Suche die passende Rechtsform

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visionist
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Suche die passende Rechtsform

Beitrag von visionist » 03.11.2011, 14:16

Hallo Community,

ich bräuchte eueren Rat.

Ich plane, mich mit meiner Partnerin demnächst selbstständig zu machen.
Wir beide kommen aus der Grafiker Schiene und möchten nach und nach unsere Agentur aufbauen.

Zurzeit arbeite ich fest angestellt in einer Agentur, das soll die nächste Zeit auch so bleiben.
Im Klartext soll die Gründung unserer Agentur nebenbei laufen. Das bedeutet kleine Aufträge, die ich in meiner Freizeit mit meiner Partnerin erledige und somit langsam meinen Kundenkreis erweitere.

Nun stehen wir vor der Frage, welche Rechtsform ist in unserem Fall die richtige?
Startkapital gibt es nicht, die Ausstattung zum Arbeiten ist zum größten Teil privat vorhanden.

Danke im Voraus

riese
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Re: Suche die passende Rechtsform

Beitrag von riese » 04.11.2011, 08:13

Hallo Visionist,

da 2 Personen vorhanden sind, scheidet der Einzelbetrieb schon mal aus. Die GmbH scheidet auch aus, weil das nötige Stammkapital von 25000,00 € fehlt.

Reine Personengesellschaften wie die GbR oder die oHG sind nicht mehr empfehlenswert, seit es die UG gibt, denn warum sollte einer noch für den anderen haften?

Bei der UG hingegen sind Sacheinlagen verboten - und die sind ja gerade vorhanden und wenig Knete. Deshalb bietet sich hier die UG & Co KG an. Dabei werden die beiden Partner Kommanditisten einer zu gründenden KG. Kommanditisteneinlagen können auch Sacheinlagen sein. Sie unterscheiden sich von den Gesellschaftern einer GbR oder oHG dadurch, dass sie nicht persönlich haften, sondern nur ihre Gesellschaftereinlage verlieren können. Die Kommanditgesellschaft braucht aber auch noch einen Gesellschafter, der persönlich haftet, den sog. Komplementär. Das muss aber keine natürliche Person sein. Und da greift man zu einem Trick. Vor der KG gründet man mit Musterprotokoll und einem geringen Stammkapital von etwa 300,00 € eine sog "Verwaltungs-UG". Einziger Zweck dieser UG ist es, als Komplementärin in die dann zu gründende KG einzutreten.

Gruß
Rainer

Mini-GmbH
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Re: Suche die passende Rechtsform

Beitrag von Mini-GmbH » 07.11.2011, 23:07

Hallo Visionist,

ich habe selbst eine GmbH & Co KG, die ja von der Struktur der UG & Co KG entspricht. Ich würde euch davon abraten, weil das für euren Fall einfach zu viel Komplexität ins Spiel bringt. Es gibt da so ein Tool zur Rechtsform Auswahl. Vielleicht hilft euch das weiter.

Ansonsten denke ich, dass in eurem Fall eine reine UG gut passen können. Oder Ihr startet jeweils unabhängig als Einzelunternehmer und schließt eine Medien Hafptplficht Versicherung ab. Beides ist relativ einfach, und Komplexität zu sparen lohnt sich total. Vor allem dann, wenn Ihr am Anfang in Nebentätigkeit selbstständig seid!

Freudige Grüße und viel Erfolg!!

Timon

riese
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Re: Suche die passende Rechtsform

Beitrag von riese » 08.11.2011, 08:20

Hallo Timon,
Ansonsten denke ich, dass in eurem Fall eine reine UG gut passen können. Oder Ihr startet jeweils unabhängig als Einzelunternehmer und schließt eine Medien Hafptplficht Versicherung ab.
Problem ist nur, dass sich ein bestehendes Einzelunternehmen faktisch nicht in eine UG einbringen lässt, weil das eine unzulässige Sacheinlage wäre. :( Bei einer normalen GmbH geht das. Außerdem könnte die UG dann keine 2 GF haben, wenn man mit dem billigen Musterprotokoll gründen will.
ich habe selbst eine GmbH & Co KG, die ja von der Struktur der UG & Co KG entspricht. Ich würde euch davon abraten, weil das für euren Fall einfach zu viel Komplexität ins Spiel bringt.
So kannst Du das nicht verallgemeinern. Es gibt 2 Modelle, eine solche Gesellschaft zu führen:

Modell 1 (wie von mir vorgeschlagen):Die UG "schläft". Sie wird selber nicht wirtschaftlich tätig und die KG verpflichtet sich, ihr sämtliche Aufwendungen (IHK etc.) zu erstatten. Fazit: Keine 10 Belege im Jahr, JAB ist ein simpler Ausdruck, Körperschaftssteuer = 1,00, Gewerbesteuer = 0,00, USt.= 0,00 (da Kleinunternehmer), Gewinn = Keine 10,00 € (da nur Verzinsung des Eigenkapitals).

Modell 2 (von Steuerberatern favorisiert):Die UG bezahlt den GF und den Bürokram, kalkuliert und berechnet der KG eine Geschäftsführungs-/Haftungsvergütung, die ihre Kosten zumindest deckt. Fazit: Umsatzsteuerpflicht (da die Vergütung im Gegensatz zu einer Kostenerstattung eine Leistung darstellt), Körperschaftssteuerpflicht, Gewerbesteuerpflicht, komplizierter JAB, Gefahr der verdeckten Gewinnausschüttung. Vorteil: Durch Beteiligung am Gewinn kann durch geschicktes Jonglieren Steuern gespart werden. Allerdings erfordert ein solches Modell die ständige Begleitung eines erfahrenen Steuerberaters und lohnt sich erst ab einem bestimmten Umsatz.

Das darfst Du nicht über einen Kamm scheren! Aber ich sehe gerade, dass noch niemand als Einzelunternehmer tätig ist, sondern lediglich private Gegenstände einbringen möchte. Da kann man natürlich zu einem Trick greifen: Man gründet nur die UG bar und statt die Gegenstände einzubringen, verkauft man sie über einen Strohmann (Bruder oder so) an die UG. Allerdings muss dafür das nötige Barkapital da sein.

Gruß
Rainer

Mini-GmbH
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Re: Suche die passende Rechtsform

Beitrag von Mini-GmbH » 08.11.2011, 15:22

Hallo,
riese hat geschrieben: Aber ich sehe gerade, dass noch niemand als Einzelunternehmer tätig ist, sondern lediglich private Gegenstände einbringen möchte. Da kann man natürlich zu einem Trick greifen: Man gründet nur die UG bar und statt die Gegenstände einzubringen, verkauft man sie über einen Strohmann (Bruder oder so) an die UG.
Verkaufen über Strohmann wäre schon ein Betrugstatbestand.

Überhaupt: Solche Konstrukte einfach zu halten ist total wertvoll! Daher mein Vorschlag:

Gründet die UG in bar und benutzt eure privaten Gegenstände einfach so. Die müssten ja nicht der UG gehören. Neue Anschaffungen könnt Ihr ja dann ggf. über die UG machen.

Beispiel: Ich habe in meinem Büro sowohl den Schreibtisch, den ich als GmbH & Co KG gekauft hab', als auch den Scanner, den ich vor 10 Jahren als Student gekauft habe. Warum sollte ich den alten Scanner der KG verkaufen? Wen interessiert's, ob er mir privat oder dem Unternehmen gehört? Da mache ich mir da Leben lieber leichter :-)

Timon

riese
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Re: Suche die passende Rechtsform

Beitrag von riese » 10.11.2011, 13:39

Hallo Timon,
Verkaufen über Strohmann wäre schon ein Betrugstatbestand.
das kann ich so nicht stehen lassen. Zunächst mal ist festzustellen, das Strohmanngeschäfte grundsätzlich rechtmäßig sind.

Der Betrugstatbestand ist aber an 2 Bedingungen geknüpft:

a) Es muss jemand durch arglistige Täuschung dazu bewegt worden sein, eine Willenserklärung abzugeben, die er ohne die Täuschung nicht oder nicht in der Form abgegeben hätte.

b) Durch die falsche Willenserklärung muss jemand geschädigt worden sein, wobei dies nicht der Getäuschte sein muss.

Übers Ohr gehauen fühlen könnte sich hier der Registerführer, der die Gesellschaft in Kenntnis der Dinge so nicht eingetragen hätte. Voraussetzung a) ist also gegeben.

Die UG ist hier aber nicht geschädigt, weil sie sich die Sachen ohnehin hätte von dem Geld kaufen müssen, das sie auf der Bank hat. Geschädigt wäre sie nur dann, wenn der gekaufte Gegenstand am Markt billiger zu haben gewesen wäre als bei dem Gesellschafter bzw. seinem Strohmann. Davon kann aber hier keine Rede sein, denn es steht nirgendwo, dass die Gesellschafter sich auf Kosten ihrer Gesellschaft bereichern wollten. Daher hat der Gesetzgeber mit dem MomiG auch die Rechtsvorschriften über die Folgen einer verdeckten Sacheinlage geändert - die Einlage bleibt wirksam, soweit die Sacheinlage nicht überbewertet war. Dies gilt auch für die UG - fliegt die (an sich verbotene) verdeckte Sacheinlage später auf, ist dies unschädlich, soweit nicht ein überhöhter Preis dafür bezahlt wurde. Das Sacheinlageverbot des §5a Abs. 2 GmbHG gilt nur für Sacheinlagen zur Aufbringung des Stammkapitals, nicht für verdeckte Sacheinlagen, die ja das Stammkapital nicht verändern, sondern zu einem Aktivtausch zwischen Geldbestand und Anlagevermögen führen.

Voraussetzung b) ist also nicht gegeben. Somit liegt auch kein Betrug vor.

Gruß
Rainer

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Re: Suche die passende Rechtsform

Beitrag von Mini-GmbH » 13.11.2011, 22:09

Hallo riese,

danke für Deine detaillierte Antwort!

Deine Argumentation hört sich so überzeugend an, dass ich denke, dass Du recht hast und man damit durchkommt. Gerade unerfahrenen Unternehmern würde ich so ohne weiteres nicht dazu raten solche Geschäfte zu machen. Wenn es dennoch jemand wirklich machen will, werde ich in Zukunft auf die beiden von Dir genannten Kriterien hinweisen, damit die Leute da kein unnötiges Risiko eingehen. Also: Danke!

Timon

visionist
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Re: Suche die passende Rechtsform

Beitrag von visionist » 18.11.2011, 09:14

Vielen Danke für die sehr ausführlichen Informationen, das hat mir weitergeholfen.

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