Sachgründung oder nicht?

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20hx-carla8
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Sachgründung oder nicht?

Beitrag von 20hx-carla8 » 22.04.2016, 08:59

Hallo liebe Forengemeinde :-)

Ich hoffe, Ihr könnt mir weiterhelfen.

Zwar habe ich hier und in anderen Foren bereits ähnliche Threads gefunden, aber irgendwie bin ich nach wie vor etwas ratlos.

Meine Cousine ist als Einzelunternehmerin tätig (Handel). Sie hat allerdings irgendwie die Lust an der Selbstständigkeit verloren und will das Geschäft einstellen.

Ich selber war bereits einmal selbstständig, hatte dann aber aus persönlichen Gründen damit aufgehört. Das Geschäft meiner Cousine interessiert mich und ich würde dieses gerne zum Anlass nehmen, in die Selbstständigkeit zurückzukehren.

Der Plan sieht vor, dass ich (wegen der beschränkten Haftung) eine UG (oder Limited) & Co.KG gründe und von ihr (Einzelunternehmen) die Ware abkaufe. Wegen ihrer Erfahrung würde ich meine Cousine gerne als Geschäftsführerin meiner Gesellschaft einstellen.

Meine konkrete Frage ist, ob der Kauf des Warenbestandes eine (bei der UG ja verbotene) Sachgründung oder verdeckte Sacheinlage darstellt, da er ja von der Geschäftsführerin an meine Gesellschaft verkauft wird.

Liebe Grüße

Carola

Jaquemot
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Re: Sachgründung oder nicht?

Beitrag von Jaquemot » 22.04.2016, 11:29

Da tauchen zunächst mal eine Frage auf: Warum soll es das relativ komplexe Konstrukt der KG sein? Das Handelsgeschäft kann auch von der UG haftungsbeschränkt betrieben werden.

Zu unterscheiden ist hier zwischen der Rolle als Kapitalinhaberin = Gesellschafterin und Mitarbeiterin = Geschäftsführerin. Die Rechtsperson UG mit der Gesellschafterin Carola kauft einen Warenbestand von einer dritten Person (in diesem Fall zufällig auch die künftige Geschäftsführerin). Hier kann keine verdeckte Sachgründung vorliegen, weil die Gesellschafterin in die Eigentumsübertragung gar nicht involviert ist. Dem steht m.E. auch nicht entgegen, dass die angestellte Geschäftsführerin (die ist einfach nur Mitarbeiterin und nicht beherrschende Gesellschafterin, unterstelle ich dabei) die Verkäuferin des Wrenbestandes ist.

Noch ergänzend: Warum ist überhaupt eine UG geplant und nicht gleich eine GmbH? Ist der Warenbestand so gering? Wenn hier eh 5-stellige Beträge im Raum stehen, könnte die GmbH mit hälftiger Einzahlung des Stammkapitals (12500 €) gegründet werden und dann den Warenbestand aus dem verfügbaren Eigenkapital heraus kaufen.

riese
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Re: Sachgründung oder nicht?

Beitrag von riese » 25.04.2016, 15:00

Noch besser wäre, die Cousine mit einem geringen Anteil an der UG zu beteiligen.

Als Mitgesellschafterin kann sie nämlich den Einzelbetrieb in die UG einbringen. Das wäre zwar eine Sacheinlage, aber eine verbotene nur dann, wenn das Eigenkapital des EU zu Stammkapital werden soll. Das soll es aber nicht, denn die Anmeldung zum Handelsregister ist ja bereits weg und ein Erhöhungsbeschluss ist auch nicht geplant, sondern lediglich die Übernahme des Geschäftsbetriebs durch die UG.

UG-Gründer lesen viel zu wenig den § 272 Abs. 2 HGB, dafür viel zu sehr den Begriff "Sacheinlageverbot" im §5a GmbHG. Sacheinlagen sind bei der UG nur verboten, um damit das Stammkapital aufzubringen. Alles, was der Gesellschafter über das Stammkapital hinaus ohne Beteiligung eines Notars in die Gesellschaft einbringt, stellt kein Stammkapital dar, sondern Kapitalrücklage.

Entweder kennen viele UG-Gründer den Begriff der Kapitalrücklage nicht oder glauben, das Sacheinlageverbot würde auch für sie gelten. Die Folgen sind gravierend: Da wird versucht, das Anlagevermögen von Einzelunternehmen durch die UG aufkaufen zu lassen (steuerschädlicher Asset Deal - womöglich noch durch Kreditaufnahme) oder Unterkapitalsierungen durch Gesellschafterdarlehen auszugleichen, die das Unternehmen dann überschulden.

Eine UG, die nicht auf wackeligen Beinen steht, zeichnet sich durch ein geringes Stammkapital (gezeichnetes Kapital) und eine hohe Kapitalrücklage aus.

Gruß
Rainer

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