versicheurng für etwa 54 € im Monat wechseln, dazu finden Sie mehr in meinen genannten Beiträgen. Was meinen Sie mit Zuschüssen? Beihilfeberechtigung?
Frage 3: Selbstverständlich. Der Gewinn auf GmbH Ebene unterliegt natürlich der Körperschaft bzw. Gewerbesteuer
Frage 4: nur die Kindergeldfreigrenze ist relevant, diese wird nun auf 8004 steigen + ggf. 920 € Arbeitnehmerpauschalbetrag + ggf. Sonderausgaben
Frage 5: die Kraknkenkassensituation ist etwas wirr, daher kann ich hier nicht antworten

Grundsätzlich ist es aber überhaupt kein Problem, die GmbH als Sparbüchse zu verwenden, und kein Gehalt zu beziehen. Informieren Sie sich über die UG, die könnte in der Tat interessant sein.

Ich hoffe, ich konnte etwas weiterhelfen,
Beste Grüße,
Christoph Ahr

mgb-consulting

Re: Existenzgründung aber welche Rechtsform

Beitrag von mgb-consulting » 23.05.2009, 17:41

Hallo ...

die GmbH als "Sparbüchse" zu nutzen wird nicht funktionieren!

Das FG Berlin-Brandenburg hat am 16 Juli 2007 unter dem AZ 10 K 2162/03 ein Urteil gefällt, das kurz zusammengefasst besagt, dass der Anspruch auf Kindergeld dann entfällt, wenn das Kind einen Gewerbebetrieb betreibt und die gewerbliche Tätigkeit in den Vordergrund vor den Abschluss der Ausbildung tritt.

Dies ist hier ja wohl mehr als eindeutig der Fall!

Hier ist nicht nur ein sehr erfolgreicher junger Mann am Start, hier liegt auch die, nennen wir es mal Schlitzohrigkeit vor, darüber hinaus zusätzlich durch Einkommensverschleierung auch noch in die Sozialkassen greifen zu wollen.

Mal eine eigene Anmerkung: Ich finde, dass es Grenzen in der Beantwortung von Fragen dort geben sollte, wo das Forum bewusst genutzt wird, um Dritte zu schädigen, denn genau dies ist hier der Fall.

Hier liegt keine Bedürftigkeit vor, sondern nur der Drang, durch eine gezielte Verschleierung "noch mehr" in die private Schatulle wirtschaften zu können.

Es ist auch nicht akzeptabel, dieses Vorhaben mit der Begründung: "Ich weiss ja nicht wie lange der Boom noch anhält (sinngemäß)!" rechtfertigen zu wollen, weil ja gerade das Risiko ein elementarer Bestandteil im Leben eines jeden Kaufmannes ist, der im Gegenzug ja auch dann seine Gewinne einstreichen darf, wenn das Gewerbe sie abwirft.

MfG
MGB-Consulting

C.Ahr
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Re: Existenzgründung aber welche Rechtsform

Beitrag von C.Ahr » 24.05.2009, 06:43

Hallo,

ich glaube kaum, dass wir hier über enorme Summen reden. Daher gehe ich davon aus, dass die Ausbildung im Vordergrund steht. Sollte man bspw. in der Regelstudienzeit studieren und alle vorgesehenen Klausuren im Semester abschließen dürfte das Studium sehr wohl im Vordergrund stehen. Gerade bei den neuen Bachelor-Studiengängen ist der workload sehr hoch, und die "full-time" Belastung gerichtsfest. Das Urteil stellt gerade darauf ab, dass der Ausbildungswille fehlt, und es ging um eine zweite BERUFSAUSBILDUNG. Das Urteil mag richtungsweisend sein, letztlich aber nicht deckungsgleich mit diesem Fall.

Nur weil jemand das Kindergeld versucht zu bekommen, ist das noch lange kein Sozialschmarotzertum. Am Kindergeld hängen mehrere Dinge, bspw. Studiengebühren etc. Sobald man einen € darüber ist sieht die Finanzlage enorm anders aus, daher sollte man in der Tat alles daran setzen diese Grenze nicht zu überschreiten.

In Städten wie München ist der Steuerfreibetrag nicht ausreichend für die Existenzsicherung. Eigentlich hat man kaum eine Chance zu gestalten.

Wenn wir hier allerdings über Gewinne im Bereich von 20-30.000 € reden, dann sollte man vielleicht sich wirklich fragen, ob das sein muss. Allerdings sollte man sich auch fragen, wenn man schon die Moralkeule schwingt, ob diese ganzen Förderungen aus der Arbeitslosigkeit heraus gegenüber anderen nicht auch sehr unfair sind. Oder die ganzen Fragen zur Versicherung, dass man schön mitversichert bleibt.

Wenn man die Moral mit in das Spiel einbeziehen will, dann aber bitte doch konsequent und die gleichen Maßstäbe.


Beste Grüße,
C.Ahr

Linara
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Re: Existenzgründung aber welche Rechtsform

Beitrag von Linara » 11.06.2009, 13:00

Hallo,

wenn wir davon ausgehen, dass du dir dein Gehalt von 400€ monatlich zahlen lassen kannst, dann kannst du auch weiterhin den geringeren Beitragssatz bei der Krankenkasse zahlen, denn dann arbeitest du auf Minijob-Basis. Das Kindergeld regelt sich nur danach, wie hoch dein Jahreseinkommen ist. Wenn du eben mit Einkommen aus der GmbH, Kapitalerträgen und Kindergeld über diese Freibetragsgrenze kommst, dann musst du dein Kindergeld für das komplette Jahr zurückzahlen. Wenn du die Freibetragsgrenze nicht ausschöpft, dann bekommst du auch dein Kindergeld.
Ich würde bei der privaten Krankenkasse mal fragen, ob die Studententarife oder so haben. Bei der gesetzlichen Krankenkasse musst du dich ab einem Einkommen von 400€ auch selber versichern. Dieser Satz ist aber geringer, weil du einen Studententarif bekommst und der liegt mit Pflegeversicherung momentan bei etwa 67€ im Monat.

Viele Grüße,
Linara

Linara GmbH - Pflege daheim
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