Welche Rechtsform bei Internetdiensten

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Azamaroth
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Welche Rechtsform bei Internetdiensten

Beitrag von Azamaroth » 17.05.2013, 07:46

Hallo zusammen,

ich möchte mich gerne selbstständig machen. Anbieten möchte ich Browsergames, in denen man für echtes Geld etwas kaufen kann. Außerdem möchte ich Business-Software as a Service anbieten. Also z.B. Projektmanagement für Unternehmer. Das ganze soll nebenberuflich laufen.

Hierzu hatte ich gedacht, eine UG zu gründen. Wegen der Gründungskosten und der ganzen Steuern bin ich jedoch eigentlich wieder davon ab. Jetzt denke ich mir, dass ich einfach ein Einzelunternehmen gründe, erstmal.

Aber meine Frage: Ich habe ja Endkunden, also Konsumenten, zumindest im Browsergame-Bereich. Wenn das Browsergame plötzlich einschlägt wie eine Bombe und ich 40.000 EUR Umsatz in den ersten 3 Monaten mache (wie auch immer). Was passiert dann? Muss ich dann Strafe bezahlen oder muss ich dann die Geschäftsform nachträglich wählen?

Wird ein Einzelunternehmen in dem Bereich überhaupt akzeptiert oder werde ich dann schon Probleme bei der Gründung bekommen?

Wie sieht es mit der Haftung aus? nehmen wir mal an ich werde aufgrund urheberrechtlichen Gründen verklagt als Einzelunternehmen, hafte ich ja vollständig. Wenn ich nun als UG verklagt werde, und ich habe nur 600 EUR als Stammkapital, hafte ich dann nur damit? Warum sollte ich dann das Stammkapital erhöhen? Aber das ist jetzt erstmal nachrangig wichtig ;)

Viele Grüße,
Kai

riese
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Re: Welche Rechtsform bei Internetdiensten

Beitrag von riese » 21.05.2013, 09:35

Hallo Kai,
Wird ein Einzelunternehmen in dem Bereich überhaupt akzeptiert oder werde ich dann schon Probleme bei der Gründung bekommen?
Schlecker war e.K. :wink: Eine Obergrenze für eine bestimmte Rechtsform gibt es ncht.
nehmen wir mal an ich werde aufgrund urheberrechtlichen Gründen verklagt als Einzelunternehmen, hafte ich ja vollständig. Wenn ich nun als UG verklagt werde, und ich habe nur 600 EUR als Stammkapital, hafte ich dann nur damit?
Zivilrechtlich kannst Du dem Kläger die Zunge rausstrecken und ihn wissen lassen, dass Du Insolvenz anmelden würdest, wenn seine Klage Erfolg hätte. Dann hätte er nämlich die Gerichtskosten auch noch am Hals. Weggepfändet werden kann nur das Aktivvermögen, das dem Stammkapital von 600,00 € zzgl. Rücklagen entspricht. Würdest Du hier das Stammkapital reiwillig erhöhen, würdest Du dem Kläger das Geld in den Rachen werfen.

Verletzung von Urheberrecht kann aber auch strafbar sein. Statt zivilrechtlich zu klagen, könnte der Betroffene auch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten. Verurteilt würdest Du als Täter (Privatperson). Aus dieser Verurteilung heraus würde sich dann auch eine zivilrechtliche Haftung nach § 823 BGB ergeben. Die ist unbeschränkt und betrifft nicht die Firma, sondern den Täter.

Gruß
Rainer

Azamaroth
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Re: Welche Rechtsform bei Internetdiensten

Beitrag von Azamaroth » 23.05.2013, 19:45

Ah ok, vielen Dank für die Information.

Um mich besser zu schützen, wäre ich mit einer UG also besser dran. Nachteil wären allerdings die "laufenden" Kosten für Steuer: Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer ...

riese
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Re: Welche Rechtsform bei Internetdiensten

Beitrag von riese » 27.05.2013, 06:52

Nachteil wären allerdings die "laufenden" Kosten für Steuer: Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer ...
Körperschaftssteuer ist sogar niedriger als Einkommensteuer. Mal zum Vergleich:

Einzelunternehmen:
Einnahmen: 50.000,00 €
./.Ausgaben: 30.000,00 €
Gewinn: 20.000,00 €

Die 20.000,00 € sind der Einkommensteuer zu unterwerfen. Es gilt der persönliche Steuersatz, der bei 22% beginnt und bei 45% endet. Gehen wir mal von 25% aus. (25% = 5000,00 €)

Kapitalgesellschaft:
Einnahmen: 50.000,00 €
./. Ausgaben w.o.: 30.000,00 €
./. Geschäftsführergehalt: 15.000,00 €
Gewinn der Gesellschaft: 5.000,00 €

Der Gewinn der Gesellschaft ist der Körperschaftssteuer zu unterwerfen (15% = 750,00 €). Dazu kommen ein paar Kröten Gewerbesteuer.

Dein Geschäftsführergehalt unterliegt dem Lohnsteuerabzug. Es wird also der Arbeitnehmerfreibetrag von 1000,00 € abgezogen - zu versteuern sind 14.000,00 €. Bei 25% Steuersatz macht das 3500,00 €.

Wo zahlst Du also mehr Steuern? Hinzu kommt noch, dass Du nur die 3500,00 € bezahlen musst. Die 750,00 € KSt. + ca. 200,00 € GSt. zahlt ja die Gesellschaft. Der handelsrechtliche Gewinn, der thesauriert würde, beträgt dann nicht 5000,00 €, sondern 4050,00 €.

Die ganze Berechnung setzt aber voraus, dass Du Dich persönlich mit den 15.000,00 € Geschäftsführergehalt zufrieden gibst und Dich davor hütest, zusätzlich nicht den Gewinn zu entnehmen. Bei der UG darfst Du ohnehin nur 75% entnehmen, 25% müssen kraft Gesetzes in die Rücklage. Wenn Du hiervon Gebrauch machen wolltest, hättest Du 3075,50 € Gewinnentnahme nach dem Halbeinkünfteverfahren zu versteuern, also 3075,50 € : 2 = 1518,75 €. Davon 25% ESt. aus Kapitalvermögen = 379,69 €. Dann hätte das Finanzamt insgesamt 4829,69 € von Dir gekriegt. Das kann aber ins Gegenteil umschlagen, wenn das GF-Gehalt niedriger und der Gewinn höher wäre.

Also bei einer Kapitalgesellschaft nie hohe Gewinnentnahmen planen (möglichst gar keine), sondern lieber ein hohes Geschäftsführergehalt, das den Gewinn drückt - oder die Gewinne im Betrieb lassen.

Falsch ist aber die Feststellung, dass eine Kapitalgesellschaft zu einer höheren Steuerbelastung führt als ein Einzelbetrieb. Kosten verschlingt die Kapitalgesellschaft weniger bei der Gründung als bei der Auflösung. Eine solche sollte der Grundstein für ein Lebenswerk sein und mal von einem Nachfolger fortgeführt werden, wenn Du die Augen zumachst oder Dich zur Ruhe setzt. Ein Einzelbetrieb kann dagegen durch (meist kostenlose) Gewerbeabmeldung beendet werden, wenn man mal eines Tages keine Lust mehr an der selbständigen Tätigkeit hat und sich beruflich umorientieren möchte.

Gruß
Rainer

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