Welche Rechtsform?

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rabo
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Welche Rechtsform?

Beitrag von rabo » 18.03.2017, 12:57

Ein freundliches Hallo in die Runde,
ich bin Webdesigner (Einzelunternehmer) und habe eine zufriedenstellende Auftragslage. Ich möchte meinen Arbeitsbereich aber erweitern, dazu interessiert mich, welche Rechtsform in Frage kommt. Hier erst mal eine sehr knappe Beschreibung meines Plans:

Die geplante Tätigkeit:
Ich möchte gratis Webseiten für kulturelle, soziale oder ökologische Initiativen machen. Gratis bedeutet: Die "Kunden" also z. B. eine Schule oder ein Kulturverein sollen nichts bezahlen, aber trotzdem eine Webseite erhalten.

Die Finanzierung:
Im ersten Schritt plane ich mit ca. 30 Freunden/ Bekannten/ Kunden eine Spendenvereinbarung über 10 Euro monatlich zu erzielen. Es werden also 300 Euro monatlich eingehen, die ich für mich oder andere Mitarbeiter zur Bezahlung der anfallenden Arbeit nutzen kann. Mittelfristig sollen es deutlich mehr Geldgeber (Spender) werden.

Spenden, Absetzbarkeit:
Anders als mit Spenden kann ich mir nicht vorstellen, dass so ein Projekt finanziert wird. Hier bin ich natürlich auch für andere Ideen offen, wie man die Eingänge benennt, glaube aber, dass es nur mit Spenden funktionieren wird. Es werden mittelfristig wohl nur dann ausreichend Spenden gesammelt werden können, wenn man die Spende steuerlich absetzen kann.

Welche Rechtsform kommt für so eine Konstruktion in Frage? Ich nehme an, eine gemeinnützige Mini-GmbH, oder? Ein gemeinnütziger Verein wäre theoretisch auch möglich, ist aber nicht ideal. Andere gemeinnützige Rechtsformen gibt es ja - glaube ich - nicht und die Gemeinnützigkeit ist notwendig damit die Spendengelder absetzbar sind.

Kann mir jemand mit den oben beschriebenen Fragen helfen? Das wäre großartig!
Viele Grüße

binaryman
Beiträge: 5
Registriert: 21.03.2017, 11:31

Re: Welche Rechtsform?

Beitrag von binaryman » 11.04.2017, 11:20

Ebenfalls Hallo!

Spenden steuerlich absetzen ? Ist glaub ich falsch definiert. Absetzen kann man Ausgaben und nicht Einnahmen. Spenden sind erstmal Einnahmen und überhaupt erst dann echte Spenden wenn man Spenden annehmen darf. Sonst wird das FA von normalen Einkünften ausgehen, die auch noch zu versteuern sind. Absetzen kann sie der Spender wenn er vom Spendenempfänger eine Spendenquittung erhält und der Spendenempfänger auch eine Spendenquittung ausstellen darf.

Gemeinnützige GmbH hab ich mir auch schon überlegt. Ist gar keine schlechte Idee. Die Gemeinnützigkeit muss vom FA festgestellt werden und wird jährlich überprüft. Dann kann man auch Spenden annehmen, die prinzipiell nicht zu versteuern sind sofern ich das richtig verstanden habe. Interessant auch, dass die Gemeinnützigkeit auch dann gegeben ist wenn die GmbH echte Einnahmen hat und Gewinn macht. Der Witz der Gemeinnützigkeit besteht nämlich eigentlich darin nicht zwingend nur nach monetären Kriterien handeln zu müssen während eine normale GmbH immer nur nach Geldkriterien entscheiden dürfte.

Fragt sich aber warum überhaupt eine GmbH. Wegen der 300 € monatlich ? Da kostet die GmbH schon mehr und ist pleite bevor sie loslegt. Gemeinnützigkeit bedeutet nicht, dass man endlos Miese machen darf. Man kann sich auch nicht unbegrenzt aussuchen welche Ausgaben eine GmbH hat um Verluste zu verschleiern. Bei Der Mini-GmbH ist außerdem zu berücksichtigen, dass sie früher oder später eine vollständige GmbH werden muss. Also wenn es keine Frage der Haftung gibt wäre eine GmbH schon eine ziemlich teure Lösung. Zumal sie einen Geschäftsführer braucht, der dort angestellt ist (Lohnsteuer, Nebekosten, etc).

Eine andere Möglichkeit wären vielleicht indirekte Spenden. Also überbezahlte Einzelleistungen. Z.B. Verkauf von bedruckten T-Shirts etc., Vortrag halten und bezahlen lassen, Schulung machen und bezahlen lassen, Grillwürste spenden lassen und weiterverkaufen. Dann gibts reale Einnahmen, die immer zur Gegenrechnung realer Ausgaben berechtigen. Das wäre die einfachste Art gemeinnützig tätig zu sein.

riese
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Re: Welche Rechtsform?

Beitrag von riese » 11.04.2017, 14:33

Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist an 2 Faktoren geknüpft:

1. Der Betriebszweck muss im öffentlichen Interesse liegen. Ob das gegeben ist, entscheidet das zuständige Finanzamt auf Antrag.

2. Es dürfen keine Gewinne ausgeschüttet werden, sondern müssen in eine Rücklage zur Deckung späterer Verluste fließen.

3. Gesellschaftern darf kein wirtschaftlicher Vorteil entstehen - etwa durch üppige "Betriebsfeiern".

Gruß
Rainer

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