Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Steuerfragen und steuerliche Aspekte. Was will das Finanzamt? Alles über Buchführung, Steuerberater und Steuererklärung.
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MShekow
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Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von MShekow » 25.08.2015, 18:17

Hi. Es gibt ja nun so einige Anbieter wie https://www.felix1.de und https://www.freefibu.de die darauf setzen, dass man mit einem (angeblich) vereinfachten User-Interface die Buchhaltung selbst durchführt und dann den Steuer-Service dazubucht, der für ca. 500-1000€ im Jahr (je nach Anbieter und Unternehmensform) alle steuerlichen Dokumente (auch Bilanzen, etc.) für einen erstellt. Die (monatliche) USt-Voranmeldung ist anscheinend per Knopfdruck erledigt.

Mich interessiert, ob hier jemand persönliche Erfahrungen mit solchen Diensten gemacht hat. Kann man das als Laie tatsächlich so hinbekommen? Positiv an dem FreeFiBu Angebot fiel mir auf, dass es günstiger als felix1 war, und gleichzeitig "Inklusivminuten" beim Telefonsupport genutzt werden können, um Steuer- und Buchhaltungsfragen zu beantworten.

Viele Grüße!
Marius

AndreaL
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Re: Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von AndreaL » 31.08.2015, 15:40

Hallo MShekow,

für die alltägliche Buchhaltung und Rechnungsstellung eignen sich Online-Buchhaltungsprogramme mittlerweile sehr gut. Hier kannst du Einnahmen und Ausgaben einpflegen, Rechnungen erstellen und versenden, deine Quittungen und Belege in der Cloud abspeichern und deine USt-Voranmeldung durchführen. Diese standardisierten und relativ unkomplizierten Vorgänge kannst du auch als Laie und Neugründer also selbständig durchführen - und dadurch Ausgaben für den Steuerberater einsparen.

Aber: Für die Steuererklärung am Ende des Jahres empfiehlt es sich aus meiner Sicht immer, zusätzlich einen Steuerberater hinzuzuziehen. Dazu gewährst du deinem Steuerberater via Button ganz einfach Zugang zu deinem Account - und er exportiert alle relevanten Daten per Mausklick:

https://debitoor.de/tutorial/kontakte/d ... aten-geben

Viele Grüße,

Andrea

riese
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Re: Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von riese » 20.09.2015, 21:06

Hallo Marius,

ich halte von diesen Cloud-Lösungen nichts, weil es eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist für Buchungsunterlagen gibt und man die Verantwortung hierfür nicht in die Hände Dritter legen sollte. Geht der Anbieter pleite, wird seine Homepage vom Netz genommen, Deine Daten sind weg und Du machst Dich nach §283 b Abs. 1 Nr. 2 StGB strafbar. Auf Vorsatz kommt es nicht an; einfache Fahrlässigkeit genügt - und die ist gegeben, wenn man seine Pflichten auf Dritte überträgt, die man selbst nicht "in der Hand hat".

Lexware oder BUHL sind da bessere Alternativen, wenn man seine Daten selbst ordnungsgemäß sichert und eine Kopie der Sicherung an einem anderen Ort aufbewahrt.

Gruß
Rainer

AndreaL
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Re: Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von AndreaL » 21.09.2015, 16:16

Hallo Rainer,
Hallo Marius,

die gesetzliche Aufbewahrungsfrist für Buchungsunterlagen besteht in jedem Fall, egal ob man eine Cloud-Lösung bevorzugt oder nicht. Alle Buchungsunterlagen und Belege müssen daher gesammelt und aufbewahrt werden - in Originalform!

Was ist die Alternative zu Cloud? Du kaufst dir eine Buchhaltungssoftware auf CD-Rom und speicherst alle deine Daten daheim auf deinem Rechner. Klingt vernünftig - aber auch diese Lösung ist nicht totsicher: Denn auch eine Festplatte kann "ihren Geist aufgeben". Sowohl Cloud als auch Festplatte haben also jeweils ihre Vor- und Nachteile.

Die Vorgaben für Cloud-Lösungen sind generell sehr streng, hier erfüllen wir alle Richtlinien: https://debitoor.de/sicherheit
Außerdem hast du jederzeit die Möglichkeit, alle deine Daten zu exportieren und separat auf deinem PC zu speichern. Für den Fall dass wir "pleite" gehen, wie Rainer schreibt, bist du also trotzdem abgesichert!

Viele Grüße,

Andrea

riese
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Re: Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von riese » 21.09.2015, 19:59

Hallo Andrea,
AndreaL hat geschrieben:Was ist die Alternative zu Cloud? Du kaufst dir eine Buchhaltungssoftware auf CD-Rom und speicherst alle deine Daten daheim auf deinem Rechner. Klingt vernünftig - aber auch diese Lösung ist nicht totsicher: Denn auch eine Festplatte kann "ihren Geist aufgeben".
wenn Du aber die Installations-CD hast und eine externe Datensicherung, kannst Du das Programm neu installieren und die Datensicherung einlesen. Schon ist der alte Zustand wiederhergestellt. Bei einer cloud-Lösung kannst Du Dir nur Deine eigenen Daten herunterladen und sichern, nicht aber das Programm, um die Daten lauffähig zu machen.

Gruß
Rainer

AndreaL
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Re: Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von AndreaL » 29.09.2015, 15:37

riese hat geschrieben: wenn Du aber die Installations-CD hast und eine externe Datensicherung, kannst Du das Programm neu installieren und die Datensicherung einlesen. Schon ist der alte Zustand wiederhergestellt. Bei einer cloud-Lösung kannst Du Dir nur Deine eigenen Daten herunterladen und sichern, nicht aber das Programm, um die Daten lauffähig zu machen.
Da es sich bei Debitoor um ein Online-Programm handelt, lässt es sich - wie du schreibst - nicht offline installieren. Die Daten sind jedoch in den gängigen Formaten .csv und .xls sowie im DATEV Format exportierbar. Damit entsprechen sie den allgemein gängigen Dateiformaten von Buchhaltungs-Software und können daher auch in andere Programme importiert - sprich lauffähig gemacht - werden. :-)

Bostonian
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Re: Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von Bostonian » 06.10.2015, 17:36

Ich stelle mir immer vor, in acht Jahren steht ein Betriebspruefer vom Finanzamt bei mir im Unternehmen und will die Daten vom letzten Jahr Daten nach GDPdU pruefen. Weiterhin will mein Wirtschaftspruefer die gesamte IT auf Konsistenz und Qualitaet pruefen. Geht das alles mit Cloud-Loesungen? Eher nicht, weil gar kein externer Zugriff auf die Programmlogik moeglich ist. Von Audit-Trails und aehnlichem ganz zu schweigen. Auch das bereits erwaehnte Argument der gesetzlichen Aufzeichnungspflichten ist nicht ausser Acht zu lassen - mit "Rechnungen auf Papier abheften" ist das nicht getan. Da gehoert schon ein wenig mehr dazu.
Daher halte ich zumindest in diesem recht regulierten Bereich fuer Unternehmen nichts von solchen Sachen.

AndreaL
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Re: Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von AndreaL » 12.10.2015, 13:25

Bostonian hat geschrieben:Ich stelle mir immer vor, in acht Jahren steht ein Betriebspruefer vom Finanzamt bei mir im Unternehmen (...).
Betriebsprüfungen sind natürlich nie angenehm. Steht eine Betriebsprüfung vor der Haustüre, erhalten wir zumeist eine E-Mail von unseren Kunden. Wir stehen ihnen dabei mit unserem Steuerberater zur Seite. Bisher gab es nie Beanstandungen von Seiten des Finanzamts - was wir als Qualitätszeichen für Debitoor werten.

Dennoch spreche ich hier nicht pauschal für alle Cloud-Lösungen. Ob das einzelne Programm vorgabenkonforme Buchhaltung ermöglicht, muss bei allen Online- aber natürlich auch Offline-Lösungen individuell bewertet werden.

sp4wny
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Re: Moderne Cloud-Buchhaltung wirklich laientauglich?

Beitrag von sp4wny » 04.08.2016, 20:37

Meine persönliche Erfahrung mit Debitoor 2016

///Fehlerhafte Buchhaltung
Erstmal ist keine korrekte Buchhaltung möglich, da Dienstleistungen aus EU Drittländern nicht richtig bei der Vorsteueranmeldung gebucht werden. Angenommen Sie kaufen ein Websitedesign bei einer Firma in der Schweiz; dann müssen Sie 19% mwst in Deutschland abführen da es eine sonstige leistung aus dem EU drittland ist und diese mwst pflichtig ist. Nur ignoriert Debitoor dies völlig. Für Buchungen innerhalb der EU (wo die Schweiz nicht zugehört) führt Debitoor die Buchung und Vorsteueranmeldung plötzlich richtig aus. Auf Anfrage wurde mir gesagt, dass der Großteil es nicht nutzt und es deswegen nicht korrigiert wird. Sie nehmen also wissend eine fehlerhafte Buchhaltung in kauf! Wer das nicht weiß, erlebt am ende des Jahres eine böse Überraschung. Ist aber wohl scheinbar egal.

///Falsche Abrechnung.
Im Paket XS sind von 100 Rechnungen & Ausgaben pro Jahr die Rede. Ich hatte in 5 Monaten, 5 Einnahmen und 10 Ausgaben. Plötzlich ist bei Debitoor von "Limit für den Zahlungsabgleich" die rede und ich kann keine weitere Ausgabe mehr hinzufügen.

Nun steht die Vorsteueranmeldung in wenigen Tagen an, die ich dank Debitoors falscher Buchhaltung manuell durchführen muss und deswegen vom Plan M auf den Plan XS gedowngradet habe. Kann aber nicht mehr meine Ausgaben richtig erfassen, obwohl ich erst 15/100 betriebsrelevante Buchungen durchgeführt habe.

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