Kleinunternehmen vs UG

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Sukama
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Kleinunternehmen vs UG

Beitrag von Sukama » 04.01.2014, 23:53

Hallo,

ich habe bereits einige Beiträge hier durchgelesen, bin aber noch nicht ganz schlüssig geworden.

Und zwar betreibe ich ein Kleinunternehmen und habe es in Erwägung gezogen dieses in eine UG umzuwandeln bzw. eine neue UG zu gründen. Geschäftsfeld liegt nur im Internet.

Mein Umsatz war in den letzten Jahren nie über 15.000€. Jedoch würde ich gerne alles etwas ausbauen und bin daher auf die Idee dieser Umwandlung gekommen. Macht es denn Sinn?

Vorteil Kleinunternehmen:
- einfache GuV
- keine Steuern

Nachteil?

UG Vorteil:
- haftungsbeschränkt (auch bei Abmahnungen?)
- mehr Vertrauen (?)

UG Nachteil:
- Bilanzierung
- Steuern

Kann mir jemand eventuell einen Rat geben?

Danke im Voraus!

StartUP-Helfer
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Re: Kleinunternehmen vs UG

Beitrag von StartUP-Helfer » 06.01.2014, 09:49

Guten Tag,

das mit dem Abmahnungen ist so ein "ding", es haftet der Geschäftsführer dafür,
nicht die UG oder die GmbH.

Du hast bei den Voteilen für ein Kleinunternehmen keine Steuern aufgeführt.
Das ist falsch. Du liegst nur in dem Freibetrag und musst daher keine Steuern zahlen.

Mehr vertrauen hast Du mit einer UG nicht Zwangsläufig.
Später wenn Du die in eine GmbH Umgewandelt hast auf jeden fall.
Deine Geschäftsfelder liegen im Internet, wenn Du dort meistens mit Privatpersonen zusammen arbeitest,
dann behaupte ich ist es 9 von 10 total egal, der Preis entscheidet.
Arbeitest Du überwiegend mit Firmen zusammen oder möchtest Du den bereich ausbauen ist eine GmbH
nötig, wenn Du das nicht Finanzieren kannst oder möchtest auch der Weg über eine UG.

Bitte bedenke das Du als UG immer 25% des Gewinns zur Stammkapital Bildung zurück legen musst.
Dazu kommen die Steuern da es kein Freibetrag mehr gibt.
Die Gründungskosten.
Die Bilanzierung, kläre vorher mit einem Steuerberater ab was er für die (jetzt Vorhandene) Arbeit bei einer UG nehmen würde.
Denke daran das Du keine Privaten Geldeinlagen oder entnahmen mehr hast!

Lieben Gruß,
Patrick von Hagen
BASE3.de

riese
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Re: Kleinunternehmen vs UG

Beitrag von riese » 08.01.2014, 20:01

Hallo Sukama,

"Kleinunternehmer" ist ein Begriff aus dem Umsatzsteuerrecht und nicht von der Rechtsform abhängig. Auch eine UG kann Kleinunternehmer sein.
StartUP-Helfer hat geschrieben:Bitte bedenke das Du als UG immer 25% des Gewinns zur Stammkapital Bildung zurück legen musst.
Dazu kommen die Steuern da es kein Freibetrag mehr gibt.
Die Kunst liegt darin, das Geschäftsführergehalt so festzusetzen, dass nach dessen Abzug als Betriebsausgabe möglichst wenig an Gewinn oder sogar in manchen Jahren ein kleiner Verlust herauskommt. Was übrigbleibt, sollte man zu 100% thesaurieren, denn für eine Gewinnentnahme bestraft einen der Fiskus doppelt. wer heiß drauf ist, den gesamten Gewinn zu entnehmen, sollte sich lieber für die UG & Co KG entscheiden. Die ist aber wieder nicht lukrativ, wenn das GF-Gehalt über 24000,00 € jährlich liegt, weil hier die GF-Gehälter in gewerbliche Einkünfte umqualifiziert werden und den steuerlichen Gewinn um das GF-Gehalt erhöhen. Damit wäre der Gewerbesteuer-Freibetrag von 24.000,00 € ausgeschöpft, während die "reine" UG nach Abzug des GF-Gehaltes noch einen von 5.000,00 € hat.
StartUP-Helfer hat geschrieben:Die Gründungskosten.
Die halten sich mit Musterprotokoll in Grenzen. Richtig teuer wird aber die Umwandlung in eine Voll-GmbH. Ebenso eine mögliche Liquidierung.
StartUP-Helfer hat geschrieben:Denke daran das Du keine Privaten Geldeinlagen oder entnahmen mehr hast!
Bei der UG wird die Kapitalrücklage eine größere Bedeutung haben als das Stammkapital. Insbesondere dann, wenn ein Einzelbetrieb umgewandelt werden soll. Ein Rechtsformwechsel scheidet aus, da eine unzulässige Sachgründung vorliegen würde. Eine UG kann nur mit Bargeld gegründet werden. Eine Verschmelzung nach Sachgründung ist ebenfalls nicht möglich - es sei denn, das EK des Einzelbetriebes würde höher sein als der Differenzbetrag zwischen 25.000,00 € und dem UG-Stammkapital. Außerdem würde das die Notarkosten enorm in die Höhe treiben. Als Schlupfloch bleibt nun nur noch die Vermögensübertragung (§1 Abs. 1 Nr. 3 UmwG) in Verbindung mit §272 HGB. Das Sacheinlageverbot des §5a Abs. 2 GmbHG bezieht sich nämlich nur auf das Stammkapital (§272 Abs. 1), nicht aber auf die Kapitalrücklage (§272 Abs. 2 Nr. 4).

Ohne den Vorgang überhaupt einem Notar kostenpflichtig unter die Nase halten zu müssen, kannst Du den Einzelbetrieb in die mit geringem Bargeld gegründete UG einbringen, indem Du eine aktuelle Bilanz (es gibt keine Handels-EÜR!), erstellst und eine Erklärung dran heftest "Hiermit bringe ich das Einzelunterenhmen ... mit der anliegenden Bilanz zum ... in die ... UG ein.". Die Gesellschafterversammlung (bei einer 1-Mann-Gesellschaft Du alleine) beschließt die Annahme und die Fortführung der Buchwerte (wichtig fürs Finanzamt). Und dann buchst Du alle Posten dieser Bilanz gegen Konto 9090 in die Bilanz der UG ein - und das Eigenkapital aus dem Einzelbetrieb wird bei der Kapitalrücklage gegengebucht.

Und bei dieser Kapitalrücklage können auch Privatentnahmen und -einlagen gebucht werden. Allerdings ist das sehr umständlich, weil bei jedem Einzelfall das sog. "steuerliche Einlagekonto" fortgeschrieben werden muss. Aber wegen des geringen Stammkapitals kommen die wenigsten umhin, Nachschüsse aus dem Privatvermögen zu leisten. Und da ist die Kapitalrücklage genau die richtige Stelle und nicht ein fingierter Darlehensvertrag, den man hinterher nicht erfüllen oder das Geld zurückzahlen kann.

Aus diesen Gründen und in Verbindung mit der Thesaurierungspflicht gibt bei einer UG nicht das Stammkapital, sondern die Kapitalrücklage Aufschluss über die Bonität der Firma. (Nur viele Banken wissen das nicht).

Gruß
Rainer

karin27
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Re: Kleinunternehmen vs UG

Beitrag von karin27 » 10.01.2014, 03:09

Wegen 15 Umsatz im jahr würde ich sicher keine UG aufmachen

XenousArts
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Re: Kleinunternehmen vs UG

Beitrag von XenousArts » 18.08.2017, 13:08

Meine Freundin geht einer regulären Angestelltentätigkeit nach und hat darüber hinaus ein gewerbliches Einkommen von 1000€.
Nun hat die Krankenkasse ihre Hand aufgehalten und berechnet eine Krankenkassengebühr von 15,6% auf die 1000€.
Ich habe kein Schlupfloch gefunden, um dies zu umgehen. Wir legen dieses Geld sowieso zurück. Könnte die Gründung einer UG so ein Schlupfloch sein?

Danke schonmal für Euere Antworten.

riese
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Re: Kleinunternehmen vs UG

Beitrag von riese » 22.08.2017, 15:40

Hallo XenousArts,

normalerweise bist Du als Selbständige nicht krankenversicherungspflichtig. Durch die Angestelltentätigkeit würde Pflichtversicherung bestehen und auch nur diese für den Beitrag herangezogen. Aber: Kriegt die KK zufällig mit, dass neben der Angestelltentätigkeit noch eine gewerbliche besteht, macht sie einem das Leben zur Hölle und will von dem Kuchen was mit haben. Gerne wird dann behauptet, der Job mit dem höheren Einkommen zähle. Nur durchsetzbar ist es so leicht nicht, weil die KK Dich dafür zivilrechtlich verklagen müsste.

Bei der UG gibt es 2 Möglichkeiten:

1. Du hältst mehr als 50% der Anteile. Dann wirst Du wie eine selbständige behandelt. Also keine Veränderung.

2. Ein "Scheingesellschafter" (kann ein Familienangehöriger sein) hält mindestens 50% der Anteile. Dann bist Du Angestellte der UG und es besteht grundsätzlich Versicherungspflicht. Allerdings müsste dann einer der beiden Jobs nach Klasse 6 versteuert werden. Wenn die UG klein ist, kann auch der Geschäftsführer ein MInijobber sein. Dann würde nur die Knappschaft (von der UG) den AG-Beitrag und die pauschale Lohnsteuer kriegen.

Anderer Trick: Du meldest Dein Gewerbe ab und 24 Stunden später wieder an. Der Krankenkasse schickst Du nur die Abmeldung. :twisted:

Gruß
Rainer

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