Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschafter??

Alles über eigene Zahlungsschwierigkeiten, nicht bezahlende Kunden, Insolvenz, Liquiditätsprobleme, Inkasso etc.
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michael.s.
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Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschafter??

Beitrag von michael.s. » 17.10.2011, 13:00

Hallo an Alle,

meine Situation stellt sich etwas komplizierter dar, als die anderen Themen in dieser Kategorie. Ich werde in diesem Beitrag auch nichts Schönreden, oder eigene Fehler verbergen, um auch entsprechend realistisches Feedback zu erhalten.

Ich schloss meine Lehre in einem Handwerksberuf mit dem Gesellenbrief im Jahr 1991 erfolgreich ab.

Daraufhin stieg ich sofort in den damals sehr erfolgreichen, Großelterlichen Betrieb (GmbH) mit einer mehr als 60jährigen Firmentradition ein. Großvater und Großmutter waren mit je 47,5% an der GmbH beteiligt und meine Mutter mit 5%.

Da meine Großeltern zu diesem Zeitpunkt auch schon lautstark über Rückzug aus dem aktiven Geschäft und über Rente sprachen, bekam ich von meinem Großvater eine Art Crashkurs in Buchhaltung, Lohnbuchhaltung usw. Meine Großmutter, im Jahr 2005 verstorben, leitete hauptsächlich den betrieblichen Ablauf und hatte relativ wenig Einblick in Geschäftsunterlagen.

Leider hatte mein Großvater schon seit Anfang der 90er Jahre bereits eine außerehelich Beziehung zu einer ca. 35 Jahre jüngeren Dame.
Um seinen und Ihren Lebensstandard zu finanzieren, zog mein Großvater nach und nach sämtliche Rücklagen und Reserven aus der Firma, anstatt weiter in die Firma und deren Modernisierung zu finanzieren. Nach dem Motto, Maschinen funktionieren ja noch alle, obwohl ein Großteil unseres Maschinenparks schon ein Alter von mehr als 20 Jahren überschritten hat. Es waren teilweise auch Maschinen dabei, die 30 Jahre und Älter waren.

1996 wurden meine Mutter und ich zum Geschäftsführer bestellt. Damit bekam ich erstmals richtig Einblick in unsere Geschäftsunterlagen. Nur hilft es halt nicht viel, wenn man diese nicht versteht. Wie schon erwähnt, ist hierfür ein kurzer Crashkurs nicht aureichend. Auf unseren Firmengirokonten war ja immer genug Guthaben (im Schnitt zwischen 80.000 DM und 150.000 DM plus Festgeldkonto mit ca. 148.000 DM), also muß ja Alles in Ordnung sein, dachte ich.

1997 wurde die Affäre meines Großvaters bekannt und es folgte kurz darauf die Scheidung meiner Großeltern. Mein Großvater zog sich dann mit seiner Neuen nach Norddeutschland zurück, heiratete sie, kaufte ein schönes Häuschen und überschrieb alles auf Ihren Namen. Unsere Familie zerstritt sich komplett mit ihm, ohne jeglichen weiteren Kontakt.

Hier fingen die Probleme an:
langjährige Geschäftspartner und Großkunden sprangen ab, da sie ausdrücklich nur meinen Großvater als Ansprechpartner in geschäftlichen Belangen wünschten. Unser Umsatz brach darufhin um ca. 60% ein. Ende 2007 wußte ich dann auch, warum dies so war. Ich muß noch anfügen, dass unser damaliger Steuerberater ein sehr guter Freund meines Großvaters war (mittlerweile auch verstorben)

Mein Großvater zeigte sich jedes Jahr bei der Vergabe von neuen Jahresaufträgen sehr großzügig gegenüber Entscheidungsträgern dieser Kunden. Da war dann schon mal ein Reisegutschein auf die Seychellen, oder auf die Malediven mit Taschengeld von bis zu 5.000 DM mit drin. Und das nicht nur für einen Kunden sondern für 3-5 (die ich ihm nachweisen konnte).

Ich schaffte es dann jedoch, unseren Umsatz innerhalb zwei Jahren wieder auf selbes Niveau zu bringen. Jedoch mit einem sehr viel höheren Arbeitsaufwand. Da zeigte sich dann wieder meine mangelnde Erfahrung, da ich von richtiger Kalkulation genauso wenig Ahnung hatte, wie von Bilanzen oder ähnlichen Dingen. Und ich weiß auch, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt.

Dann brach unser Maschinenpark nach und nach zusammen, und wir mußten alles investieren, was noch zur Verfügung stand.
Spätestens jetzt machte sich meine äußerst stümperhafte und unfachmannische Preisgestaltung bemerkbar. Geld fehlte an jeder Ecke.
Um mehr Kunden und Umsatz zu gewinnen gestaltete ich unsere Preise immer weiter nach unten. Ja, ja, ich weiß, dass dies genau der falsche Weg war. Und dann machte ich gleich den nächsten Fehler. Da unser Betrieb keine Kredite bei Banken wegen mangelnder Sicherheiten mehr bekam, nahm ich einen Privatkredit über 40.000 Euro auf, den ich bis auf 20.000 abbezahlt habe, aber seit einem Jahr auch nicht mehr bedienen kann.

Steuern wurden nicht mehr pünktlich bezahlt, SV Beiträge ebenso und somit gerieten wir in einen unaufhaltsamen Strudel, aus dem wir nicht mehr raus kamen. Kontopfändungen und Gerichtsvollzieher gaben sich die Klinke in die Hand. Ich muß allerdings dazu sagen, dass fast unsere einzigen Gläubiger Finanzamt und Sozialversicherungsträger waren, da ich Lieferanten bevorzugt bedient habe. So war halt mein Gerechtigkeitssinn. Im Nachhinein weiß ich auch, dass dies falsch war. Mittlerweile weiß ich, dass es das schlimmste ist, wenn man Schulden bei Steuern und SV-Beiträgen macht. Es lief halt am Ende nur noch nach dem Prinzip Hoffnung und vielleicht kommen ja wieder bessere Zeiten. Also die typische Scheuklappenmentalität wie z.B. keine gelben Briefe mehr öffnen nicht mehr auf unangenehme Dinge reagieren usw.

Im Juni 2009 meldeten wir dann doch Insolvenz an, nachdem keine Luft mehr zum Atmen blieb. Das Gutachten über die Firma ergab eine Masse von 120.000 Euro. Unsere Schulden bewegten sich bei insgesamt ca. 60.000 Euro plus meine eigenen Schulden bei der Bank von ca. 20.000 Euro.
Wir hatten das Pech, dass unser Inso-Verwalter kein Mensch von diesem Planeten war und uns zusätzlich in Grund und Boden gestampft hat.

Es ergab sich dann, dass wir spatestens Anfang 2008 Insolvenz anmelden hätten müssen. Somit war der Tatbestand der Insolvenzverschleppung gegeben und ich wurde zu 270 Tagessätzen á 30 Euro verurteilt. Bums, schon ist man vorbestraft. Dass Verfahren ist übrigens bis heute nicht abgeschlossen.

Jetzt ist meine Idee, mich nochmal selbstständig zu machen, mit einem sehr guten Konzept, welches in München bis jetzt erst einmal vorhanden ist und auch in meinem erlernten Fachgebiet liegt. Also in einem Bereich, in dem ich nicht Ahnungslos bin.

Ich fühle mich mittlerweile auch reif genug dafür und habe ja auch durch die Insolvenz und die Vorgeschichte eigentlich die beste Schulung erhalten, die man kriegen kann. Ich weiß jetzt auf jeden Fall ganz genau, welch Fehler ich nicht mehr machen darf. Zur Unterstützung in Sachen Buchhaltung, Finanzwesen und richtige Kalkulation habe ich mittlerweile auch einen sehr kompetenten Fachmann an meiner Seite.

So, nach diesem Endlosroman nun meine sehr kurze Frage.
Hab ich überhaupt eine reelle Chance hier irgendetwas auf die Beine zu stellen, bzw. Unterstützung zu erhalten um mein Konzept zu verwirklichen.

Ich selbst verfüge über keine finanziellen Reserven mehr, bin aber in einem festen Angestelltenverhältnis mit regelmäßigem Einkommen. Allerdings werde ich mit diesem Einkommen meine Schuld nie begleichen können, was jedoch sehr in meinem Interesse liegt. Dies würde mir wahrscheinlich nur durch eine neue Selbstständigkeit gelingen.

Ich hoffe, ich habe Euch durch meine lange Geschichte nicht überstrapaziert und freue mich schon auf hilfreiche Antworten. Egal ob positiv, oder negativ. Ich möchte einfach mal nur wissen, wo ich stehe und ob ich mir noch Hoffnung auf eine etwas bessere Zukunft machen kann.

Grüße an Alle

Michael S.

mgb-consulting

Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von mgb-consulting » 17.10.2011, 13:31

Hallo ...

zunächst...

Trennen Sie sich ganz schnell von dem Gedanken Altverbindlichkeiten aus falsch verstandener Freundlichkeit abzahlen zu wollen. Wenn Sie nicht die Geschäftsidee des Jahrhunderts haben, dann ist es absolut unmöglich, mit einem durchschnittlichen Unternehmerlohn Altverbindlichkeiten abtragen zu können, weil die Verwaltung der Altverbindlichkeiten durch Anwälte und Inkassounternehmen und die darauf anfallenden Zinsen derart hoch sind, dass es nicht möglich ist, diesen Lasten aus versteuertem Einkommen gerecht zu werden.

Es geht schlichtweg nicht!

Ich schließe aber hieraus, dass Sie sich nicht in einer Privatinsolvenz befinden... ist das korrekt?

Gibt es denn eine Gewerbeuntersagung, wegen der Verurteilung?

MfG
MGB-Consulting

michael.s.
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Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von michael.s. » 17.10.2011, 14:16

Hallo,

Vielen Dank für die sehr schnelle Antwort.

Eine Gewerbeuntersagung besteht im Moment nicht. Da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, kann man allerdings nicht wissen, was noch kommt. Die letzte Post vom Inso-Verwalter bekam ich vor ca. 4 Monaten. Hier fing er wieder mit einer Forderung von 40.000 Euro wegen Masseschmälerung an, da ja mein Großvater bis zum Schluss eine Betriebsrente bezogen hat, die wir ja auch seit spätestens Anfang 2008 nicht mehr hätten zahlen dürfen. Er bot mir dann an, dass ich 13.000 Euro für einen Vergleich zahlen soll und dann schließt er das Verfahren ab.
Allerdings traue ich ihm nicht mehr, da er etwas ähnliches ganz am Anfang versucht hat. Er bot mir und meiner Mutter an, jeweils 5.000 Euro zu zahlen, damit er das Verfahren sofort abschließt.
Meiner Meinung nach war dies nur ein Versuch, in Erfahrung zu bringen, ob wir nicht doch noch irgendwo Reserven gebunkert haben. Außerdem hätte ich auch diese 13.000 Euro nicht.

Meine Anwältin hat auf diesen Brief auch das erste mal etwas aggressiver geantwortet, da auch sie sagt, dass sie in ihrer gesamten Laufbahn keinen derartigen Inso-Verwalter erlebt hat.
Sie schrieb ihm wortwörtlich, er sollte doch endlich mal zu einem Ende kommen und nicht immer wieder mit neuen Klagen, welche immer weitere Kosten, in erster Linie für ihn verursachen, die ich bis an mein Lebensende nicht bezahlen kann.

Privatinsolvenz kann ich laut meiner Anwältin nicht beantragen, da noch eine Schuld wegen der Durchgriffshaftung bei einem Sozialversicherungsträger in Höhe von ca. 800 Euro besteht.

Und im Allgemeinen suche ich eben eine Möglichkeit, ohne Mauscheleien und Tricksereien wieder auf die Beine zu kommen. Kurz nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens befand ich mich auch in einer sehr depressiven Lage, in der ich nicht im Traum an einen Neuanfang gedacht hätte. Allerdings habe ich mittlerweile Abstand mit viel Hilfe von außen gewonnen, so dass ich nun wieder nur noch nach vorne schauen will. Wenn man einmal Alles verloren hat, weiß man erst zu schätzen, was man gehabt hat!

Es gab auch eine weitere absurde Gerichtsentscheidung in diesem Verfahren:
Gründung der GmbH vor 40 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Aufbewahrungsfrist von Geschäftsunterlagen 30 Jahre. Der Verwalter forderte von mir die Bankbelege über die Einzahlung der Gesellschafteranteile obwohl im notariell beglaubigten Gesellschaftervertrag ausdrücklich stand, "die Gesellschafteranteile wurden voll einbezahlt". Diese konnte ich natürlich nicht vorlegen und mein Großvater ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass die Belege bei uns in der firma sein müssen.
Zack, wurde ich vom Gericht zur Zahlung von 1/10, also 2.500 Euro verurteilt, da ich trotz Verjährungsfrist trotzdem noch nachweisen muss, dass die Einlage bezahlt wurde.

Mein Großvater bekam kurz darauf die gleiche Klage und plötzlich sind die Belege wie durch ein Wunder in seinem Keller in Norddeutschland wieder aufgetaucht. Er wurde nicht verurteilt.
Daraufhin sagte ich zu meiner Anwältin, dass ich ja dann auch nicht zahlen muß. Haha, doch muß ich schon, da das Urteil schon rechtskräftig ist. Ich kann nun durch Zivilklage gegen dieses Urteil vorgehen, die allerdings auch erst mal mit Kosten verbunden ist, die ich momentan nicht begleichen kann.
Und neue Schulden mache ich definitiv nicht mehr.

Gruß
Michael S.

mgb-consulting

Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von mgb-consulting » 17.10.2011, 14:27

Hallo ...

wie hoch sind denn die Verbindlichkeiten, die Sie privat noch am Bein haben?

MfG
MGB-Consulting

michael.s.
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Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von michael.s. » 17.10.2011, 14:34

Hallo,

die dürften sich im Moment auf ca. 25.000 -30.000 Euro belaufen.

Gruß
Michael S.

mgb-consulting

Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von mgb-consulting » 17.10.2011, 18:13

Hallo ...

ich vermute, dass Sie Ihre Anwältin vielleicht falsch verstanden haben könnten, denn die Aussage, der Insolvenzantrag könne aufgrund noch vorhandener Verbindlichkeiten gegenüber einem Sozialversicherungsträger nicht eröffnet werden ist nicht richtig.

Es mag durchaus sein, dass es noch andere Gründe gibt, die gegen einen Insolvenzantrag sprechen, die Sie bislang noch nicht genannt haben, z.B. aufgrund einer Insolvenzstraftat, der angeführte Grund wäre jedoch kein Hindernis.

In diesem Falle würde der Insolvenzantrag eröffnet werden und der Sozialversicherungsträger würde seine Forderung nach § 174 (2) InsO mit dem begründenden Hinweis einer vorsätzlichen unerlaubten Handlung anmelden und mit dem Urteil belegen.

In der Folge würde die Insolvenz reibungslos abgewickelt werden, die Forderung des Sozialversicherungsträgers unterläge dann aber nach § 302 Satz 1 InsO als ausgenommene Forderung nicht der Restschuldbefreiung.

Sie wären damit in einen Stand versetzt sich Ihrer Schulden dauerhaft zu entledigen und könnten genug verdienen, um auch die 800€ für die Sozialversicherung zu verdienen.

Vielleicht sprechen Sie Ihre Anwältin einfach nochmals darauf an?

MfG
MGB-Consulting

michael.s.
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Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von michael.s. » 18.10.2011, 13:35

Hallo,

also der Sozialversicherungsträger beruft sich eben auf das Urteil wegen der Insolvenzverschleppung und dass ich deshalb selbst für diesen Betrag haften muß.

Oder meinten Sie mit Insolvenzstraftat etwas Anderes?

Und wenn ich mich recht erinnern kann, habe ich schon einen Antrag auf Verbraucherinsolvenz ausgefüllt und da stand auch drin, dass bei Schulden gegenüber Sozialversicherungsträgern die Verbraucherinsolvenz nicht eröffnet werden kann.

Eine zusätzliche Begründung, die ich am Rande mitbekommen hab, wobei ich mich aber auch irren kann war folgende, dass auch eine Mindestanzahl an Gläubigern gegeben sein muß, um in die Verbraucherinsolvenz zu gehen.

Vielleicht rede ich da jetzt ziemlichen Schwachsinn, aber so etwas in der Art habe ich verstanden.

Bei meinem Privatkredit kam ja noch hinzu, dass ich dafür eine sehr teuere Versicherung abschließen mußte für den Fall, dass ich meine Raten nicht mehr tilgen kann. Ich ging dann mit meinem Steuerberater zu meiner Bank, bevor ich mit den Raten in Rückstand geriet und informierte diese, dass ich voraussichtlich meine Raten nicht mehr zahlen kann. Es wurde uns mitgeteilt, dass diese Versicherung im Falle einer Zahlungsunfähigkeit durch Insolvenz des Arbeitgebers nicht greift.

Gruß
Michael S.

mgb-consulting

Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von mgb-consulting » 18.10.2011, 18:09

Hallo ...

wenn wir ehrlich sind, dann wissen Sie im Moment ja nicht sooo genau, was eigentlich Sache ist.

Ich würde daher empfehlen einen Fachanwalt für Insolvenzrecht aufzusuchen, mit dem Ziel, ein privates Insolvenzverfahren einzuleiten, um sich der Schulden zu entledigen. Die Verbindlichkeiten gegenüber der Krankenkasse bleiben bestehen und sind von der Restschuldbefreiung ausgenommen, der Rest würde dann jedoch wegfallen.

Ihre Verurteilung erfolgte wegen einer Insolvenzstraftat, ich gehe davon aus, dass es sich um eine Verurteilung nach § 283 StGB handelt. Dies wäre grundsätzlich ein Grund zur Versagung der Restschuldbefreiung... aber... der BGH hat in einem Beschluß vom 25.10.2007, IX ZB 187/03 ausgeführt, dass das Insolvenzgericht seine Versagungsentscheidung nicht auf Umstände stützen kann, die nicht zuvor von einem Gläubiger geltend gemacht wurden.

In einfachen Worten bedeutet dies, dass das Insolvenzgericht, das Ihre Verurteilung natürlich kennt, diese nicht gegen Sie gelten lassen kann, wenn es die Gläubiger nicht schert. Da in den überwiegenden Fällen gar keine Gläubiger zu den Schlussterminen kommen, kann man in den meisten Fällen davon ausgehen, dass auch kein Antrag gestellt wird.

Es kann nun passieren, dass Sie einen Antrag auf Regel- oder Verbraucherinsolvenz stellen und nach 6 Jahren doch noch ein Gläubiger kommt und Ihnen die Restschuldbefreiung verbaut, weil er ein NEIN ausspricht.

Aber... dann haben Sie 6 Jahre selbständig gearbeitet, ein fiktives Gehalt vereinbart und 6 Jahre lang den Betrag oberhalb des fiktiven Einkommens behalten dürfen... mithin haben Sie soviel Geld verdient, dass Sie die Schulden dann in einem Rutsch abzahlen könnten, wenn die Restschuldbefreiung wider Erwartung dennoch versagt werden würde.

Denken Sie einmal darüber nach!

MfG
MGB-Consulting

michael.s.
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Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von michael.s. » 18.10.2011, 20:23

Hallo,

erst einmal möchte ich mich für die sehr hilfreichen Antworten bei Ihnen bedanken.

Damit, dass ich selbst nicht weiß, was genau Sache ist haben Sie sicherlich recht.

Dieses ganze Insolvenzverfahren ist halt für einen Laien, bzw. für mich kaum noch zu durchschauen. Theoretisch bräuchte ich einen zweiten Anwalt, der die Arbeit meines eigentlichen Anwaltes auf Richtigkeit prüft.

Hier wurde meiner Meinung nach auch bei der Verwertung der Insolvenzmasse, seitens des Verwalters getrickst und gemauschelt, dass sich die Balken gebogen haben. Das gesamte Inventar inklusive 2 Firmentransportern, welche alleine schon einen Restwert von ca. 35.000 Euro hatten wurde komplett an einen einzelnen Käufer für 3.500 Euro verkauft. Dieser Käufer kam dann ganz zufällig auch noch aus der gleichen Region wie unser Inso-Verwalter. Muß nichts heißen, sieht aber komisch aus.

MfG
Michael S.

misstissi
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Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von misstissi » 07.05.2014, 20:07

Hallo Michael.s. Ich habe den Beitrag gelesen.
Da mich gerade selbes Schicksal ereilt bin ich sehr daran interessiert, wie der Fall weiterging und ob die Möglichkeit zu einem Gespräch besteht.
Wie kann ich Kontakt aufnehmen?
Gruß, KT

uvis-beratung
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Re: Neustart nach Insolvenz mit GmbH als Gf und Gesellschaft

Beitrag von uvis-beratung » 07.05.2014, 21:43

@misstissi ...

soweit muss es nicht kommen. Es gibt Möglichkeiten zu verschiedenen Zeitpunkten rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Mein Vorschlag:

Unternehmenscoaching - Insolvenzgefahren vermeiden - ISBN 978-3-938684-11-5

Einzelheiten können via Inhaltsverzeichnis vorab in Erfahrung gebracht werden - siehe uvis-verlag.de/uv5100.htm

Guten Gelingen
MfG Jürgen Arnold - Autor
- uvis.de -

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