Rechtsform für Web Design/Fotografie als digitaler Nomade?

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Tim-S.
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Rechtsform für Web Design/Fotografie als digitaler Nomade?

Beitrag von Tim-S. » 27.08.2016, 13:12

Hallo zusammen,

ich bin seit über 10 Jahren selbstständig als Web Designer und mittlerweile auch im Bereich der (Stock-)Fotografie tätig und habe damals ohne viel Recherche ein „normales“ Einzelunternehmen angemeldet und auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, d.h. seit Beginn die Umsatzsteuer ausgewiesen. Freiberufler war damals keine wirkliche Option, da ich sehr viele Leistungen weiterverkauft habe (vor allem Druckereierzeugnisse) und von meinen üblichen Tätigkeiten nicht so wirklich in den Leistungskatalog passen wollten. Zudem ziehe ich sehr oft um und jedes Finanzamt schaut ja wieder ein wenig anders auf die Freiberufler-Regelung und ich wollte einen möglichst unkomplizierten Weg gehen.

Heute besteht mein Kundenstamm aber nur noch aus einigen wenigen Kunden, die alle in Deutschland sitzen und eine GmbH führen. Im Bereich Fotografie verkaufe ich Foto-Lizenzen und digitale Produkte über einen eigenen Shop und auf Portalen wie Fotolia und iStockphoto – hier handelt es sich meistens um Unternehmen/Kunden aus den USA bzw. Nicht-EU-Staaten. Das macht aber (derzeit) nur ca. 15-20% des Gesamtumsatzes von ca. 120.000 EUR aus, bei einem Gewinn vor Steuern von ca. 85.000 EUR. Mein Hauptgeschäft ist im Bereich Web Design angesiedelt und da vor allem im Bereich Konzeption, Design und Content-Erstellung.

Ich lebe mittlerweile die Vorteile der Standort-Unabhängigkeit komplett aus und bin in der Regel über 8 Monate im Jahr überhaupt nicht in Deutschland, sondern im Ausland – lebe in einem Wohnwagen (Privatfahrzeug) oder monatlich an anderen Orten und miete mir Wohnungen/Apartments über Airbnb & Co und gehe dort der Fotografie nach bzw. arbeite für meine Web Design Kunden. Dabei achte ich aber darauf, nie länger als 6 Monate an einem Ort im Ausland zu sein. Mein Gewerbe läuft noch auf meinen ehemaligen Wohnsitz, wo ich auch meine Meldeanschrift und ein Zimmer habe. Dort ist aber der Gewerbesteuerhebesatz mit knapp 450% relativ hoch und die Gewerbesteuer macht im Jahr derzeit ca. 12.000 EUR aus.

Da ich nun kaum vor Ort bin und sich das weiterhin auch nicht ändern wird, stelle ich diese Situation immer mehr in Frage bzw. überlege, was ich hinsichtlich möglicher Steuerersparnisse unternehmen kann. Ein Kollege hat mir zu einer GmbH-Gründung empfohlen, primär aufgrund einer strategisch sinnvollen Standortwahl (Gewerbesteuerersparnis) und auch aufgrund der flexibleren finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten, da ich den jährlichen Überschuss von ca. 20-25.000 EUR im Unternehmen lassen könnte (was ich derzeit natürlich komplett versteuern muss und privat anlege). Mir fällt immer wieder die Limited „ins Auge“ – aber habe das Gefühl, dass es hier doch massive Nachteile gibt, die sich mir derzeit noch nicht erschließen. Meine Kunden wiederum wären prinzipiell offen hinsichtlich Zahlung an eine Limited/Gesellschaft im Ausland und ich betreue auch keinerlei Kommunen mehr, wo das definitiv ein Problem darstellte. Besonders viele Versicherungen habe ich auch keine, die mein Gewerbe betreffen.

Ich wäre nun im ersten Schritt überaus dankbar, wenn ihr mir ein wenig bei den ersten Schritten weiterhelfen würdet, wie ich das ganze Thema noch einmal beleuchte und optimieren kann. Ich habe zwar einen guten Steuerberater, doch ist das Thema mit dem digitalen Nomadentum doch ein wenig speziell und daher habe ich mich für den ersten Überblick entschieden, hier ein Thema zu eröffnen, da es sicherlich auch andere User interessieren könnte bzw. deren Erfahrungen hier sehr spannend wären!

Danke vorab!

Grüße
Tim

riese
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Re: Rechtsform für Web Design/Fotografie als digitaler Nomad

Beitrag von riese » 29.08.2016, 07:38

Hallo Tim,

sofern in Deiner Bilanz ein höheres Eigenkapital steht als 25000,00 €, kannst Du den "Laden" problemlos in eine GmbH umwandeln. Eine UG und eine Bareinlage ist dann nicht erforderlich.

Am einzutragenden Firmensitz sollte sich ein mit dem Namen der GmbH beschrifteter Briefkasten und ein Telefon mit Umleitmöglichkeit (z.B. ein ISDN-Anschluss) befinden. Das "Nomadentum" bezeichnet man dann als Geschäftsreisen.

Gruß
Rainer

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