Kurz vor Insolvenz-Hartz IV-trotzdem neues Gewerbe anmelden?

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John-Steed
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Kurz vor Insolvenz-Hartz IV-trotzdem neues Gewerbe anmelden?

Beitrag von John-Steed » 13.06.2008, 20:04

Hallo Leute,
ich bin wie so manch anderer hier durch die Not auf solch ein Forum gekommen.
Bei mir sieht die Sachlage so aus, daß ich eigentlich aus dem öffentlichen Dienst gekommen bin und später dann im elterlichen Betrieb aus Altersgründen der Eltern einsteigen sollte.
Branche: Automaten-Branche
Vor ca. 15 Jahren lief der Betrieb noch prächtig. Keine Frage für mich einzusteigen. Vor 10 Jahre lief alles wirklich bestens, jedoch wurde durch neue Gesetze der Regierung diese Branche harte Bandagen angesetzt.
Durch die hohe steuerliche Abgaben wurde es immer schwerer die hohen Fixkosten zu erwirtschaften. Nach dem Tod meiner Eltern habe ich den Betrieb zwar übernommen, mußte aber die Geschwister auszahlen, wo eine noch weitere hohe Belastung auf mich zu kam.
Stand der Dinge ist nun, daß die Einnahmen nicht mehr die Ausgaben decken, geschweige von Gewinn zu sprechen. Die Schulden, die ich durch die ganze Erbengemeinschaftauseinandersetzung übernommen hatte, belaufen sich jetzt zusammen auf ca 90.000.-
Mein Haus hat einen geschätzten Wert eines Gutachters von ca. 370.000.-
Hypothek bei 150.000.-

Mir verbleiben jetzt noch ca. 2-4Monate um meinen Zahlungsverpflichtungen nach kommen zu können. Dann kann ich den Zahlungsverpflichtungen nicht mehr ganz nach kommen.
Mahnungen werden reinrauschen.

Da ich klar feststelle, daß durch Modernisierung oder Investition im Betrieb keine Umsatzerhöhung stattfinden kann, möchte ich diesen Betrieb aufgeben und derzeit schon Teilverkaufen, jedoch keine Interessenten.


Wie sieht es jetzt aus, wenn ich Insolvenz mit Restschulderlassung beantrage, aber dennoch ein anderes Gewerbe anmelden möchte?
Ist das überhaupt möglich?
Ich habe mittlerweile einige Weiterbildungsseminare mitgemacht und weiß auch schon was ich machen möchte.
Kann man ein Gewerbe angemeldet haben, trotz Hartz IV?
Denn dazu wird es ja bei mir kommen.
Ebenso habe ich hier noch Betriebsmittel, wie PC, Laptop ,Monitore und weitere Einrichtungsgegenstände, die ich für mein neues Gewerbe weiter nutzen muß. Wie verhält sich sich dann mit diesen Gegenständen hinsichtlich Insolvenzmasse?
Müßte ich diese vorher auslösen? Wie?

Ich wäre über Antworten wirklich sehr dankbar!!

Gruß
John Steed

mgb-consulting

Beitrag von mgb-consulting » 14.06.2008, 17:34

Hallo ...

aus diesem Posting ergeben sich viele Fragen, die man nur mit erweitertem Hintergrundwissen zum Gewerbe beantworten kann, was dann aber an eine unerlaubte Rechtsberatung grenzen würde.

Hier müßte mal erläutert werden, welche Rechtsform das Gewerbe hat, ob es sich um eine Kapitalgesellschaft handelt, für die gebürgt wurde oder ob es ein Einzelunternehmen ist, mit dem Sie dann persönlich mit untergehen werden.

Hinsichtlich der Erbenauseinandersetzung würde mich interessieren, ob hiervon Vermögen in Mitleidenschaft gezogen wurde, das dem Unternehmen zur Besicherung zur Verfügung stand, denn dies wäre dann unter Umständen auf seine Anfechtung (10 Jahre Nachfrist) nach § 133 (1) InsO zu prüfen, wenn zu diesem Zeitpunkt bereits feststand, dass das Unternehmen nicht mehr zu retten war, was anhand des hier fehlenden zeitlichen Ablaufs nicht zu beurteilen ist.

Alle diese Informationen fehlen!

Grundsätzlich kann man sich auch in der Wohlverhaltensphase wieder selbständig machen, viele Insolvenzverwalter sind in dieser Beziehung sehr hilfreich, es kann aber gerade dann ein harter Weg sein, wenn man mit der Abwicklung des alten Unternehmens zu sehr eingespannt ist.

Man würde dann ein Gewerbe anmelden und hierfür das Einstiegsgeld beantragen. Was das Hartz-IV angeht, so wird dann nach § 30 SGB-II abgerechnet, d.h. von dem über 100€ bis 800€ liegendenen Einkommen darf man 20% behalten, bei dem über 800€ bis 1.200€ (1.500€ mit Kindern) liegenden Einkommen 10%.

Was den Insolvenzverwalter angeht, so erhält dieser eine monatliche EÜ-Rechnung, die man um Kranken-, Renten-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung sowie abzuführende Steuern kürzt, der verbleibende Rest wird der Pfändungstabelle gegenübergestellt und der über der Pfändungsfreigrenze liegende Betrag an den Insolvenzverwalter abgeführt.

In Ihrem speziellen Fall sollten Sie in jedem Falle einen auf Insolvenzen spezialisierten Anwalt aufsuchen und die Sache mit den Erben klären lassen, nicht dass hier ein böses Erwachen für alle Beteiligten erfolgt!!!

MfG
MGB-Consulting

John-Steed
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Beitrag von John-Steed » 15.06.2008, 14:32

Hallo MGB,

herzlichen Dank für die Rückantwort.

Die Rechtsform ist Einzelunternehmen.
Ich stehe also selbst für alles ein.

Die Miterben sind nach Einigung aller und Unterzeichnung eines Erbenvertrages heraus. Bedeutet daß jeder der Miterben zufrieden gestellt worden ist. Der Erbenvertrag wurde von allen Anwälten als fair allen gegenüber angenommen.

Zum Zeitpunkt der Übernahme war der Betrieb zwar sanierungsbedürftig, jedoch nach buchhalterischen Unterlagen und Bewertung des Steuerberaters hätte der Betrieb nach damaliger Situation über längeren Zeitraum überlebensfähig bleiben können.
Der Niedergang hat branchenspezifisch mit Änderung einiger Gesetze der Regierung und der damit verbundenen Geldknappheit der Bürger zu tun.
Gerade weil man in dieser Branche sehr davon abhängig ist, wie locker das Geld der Bürger sitzt, um damit eigentlich nur einem Vergnügen nach zu gehen.

Da dieser Betrieb als Kleinunternehmen gilt, werde ich mit Sicherheit nach der Insolvenz nicht eingespannt sein. Denn die 2 Filialen werden geschlossen, wenn diese nicht vorher noch schnell veräußerbar sind.
Es wird ein Schnitt gemacht, wo ich natürlich danach auch weiterhin meine "Hausaufgaben" im Büro zu Ende bringen muß, der der I.-Verwalter möchte ja klar den Überblick über die Ist-Situation erhalten wollen.

Da ich seit 15 Jahren in einer eheähnlichen Beziehung lebe, haben wir uns es hier nun so vorgestellt, daß ich die Bürogegenstände, die buchhalterisch abgeschrieben sind, für den Gegenwert an meine Partnerin verkaufen werde. Im Vorwege meldet sie ein Gewerbe an und beantragt das Einstiegsgeld (wie hoch darf das sein?).
Wir überlegen, ob es dann vielleicht eine andere Rechtsform sein sollte
(Limited,.......)
So würden dann diese Bürogegenstände, die für das neue Gewerbe benötigt werden, aus der Insolvenzmasse herausgelöst und nicht mehr in meinem Besitz sein.
Ich persönlich würde dann bei meiner Partnerin als geringfügig Beschäftigter angestellt werden.

Nun kommt jedoch der Haken, denn auch meine Partnerin würde zugleich mit mir Hartz IV beantragen müssen. Sie hat bei mir zwar über Jahre als geringfügig Beschäftigte gearbeitet , jedoch war sie nie fest angestellt.
Und das neue Gewerbe wird auch nicht gleich Einnahmen erzielen.
Wie verhält es sich dann mit Hartz IV?
Wird sie in die Pflicht genommen, daß sie dann gleich wieder Ihre Wirtschaftsgüter verkaufen muß um davon dann erstmal zu leben?
Das kann doch eigentlich nicht sein, da sie doch mit dem Gewerbe auf lange Sicht weg vom Sozialamt möchte.

Wäre toll, wenn sich Leute hier auch äußern, die ähnliche Erfahrung gesammelt haben.

Gruß
John Steed

John-Steed
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Re: Kurz vor Insolvenz-Hartz IV-trotzdem neues Gewerbe anmelden?

Beitrag von John-Steed » 09.07.2008, 13:51

Hallo nach längerer Zeit,
hat hier niemand etwas dazu zu schreiben?

Netter Gruß
John Deere
Schleswig-Holstein

Schuldenfalle
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Registriert: 26.09.2008, 14:24

Re: Kurz vor Insolvenz-Hartz IV-trotzdem neues Gewerbe anmelden?

Beitrag von Schuldenfalle » 26.09.2008, 14:38

Hallo John,

habe letztens im internet, die seite www.wdr.de/tv/finanzcheck gefunden.
Der WDR arbeitet mit nem Schuldnerberater zusammen, der wohl ganz gut ist und kostenlos. Aber dafür musst du ins fernsehen.

hast du schon mal davon gehört???

Ich schau mal gerad, ob ich herausfinde wie die firma heißt, die das ding produziert. vielleicht können die helfen.

Alles Gute

P.Spielmann
Beiträge: 241
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Wohnort: Nürnberg

Re: Kurz vor Insolvenz-Hartz IV-trotzdem neues Gewerbe anmelden?

Beitrag von P.Spielmann » 26.09.2008, 15:25

Hallo John,

das Thema ist nicht einfach, ein Rat für meine Begriffe nur schwer zu geben.
Da es hier einiges auf dem Spiel steht sollten Sie sich vielleicht einen guten Berater suchen der sich um Ihre Angelegenheiten kümmert. Was sagt Ihr Steuerberater zu diesem Thema? Die Bank?
Auf die Antworten in einem anonymen Forum würde ich mich an Ihrer Stelle nicht verlassen. Gerade vor der Insolvenz ist ja vielleicht doch noch etwas zu retten wenn man sich beispielsweise mit Gläubigern einigt. Insolvenz sollte die absolut letzte Möglichkeit sein. Immerhin werden Sie relativ lange sehr eingeschränkt.

Soviel dennoch:
Die Veräußerung von Wirtschaftsgütern der insolventen Firma muss mit dem Insolvenzverwalter abgestimmt werden. Ob er einer Veräußerung an die Lebensgefährtin zustimmen wird ist schwer abzuschätzen. Ich denke aber das wird bei Veräußerung zu Preisen wie unter fremden Dritten möglich sein.

Schöne Grüße und alles Gute
pat

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