Welche Rechtsform sollte ich wählen?

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fitizzl
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Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von fitizzl » 25.10.2008, 19:15

Hallo zusammen,

ich stehe kurz davor bei meiner Hausbank einen Antrag für einen Kredit der KFW zu stellen, da ich ich mich in neben der Arbeit selbstständig machen möchte. Die quälende Frage ist noch, welche Rechtsform die Richtige für mich ist. Da ich nicht über das nötige EK für die GmbH besitze, benötige ich ein Tip von euch. Geplant ist am Anfang ein reiner Handel mit einer Kosmetik. Die Kosmetik wird nach meinen Ansprüchen produziert durch einen label-hersteller produziert und ausgeliefert! ich kaufe lediglich die fertige Ware und vertreibe dann! Welche Rechtsform? Reicht eine Einzelunternehmung?

Viele Grüße
Phillip

mgb-consulting

Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von mgb-consulting » 26.10.2008, 12:01

Hallo ...

beim Handel mit Kosmetika, würde ich aus dem Bauch heraus zu einer GmbH tendieren, um mich vor eventuellen Streitigkeiten privat abzusichern.

Nur mal angenommen, irgend jemand verätzt sich mit der Kosmetika die Haut, weil der Abfüller die Geräte nach der Reinigung nicht ordentlich ausgespült hat... ist ja alles schonmal vorgekommen... dann stehen Ihnen Schadensersatzklagen ins Haus die nicht nur das Geschäft, sondern auch Sie privat ruinieren.

MfG
MGB-Consulting

fitizzl
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von fitizzl » 26.10.2008, 15:58

Funktioniert das auch mit der neuen "mini-gmbH"? Ich hatte vorher ja erwähnt, dass mir ein EK von über 25.000 € fehlt!

Viele Grüße
Phillip

Germantax
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von Germantax » 28.10.2008, 13:52

Hallo,

ich hatte von ein paar Wochen mit einem Vertreter der KfW gesprochen. Der ließ keine Zweifel daran, dass die Förderung z.B. des KfW StartGeld auch über die UG beantragt werden kann.

Und natürlich muß das eine Gesellschaft sein, bei der die Haftung beschränkt ist.
Bitte einmal überlegen: Es bestellt ein Amerikaner die Kosmetik und dadurch bricht bei ihm seine Allergie aus. Frage: Welcher Gerichtsstand ist zuständig und um welche Schadenersatzhöhe wird gestritten? Oder Sie fragen mal bei Uschi Glas nach ....
Gerade bei Kosmetik ist die Produkthaftpflichtvers. sehr teuer, so daß man sich lieber die Kosten der GmbH/UG aufbürdet als die Vers.Prämie.

Gruß

MaCoDi
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von MaCoDi » 28.10.2008, 22:43

Hallo Zusammen!

Also grundsätzlich solltest Du schon dein Unternehmen in eine eigene juristische Person überführen, aus den oben genannten Gründen.
Nur in einem muss ich widersprechen: Eine umfassende Produkthaftpflicht für Kosmetikprodukte kostet gerade einmal um die 140€ pro Jahr! Die solltest Du in dem Fall unbedingt - unabhängig von deiner Rechtsform - abschließen, denn das ist nun wirklich nicht teuer...

Beste Grüße

fitizzl
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von fitizzl » 29.10.2008, 19:45

Das ist ja dann wirklich überschaubar! Vielen Dank erstmal für die Informationen. Die UG könnte ich also ohne Probleme in den Businessplan einsetzen!? Wenn diese Rechtsform von der KfW als OK empfunden wird, dann bin ich schon mal positver Dinge!

MaCoDi
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von MaCoDi » 30.10.2008, 11:15

Mit der UG dürftest du kein Problem bei der KfW bekommen, nur solltest du dir das trotzdem nochmal überdenken bei dieser Rechtsform: Hast du schonmal den Namenszusatz der UG angesehen, welchen du auf all deinen Geschäftsunterlagen führen musst?! Dieser ist nach meiner Meinung für Geschäftskontakte und Banken höchst bedenklich - weil unseriös! Wie gesagt, meine Meinung. Aber das ist wieder typisch deutsche Bürokratie - Sehr gute Ansätze und Vorstellungen - Umsetzung absolut daneben! Daher empfehlich ich wenn nicht eine "echte GmbH", zumindest eine Limited.

Beste Grüße

kwmaster
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von kwmaster » 30.10.2008, 14:59

Also mall ganz ehrlich.

Der Zusatz "(haftungsbeschränkt)" ist wirklich das störende an dieser Gesellschaftsform, aber vom INHALT her (zumindest grob) ist doch kein Unterschied zur LTD - wobei LIMITED ja auch HAFTUNGSBESCHRÄNKT bedeutet, nur denkt hierüber kein Mensch mehr nach...

Wenn man es abkürzen könnte bspw. "e.H." (eingeschränkte Haftung) oder "hb." würde es mir auch besser gefallen, weil

SUPERCOOLERFIRMENNAME UG (haftungsbeschränkt)

sieht dann ja wieder doof aus :wink:

Kann man das (haftungsbeschränkt) wenigstens UNTER den Namen schreiben oder muß es dahinter?

Gruß

Kai

MaCoDi
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von MaCoDi » 30.10.2008, 15:26

Auf Geschäftsbriefen muss der Zusatz hinter dem Firmennamen geführt werden. Wenn du das ganze zusätzlich in deinem Logo mit einbindest, kann er auch drunter stehen - wobei das rechtlich gesehen nicht korrekt ist und im besten Fall nur geduldet wird (also nicht zu empfehlen!)!

riese
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von riese » 30.05.2016, 12:13

Nach nunmehr 8 Jahren sollte der Gesetzgeber hier mal nachbessern, da inzwischen "jeder bartlose Bahnhofspenner" weiß, was eine UG ist und diese blöde Vorschrift nicht mehr mit Gläubigerschutz begründet werden kann.

Ein Firmenname sagt auch überhaupt nichts über die Liquidität eines Unternehmens aus. Da hätte der Gesetzgeber besser auf die Neuregelung verzichten sollen, Bilanzen beim Bundesanzeiger nur hinterlegen statt offenlegen zu müssen. Das ist nämlich die Stelle, wo ein Gläubiger die Bonität prüfen kann und nicht im Firmennamen. Eine UG kann 1,00 € Firmenkapital haben und 24.998,99 € Kapitalrücklage (aufgrund von Nachschüssen und Einbringung eines Einzelbetriebes).

Der Gesetzgeber - insbesondere die FDP - hat die UG auch nur widerwillig und auf Druck der EU und der überhand nehmenden LTd.-Gründungen eingeführt. Hätte sich dessen Befürchtung bewahrheitet, hätte es Insolvenzen von UGs hageln müssen (wie seinerzeit von LTd.), was aber nicht eintrat.

Gruß
Rainer

Daavidee
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von Daavidee » 30.05.2016, 12:24

Bei wenig Eigenkapital würde ich eine UG wählen. Das ist das sicherste. Wie schon gesagt wurde sind bei Kosmetika ja theoretisch Personenschäden möglich. Da sollte eine Privathaftung ausgeschlossen werden.

riese
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Re: Welche Rechtsform sollte ich wählen?

Beitrag von riese » 31.05.2016, 11:20

Nicht nur die Haftung allein ist ein Gesichtspunkt, sondern auch die Besteuerung und die soziale Absicherung.

Ein Geschäftsführer ist steuerrechtlich Arbeitnehmer bei "seiner" GmbH oder UG. Er bekommt ein Gehalt, das dem Lohnsteuerabzug unterworfen wird. Bei einem Firmen-PKW wird nicht nach einer 10- oder 50-prozentigen geschäftlichen Nutzung gefragt. Es kann immer die 15-Regelung angewendet werden. Auch gibt es keinen Eigenverbrauch für Telefon/Internet und Entnahme von Waren. Da das Gehalt Betriebsausgabe ist, fällt der Gewinn wesentlich niedriger aus und ist lediglich mit 15% zu versteuern. Die Gewerbesteuer richtet sich auch nach dem niedrigeren Gewinn. Die Unternehmenssteuern zahlt der Betrieb vom Firmenkonto.

Einzelunternehmer und Gesellschafter einer Personengesellschaft werden als Unternehmer mit ihrem vollen Gewinn zur Einkommensteuer herangezogen. In der Regel müssen sie Einkommensteuervorauszahlungen leisten (vom Privatkonto). Einen PKW können sie bei über 90%iger Privatnutzung überhaupt nicht und bei 50-90%iger Privatnutzung nur anteilig als Geschäftswagen verbuchen. Wer in seinem Unternehmen Dinge für den täglichen Lebensbedarf verwaltet (z.B. Lebensmittel) kriegt eine saftige Eigenbedarfspauschale auf seinen Gewinn geschlagen, den er versteuern darf. Der Gewerbesteuer-Freibetrag ist kein ausreichender Ausgleich dafür.

Ein Unternehmer hat kein Recht auf Arbeitslosen- und Rentenversicherung und muss sich privat kranken- und pflegeversichern. Gleiches gilt für einen Geschäftsführer, der die GmbH "beherrscht". Wer SV-pflichtig sein möchte, beteiligt irgendwelche Verwandte als Gesellschafter, so dass seine Geschäftsanteile unter 50% liegen. Bei Unternehmern geht das nicht.

Also hier ein klares Plus für die Kapitalgesellschaft - unabhängig von der Haftungsbeschränkung, denn die kann lückenhaft sein und ist schon dahin, wenn der Insolvenzverwalter einem einen Fehler (unerlaubte Handlung) nachweisen kann.

Gruß
Rainer

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