Gründer-Forum

Hier finden Sie einen umfangreichen Ratgeber der Sie beim Gründen Ihres Unternehmens unterstützt. Unser Forum für Gründer bietet Ihnen den Einstieg in unser Gründernetzwerk. Bei konkreten Fragestellungen zögern Sie nicht unsere Gründerberater zu testen. Ein erstes Beratungsgespräch ist zumeist gratis. Falls Sie Arbeitshilfen für Ihre Gründung benötigen finden Sie hier eine Auswahl. Unsere Fachbeiträge zur Gündung und Gründer News helfen Ihnen bei einer Vielzahl von Fragestellungen. Lesen Sie spannende Interviews mit Unternehmer-Persönlichkeiten.

Sich privat Krankenversichern?

Welche Versicherungen brauche ich? Bin ich über- oder unterversichert? Was können für geschäftsschädigende Risken entstehen?

Sich privat Krankenversichern?

Beitragvon JuergenJ am 09.02.2017, 19:07



Hallo,

ich bin schon seit einigen Jahren selbstständig und denke drüber nach meine gesetzliche Krankenversicherung gegen eine private Krankenversicherung zu wechseln. Wie steht ihr zu diesem Thema? Ist es besser privat oder gesetzlich versichert zu sein? Für jede Hilfe bin ich sehr dankbar!
JuergenJ
 
Beiträge: 2
Registriert: 09.02.2017, 19:01

Re: Sich privat Krankenversichern?

Beitragvon speedy40 am 12.05.2017, 17:49

Von den Leistungen her unterscheidet sich das nicht wirklich viel.

Die private Krankenversicherung ist meist günstiger. Bei der gesetzlichen jedoch hast Du den Vorteil, dass im Fall der Fälle es nicht notwendig oder problematisch ist wieder zurück zur gesetzlichen zu wechseln, denn dieses Problem birgt ein Wechsel zu einer privaten Versicherung.
speedy40
 
Beiträge: 26
Registriert: 11.05.2017, 17:18
Wohnort: Köln

Re: Sich privat Krankenversichern?

Beitragvon KompaktDesign am 15.05.2017, 19:51

Freiwillig bei den gesetzlichen KV versichert zu sein ist (besonders in jungen Jahren) verhältnismäßig teuer.
Zudem wird man bei vielen Ärzten als Mensch zweiter Klasse behandelt,
hat teilweise utopoische Wartezeiten für Termine,
muss sich oft anhören, dass Leistungen nicht von der KV getragen werden
und wird (meiner Meinung nach) aus Budget-Gründen unzureichend versorgt.

Mit einer privaten KV kann man in jungen Jahren sehr preiswert fahren, insbesondere wenn man auf Krankengeld verzichtet und eine Eigenbeteiligung akzeptiert. Die Beiträge steigen mit zunehmenden Alter von Jahr zu Jahr (was von den Beiträgen unter diesen Voraussetzungen aber meist auch später preiswerter als die gesetzliche ist).
Hier bekommt man sofort Termine bei den meisten Ärzten,
wird wie ein Rockstar behandelt,
bekommt jede Behandlung (und wenn man nicht aufpasst auch viel Quatsch, den keiner braucht).

Wenn man allerdings Krankengeld haben möchte, zu keiner Eigenbeteiligung bereit ist, durch Vorbelastung ein hohes Risiko darstellt oder die Familie mitversichern möchte, kann eine private KV auch ein teurer Spaß werden.
KompaktDesign
 
Beiträge: 180
Registriert: 28.07.2014, 12:19
Wohnort: Pinneberg

Re: Sich privat Krankenversichern?

Beitragvon uvis-beratung am 18.05.2017, 14:59

@juergenJ ...

... Faustregel:

PKV =, Du bist jung, denkst über ein paar Jahre an günstige Beiträge und bist solo
GKV =, Du denkst an Familie und Kinder und auf längere Sicht

ohne Rücksichten mal auf irgendwelche Vorerkankungen oder Beeinträchtigungen.

Ansonsten bist du frei in deiner Entscheidung, es bleibt deinem Gusto überlassen.

MfG Jürgen Arnold
- www.uvis.de -
uvis-beratung
 
Beiträge: 628
Registriert: 25.10.2011, 10:23

Re: Sich privat Krankenversichern?

Beitragvon Wissen am 18.08.2017, 14:05

Hallo zusammen,

die Frage ob man sich privat oder gesetzlich versichern sollte könnte man sich im Grunde genommen selber beantworten, indem man sich dazu die folgenden 5 wichtigen Fragen stellt:

1. Welche Leistungen erhalte ich zu welchem Beitrag?

Wer Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse ist, dem fällt diese Antwort nicht wirklich schwer, denn unabhängig davon welchen Beitrag man zahlt, sind die Leistungen im SGB V festgeschrieben!

Hierzu ein kleiner Auszug aus dem § 2 SGB V Leistungen Absatz 4:

"Krankenkassen, Leistungserbringer und Versicherte haben darauf zu achten, daß die Leistungen wirksam und wirtschaftlich erbracht und nur im notwendigen Umfang in Anspruch genommen werden."

Wer darüber hinaus mehr als nur die rein notwendigen und wirtschaftlichen Leistungen haben möchte, muss sich selbst darum kümmern und entweder Zusatzversicherungen abschließen oder in die private Krankenversicherung wechseln.

2. Wie wird der Beitrag berechnet?

Hier spielt es keine Rolle ob man pflichtversichert oder freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, die Beitragsberechnung bleibt immer die selbe!

Im § 3 SGB V Solidarische Finanzierung ist hierzu folgendes zu lesen:

"Die Leistungen und sonstigen Ausgaben der Krankenkassen werden durch Beiträge finanziert. Dazu entrichten die Mitglieder und die Arbeitgeber Beiträge, die sich in der Regel nach den beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder richten. Für versicherte Familienangehörige werden Beiträge nicht erhoben."

Da Selbstständige und Freiberufler keinen Arbeitgeber haben, sind Sie dementsprechend gezwungen den gesamten Beitrag aus eigener Tasche zu finanzieren. Der entrichtete Beitrag ist immer als Vorauszahlung zu sehen, da der
tatsächliche Beitrag jedes Jahr aufgrund des Steuerbescheides neu festgesetzt wird.

Großer Nachteil der GKV: Zuviel entrichtete Beiträge im abgelaufenen Kalenderjahr erhält man von seiner Krankenkasse nicht zurück erstattet. Es kann lediglich eine Beitragsminderung für das Folgejahr auf Antrag gestellt werden (wenn ersichtlich ist das geringe Einkünfte zu erwarten sind), dieser wird dann geprüft und ggf. stattgegeben. Gerade bei Selbstständigen und Freiberuflern mit schwankenden Einnahmen kann es hierbei zu finanziellen Risiken und Engpässen führen.

Großer Vorteil der GKV: Wenn man seinen einkommenslosen Ehepartner und Kinder in der eigenen Krankenkasse beitragsfrei mitversichern kann, lohnt sich aus wirtschaftlicher Sicht natürlich die gesetzliche Krankenkasse. Allerdings sollte man hier auch die Leistungslücken im Auge behalten und ggf.mit Zusatzversicherungen mögliche Behandlungskosten in der Zukunft absichern.

Die Beitragsberechnung in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist sehr simpel:

Das Einkommen spielt im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenkasse keine Rolle, man darf soviel verdienen wie man möchte! Zur Berechnung des Beitrages sind die Leistungen (Tarif), das Eintrittsalter und der Gesundheitszustand entscheidend.

Erfahrungsgemäß lässt sich mit einer guten und günstigen privaten Krankenversicherung viel Geld sparen und zwar nicht nur in den jungen Jahren.

3. Welche Leistungen sind mir wirklich wichtig?

"Die Leistungen lassen sich bei einer privaten Krankenversicherung ganz individuell und nach den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen frei wählen. Sie gehen weit über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen hinaus und sichern somit nicht nur die beste Versorgung, sondern finanzieren auch den medizinischen Fortschritt."

(Quelle: https://www.stravo.de/guenstige-private-krankenversicherung.html)

Mit der Wahl der Leistungen kann man die Höhe des Beitrags direkt selbst bestimmen, denn man zahlt nur für die Leistungen, die man auch tatsächlich haben möchte.

4. Beitragsentwicklung der GKV und PKV

Schaut man sich die Beitragsentwicklung der letzten Jahre an, fällt einem auf, dass die Zahlen der beiden Gesundheitssysteme sehr eng beieinander liegen:

Vom 01.01.2007 bis zum 01.01.2017 lag die durchschnittliche Steigerung bei der
GKV 3,2% pro Jahr und bei der PKV lag sie bei 3,0% pro Jahr.

(Quelle: https://www.pkv.de/presse/mediathek/informationsgrafiken/infografiken-krankenversicherung/infografik-beitragsentwicklung-der-pkv-und-gkv-im-vergleich/)

Hier gibt es also keinen klaren Gewinner, zu identisch sind die Zahlen, doch
wie sieht es aber mit den Leistungen aus, welche Änderungen fanden da statt?

Einmal vertraglich zugesicherte Leistungen in der PKV dürfen nicht versagt werden, dass bedeutet man hat einen Anspruch auf alle im Vertrag definierten Leistungen, ein Leben lang, da die Leistungen nicht gekürzt werden dürfen!

(siehe dazu auch § 192 VVG - Vertragstypische Leistungen des Versicherers)

Seit dem 1. Januar 2009 können die Versicherten in der privaten Krankenversicherung ihre Alterungsrückstellungen bei einem Wechsel innerhalb der PKV bis zu dem Umfang mitnehmen, den sie angesammelt hätten, wenn sie im Basistarif versichert gewesen wären.

Zudem wurde die 2007 eingeführte Drei-Jahres-Frist abgeschafft. Versicherte müssen nicht mehr drei Jahre hintereinander über der Versicherungspflichtgrenze liegen, sondern können schon bei einmaligen Überschreiten in eine PKV wechseln.

Von 2007 - 2017 wurden sowohl das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) als auch weitere Reformen eingeführt, die folgende Einschnitte zur Folge hatten:

Krankenkassen haben jetzt nach § 52 SGB V eine Regressmöglichkeit um Leistungen für selbst verschuldete Fälle zu beschränken, die einer Behandlung bedürfen.

Einführung des „Ruhens des Leistungsanspruches“ bei Nichtzahlung der Beiträge; lediglich bei akuten Erkrankungen tritt dann die Krankenkasse noch ein.

Krankenkassenbeitrag wurde auf 15,5 % (vorher 14,9 %) eingefroren. Künftig müssen Kostensteigerungen von Arbeitnehmern, Selbstständigen und Freiberuflern über einen Kassenindividuellen Zusatzbeitrag ausgeglichen werden.

5. Beiträge im Rentenalter

Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenkasse müssen die Anbieter einer privaten Krankenversicherungen per Gesetz seit dem 01.01.2000 Rückstellungen fürs Alter bilden (Altersrückstellungen). Dieser Baustein nennt sich "gesetzlicher Zuschlag" und beträgt 10% des gesamt Beitrages (wird automatisch von den Gesellschaften bereits eingerechnet).

Hierzu ein Auszug aus dem §12 Abs. 4a Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG):

"In der substitutiven Krankheitskostenversicherung ist spätestens mit Beginn des Kalenderjahres, das auf die Vollendung des 21. Lebensjahres des Versicherten folgt und endend in dem Kalenderjahr, in dem die versicherte Person das 60. Lebensjahr vollendet, für die Versicherten ein Zuschlag von zehn vom Hundert der jährlichen gezillmerten Bruttoprämie zu erheben, der Alterungsrückstellung nach § 341f Abs. 3 des Handelgesetzbuchs jährlich direkt zuzuführen und zur Prämienermäßigung im Alter nach § 12a Abs. 2a zu verwenden. Für Versicherungen mit befristeten Vertragslaufzeiten nach § 195 Abs. 2 und 3 des Versicherungsvertragsgesetzes sowie bei Tarifen, die regelmäßig spätestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres enden, gilt Satz 1 nicht."

Darüber hinaus, bilden die wirklich finanzstarken privaten Krankenversicherer enorme zusätzliche Rücklagen, die sie aus den Beitragseinnahmen finanzieren und den gesetzlichen Mindestrahmen von 10% bei weitem übersteigen (teilweise 40%)!

Zu der Beitragskalkulation in der PKV sollte man folgendes wissen:

Gute Gesellschaften berücksichtigen bei der Kalkulation von Beginn an die steigenden Kosten im Alter mit, d.h. ein 30 jähriger, der einen Beitrag von 300€ zu zahlen hat, müsste normalerweise nur einen sog. "Risikobeitrag" von ca. 150€ bezahlen (aufgrund seines Eintrittsalters) und die anderen 150€ fließen in die Rückstellungen für Kosten, die erst im Alter entstehen!

Somit ist, was die Beiträge in der PKV betrifft, folgendes festzustellen:

1. Es stimmt nicht, dass der Beitrag von Jahr zu Jahr steigt nur weil man älter wird.
2. Der Beitrag wird auch nicht teurer, weil man krank ist und Leistungen beansprucht.
3. Ab dem 65. Lebensjahr reduziert sich der Beitrag sogar, da der gesetzliche Zuschlag in Höhe von 10% wegfällt.

Darüber hinaus hat man nach § 204 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) das Recht auf
einen Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft!

Bei den gesetzlichen Krankenkassen ist auch im Rentenalter besondere Vorsicht geboten:

Dem § 229 SGB V ist zu entnehmen, dass sowohl auf Renten von Versicherungs- und Versorgungseinrichtungen, die für Angehörige bestimmter Berufe errichtet sind als auch auf Renten der betrieblichen Altersversorgung einschließlich der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst und der hüttenknappschaftlichen Zusatzversorgung Krankenkassen-Beiträge fällig werden!

Wer also für seine Altersvorsorge spart, da er naturgemäß vom Staat wenig bis sehr wenig Rente zu erwarten hat, wird dann im Rentenalter von seiner Krankenkasse mit fälligen Beiträgen auf seine Rente oder Kapitalzahlung zur Kasse gebeten. Da können sehr schnell mal mehrere Tausend Euro zusammen kommen, wie so manch ein Rentner bereits feststellen musste.

(siehe dazu BGH Urteil vom 10.03.2011 - B 3 KR 9/10 R)

Fazit:

Die Systemunterschiede der GKV und PKV, sowie die Wünsche und Bedürfnisse eines jeden einzelnen sind einfach zu vielfältig, um einfach eine pauschale Aussage zu treffen.
Wissen
 
Beiträge: 5
Registriert: 29.10.2015, 13:00


Zurück zu Versicherungen und Geschäftrisiken

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer