Freiberufl. IT-Berater, Erweiterung neue Geschäftsfelder

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Carlo75
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Freiberufl. IT-Berater, Erweiterung neue Geschäftsfelder

Beitrag von Carlo75 » 16.03.2015, 15:20

Schönen Gruß allen,

zu erst mein aktueller Stand:
Ich bin freiberuflicher IT-Berater / IT-Freiberufler, wie man es auch immer nennen mag. Sprich, ich arbeite aktuell Freiberuflich in IT-Themen mit Schwerpunkt bei Datenbanken und der Software-Architektur, und allgemein beratend in der IT, immer unter Dienstverträgen.

Da ich dies nun schon lange und intensiv mache, eröffnen sich mir gerade neue Geschäftsfelder, welche aber mit meiner angemeldeten freiberuflichen Arbeit nichts zu tun hat.

Die neuen Geschäftsfelder sind:
- Geschäfte wie Vermittlungen oder zusammenspielen von Kontakten, durch die jeweils Provisionen für mich entstehen.
- Reseller von Services oder Produkten aus meinem Themen Schwerpunkt und dadurch Partizipierung durch einbehalten von variablen Margen oder festen Provisionen.
- Dazu Werbeeinnahmen über eine Webseite zu dem Themen-Schwerpunkt.
- Das Betreiben dieser Webseite und die Ausgaben dafür fallen auch in das neue Geschäftsfeld.

Klingt alles sehr groß und viel, ist es aber erst einmal gar nicht. Ich werde es weiterhin alleine führen und ob und wann hier Gewinne abfallen, ist noch nicht planbar. Da die Chance hoch ist, dass eines der Geschäftsfelder funktioniert, möchte ich eben schon das zweite Unternehmen gründen.

Schnell kam mir die UG als Gedanke, wegen der Haftungsbegrenzung, welche ich in den neuen Geschäftsfeldern gerne haben würde. Leider ist mir nach meinem Verständnis, dass System mit den Entnahmen zu starr und meines Verständnisses höher besteuert. Meine Einnahmen werden jährlich und monatlich sehr stark abweichen, wären also 95% erfolgsorientiert abhängig vom Gewinn. Und wenn ich Gewinnentnahmen oder Lohn zu stark an Gewinne anpasse, was ich eigentlich möchte, wäre es bei einer UG wohl eine "verdeckte Gewinnausschüttung".
Mir gefällt das System meiner Freiberuflichkeit sehr gut, ich kann selbst bestimmen was im Unternehmen bleibt und was nicht und entnehme somit was und wann ich möchte. Und die Steuern sind für mich gesehen erst mal transparenter als bei der UG und die EÜR und Einkommenssteuer habe ich auch gut verstanden.

Somit bin ich nun bei der UG & Co. KG gelandet, welche auch eine Haftungsbegrenzung mitbringt. Mein aktueller Wissenstand ist, dass der initiale Aufwand höher ist es zu gründen (UG und KG) und auch teurer, aber eigentlich für meine Anliegen erst mal besser passt, da ich hier relativ frei über Einnahmen/Ausgaben verfügen kann und das Steuerkonzept (Einkommensteuer) für mich erst mal transparenter ist und weil - bei höherem Gewinn und dann höheren Gewinnausschüttungen - weniger Steuern abgehen als bei der UG.

Vielleicht an der Stelle erst mal...
- Macht das was ich schreibe erst einmal Sinn?
- Die Idee, die Geschäftsfelder in "Freiberufliche IT Arbeit" (Freiberuflich) und "Die neuen Gechäftsfelder" (neue Unternehmensgründung) zu teilen und in zwei Unternehmen zu führen ist möglich und ist sinnvoll?
- Sollte ich noch andere Formen in Betracht ziehen?

Danke und viele Grüße
Carlo

riese
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Re: Freiberufl. IT-Berater, Erweiterung neue Geschäftsfelder

Beitrag von riese » 02.04.2015, 08:42

Hallo Carlo,

die UG & Co KG ist dann die bessere Alternative, wenn man - wie Du - den Gewinn abschöpfen möchte, während die reine Kapitalgesellschaft darauf abzielt, nur von dem GF-Gehalt zu leben und die verbleibenden Gewinne im Betrieb zu lassen (z.B. für spätere Investitionen).

Nicht zu empfehlen ist ein Einzelbetrieb neben einer freiberuflichen Tätigkeit, weil es dann beim Finanzamt zu Durchmischungen kommt.

Gruß
Rainer

Carlo75
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Re: Freiberufl. IT-Berater, Erweiterung neue Geschäftsfelder

Beitrag von Carlo75 » 02.04.2015, 17:08

Hallo Rainer,

vielen Dank für deine Antwort. Nach so langer Zeit dachte ich schon, ich muss ohne Antwort auskommen. :-)
Klingt so als wenn ich zumindest auf dem richtigen Weg bin.

Könnte es dann auch mehrere Kommanditisten geben? Falls ja, könnte man dann regeln, dass die Kommanditisten nach einem 100%ig Gewinn-basierendem System Verfahren? Sprich, wer kein Gewinn eintreibt, bekommt auch nichts. Wenn beide Gewinn eintreiben, wird je nach Anteil geteilt. Das sich beide gut verstehen und einigen müssen ist mir klar. Mir geht es eher darum, ob diese Unternehmensform dies ermöglichen würde.

Das das FA den Einzelbetrieb dann gerne mit der Freiberuflichen Arbeit vermischt und damit zum Gewerbe macht, kennst du aus Erfahrung?

Falls noch jemand eine Meinung abgeben mag, sehr gerne.

Liebe Grüße
Carlo

riese
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Re: Freiberufl. IT-Berater, Erweiterung neue Geschäftsfelder

Beitrag von riese » 07.04.2015, 12:58

Carlo75 hat geschrieben:Könnte es dann auch mehrere Kommanditisten geben?
Hallo Carlo,

ja.
Carlo75 hat geschrieben:könnte man dann regeln, dass die Kommanditisten nach einem 100%ig Gewinn-basierendem System Verfahren? Sprich, wer kein Gewinn eintreibt, bekommt auch nichts. Wenn beide Gewinn eintreiben, wird je nach Anteil geteilt.
Kann man im Gesellschaftsvertrag regeln.

Gruß
Rainer

Carlo75
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Re: Freiberufl. IT-Berater, Erweiterung neue Geschäftsfelder

Beitrag von Carlo75 » 08.07.2015, 17:24

Gibt es eine gute Literatur oder Links, wo mal beschrieben ist, was in so einem Gesellschaftsvertrag für die Kommanditisten solch eine UG & Co KG drin stehen kann?

- Müssen die gleiches Recht haben?
- Kann mit Einnahmen dann nach Umsatzarten und jeweiligen Provisionen beschließen?
- Kann man da im Prinzip alles rein schreiben, wo die Parteien mit einverstanden sind, selbst wenn in einem bestimmten Geschäftsfeld der UG dann ein Großteil an nur einen Kommanditisten geht?
-- Sprich, geht so etwas:
Umsatz auch Geschäftsfeld 1:
- Kommanditist A. 80%
- Kommanditist B. 15%
- Kommanditist C. 5%

Umsatz auch Geschäftsfeld 2:
- Kommanditist A. 50%
- Kommanditist B. 25%
- Kommanditist C. 25%

Und wenn sich dies dann ändert, können die Kommanditisten dann relativ einfach unter sich diese prozentualen Anteile ändern, wenn alle einverstanden sind, sprich einfach per Unterschrift?

- Was ist wenn ein Kommanditisten austreten will? Kann man so etwas wie Kundenschutz vereinbaren?

Wobei das Konzept klingt glaube ich eher danach, dass Kommanditist A die beiden anderen fest-anstellen sollte, aber dann zum sehr großen Teil auf Provision Basis, oder? Wie hoch kann der Provisions-Anteil bei einem Festangestellten maximal sein? Jemanden 100% auf Provision anstellen geht ja bestimmt nicht.

Ja, ich gehe auch noch zu einen Fachmann. Aber würde mir eben gerne mal etwas Grundwissen auch anlesen. Aber nach den Themen kann man schlecht im Internet suchen. Falls jemand dazu mal paar interessante Empfehlungen hat, gerne.

Jaquemot
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Re: Freiberufl. IT-Berater, Erweiterung neue Geschäftsfelder

Beitrag von Jaquemot » 14.07.2015, 11:37

Zum Thema mehrere Einzelunternehmen: Das Problem entsteht insbesondere wegen der Umsatzsteuer. Als Einzelunternehmer ist immer die Person Steuerschuldner, also auch ein Freiberufler, der zusätzlich in einer gewerblichen Aktivität Umsätze erzielt. Hier muss die Umsatzsteuer immer von der betreibenden Personen ermitelt und in der UStVA angemeldet werden. Das macht es ein bisschen komplexer. Für weitere Details der Gestaltung sollte ein Steuerberater weiterhelfen können.

Ich nehme das Konstrukt der KG als viel zu aufwändig und schwerfällig wahr. Insofern untestütze ich den Gedanken einer "Anstellung" der beiden anderen. Ich würde allerdings den Gedanken der Anstellung gerne abwandeln in eine Handelsvertreter-Lösung, denn das ist es doch, was die beiden faktisch tun sollen. Die schleppen Umsätze ran und bekommen dafür eine Vergütung. Das können die als selbständige Handelsvertreter ganz sauber abrechnen und du hast kein Getöse als Arbeitgeber, sondern nur als Auftraggeber. Damit kannst du auch eine kleine UG realsieren und bist mit einer freiberuflichen Tätigkeit und einer Kapitalgesellschaft unterwegs und steuerlich auch sauber getrennt.

Hurra1
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Re: Freiberufl. IT-Berater, Erweiterung neue Geschäftsfelder

Beitrag von Hurra1 » 25.06.2016, 18:59

Hallo Carlo, ich wünsche dir viel Erfolg als freiberuflicher IT-Berater!

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