Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Diskussion zum Kleingewerbe und zum Nebenerwerb, Vor- und Nachteile, Hinzuverdienst, Minijob, etc.
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Frank789
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Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von Frank789 » 04.08.2016, 14:33

Hallo,

ich habe in diesem Jahr einen online Shop als Kleinunternehmer gegründet, für die Steuererklärung habe ich mir dann einen Steuerberater gesucht und scheinbar ne ziemlich schleche Wahl getroffen.

Der Steuerberater kennt die Materie überhaupt nicht und muss sich immer selbst erstmal informieren.

Gestern wurde mir mitgeteilt dass ich für meine Verkäufe in Kunden im EU Ausland die Ust hier in deutschland abführen muss. Er meinte, er habe mit dem Finanzamt telefoniert und das wurde ihm so gesagt.

Kann das so stimmen? Hat da jemand Erfahrungswerte mit dem Verkauf ins EU Ausland und der anschließenden Besteuerung? Seine Aussage kommt mir sehr zweifelhaft vor.

MfG

KompaktDesign
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von KompaktDesign » 05.08.2016, 07:52

Mir kommt das ebenfalls sehr zweifelhaft vor.
Dass ein Steuerberater sich angeblich vom FA so einen Pipifax erklären lässt, finde ich ebenfalls merkwürdig.

Wenn Du die Kleinunternehmerregelung nutzt, brauchst Du keine Umsatzsteuer abzuführen, darfst aber auch keine berechnen und in Abzug bringen.
Wenn ein Ausländer bei Dir kauft, darfst Du entsprechend keine USt. berechnen, kannst sie deshalb nicht einkassieren und kannst sie entsprechend auch nicht abführen.

JaSeMa
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von JaSeMa » 05.08.2016, 12:44

Hallo Frank,

ich finde das auch sehr seltsam. Du solltest dir vielleicht einen neuen Steuerberater suchen. Vielleicht kannst du ja in einem ersten Beratungsgespräch gleich prüfen, inwiefern er von der Materie Ahnung hat.

VG Jana

Frank789
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von Frank789 » 05.08.2016, 19:15

Er sprach auch von einem "Signal" dass bei mir gesetzt wurde. Woher das kommt, konnt er sich aber auch nicht erklären.

Ich weiß nicht ob er aber überhaupt weiß dass ich eine Ust-Id habe.

Ich habe mir die Kopie des steuerlichen Erfassungsbogens von damals genauer angeschaut, alles wurde richtig gemacht, ich habe die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen und gleichzeitig eine Ust-Id beantragt, beides schließt sich ja nicht aus.

Mein Umsatz betrug im Jahr 2015 auch nur knapp über 15.000 €

Ich werde am Montag da mal genauer nachhacken und das soll er mir dann gefälligst auch schriftlich geben.

Frank789
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von Frank789 » 05.08.2016, 23:26

Mir schwabt da böses, was ist wenn das Finanzamt mit dieser merkwüdigen Umsatzsteuererklärung, in denen die Umsätze innerhalb der EU versteuert werden, annimmt dass ich auf die Kleinunternehmerregelung verzichte? Das wäre fatal.

KompaktDesign
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von KompaktDesign » 06.08.2016, 09:57

Frank789 hat geschrieben:ich habe die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen und gleichzeitig eine Ust-Id beantragt, beides schließt sich ja nicht aus.
Doch beides schließt sich aus. Wenn Du eine USt.-id hast, kannst Du nicht von der USt. befreit sein.

Frank789
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von Frank789 » 09.08.2016, 21:30

KompaktDesign hat geschrieben:
Frank789 hat geschrieben:ich habe die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen und gleichzeitig eine Ust-Id beantragt, beides schließt sich ja nicht aus.
Doch beides schließt sich aus. Wenn Du eine USt.-id hast, kannst Du nicht von der USt. befreit sein.
Das ist leider nicht korrekt, ein Kleinunternehmer mit einer Ust-Id ist nichts ungewöhnliches.

Die Ust-Id braucht man um am innergemeinschaftlichen Warenverkehr teilnehmen zu können, also innerhalb der EU. Oder als Ersatz für die Steuernummer.

So konnte man auch beim steuerlichen Erfassungsbogen ja beides ankreuzen, die Kleinunternehmerregelung und die Ust-Id beantragung.

Dies wurde mir auch so von meinen Steuerberatern versichert (es ist ne größere Kanzlei und beim letzten Gespräch kam endlich ein Steuerberater an den Tisch der Ahnung hat).

Doch zuvor habe ich selbst beim Finanzamt angerufen und mich diesbezüglich informiert, ich werde als Kleinunternehmer mit einer Ust-Id geführt und solange meine Umsätze unter 17.500 Euro im Jahr bleiben, muss ich keinerlei Ust ausweisen auch nicht nur für EU Verkäufe, diese Vermutung erwies sich zum Glück als falsch.

KompaktDesign
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von KompaktDesign » 11.08.2016, 10:32

Frank789 hat geschrieben: Das ist leider nicht korrekt, ein Kleinunternehmer mit einer Ust-Id ist nichts ungewöhnliches.

Die Ust-Id braucht man um am innergemeinschaftlichen Warenverkehr teilnehmen zu können, also innerhalb der EU. Oder als Ersatz für die Steuernummer.
Es mag richtig sein, dass es bürokratisch möglich ist. Aber falls ja ist es widersprüchlich, Quatsch und ggf. sogar nachteilig.

Du nimmst die Kleinunternehmmerregelung in Anspruch, brauchst keine Umsatzsteuer abzuführen, darfst keine erheben und keinen Vorsteuerabzug durchführen.
Der große Vorteil: Keine Umsatzsteuervoranmeldungen => weniger Papierkram => weniger Verwaltungsaufwand

Dann bestellst Du Dir mit einer USt.id-Nr. Waren in der EU und bekommst sie wie ein Umsatzsteuerpflichtiger für den Netto-Betrag,
Das große Nachteil: Jetzt musst Du trotzdem Umsatzsteuer anmelden, 19% Einfuhrumsatzsteuer zahlen und kannst nichts gegen rechnen.

Wo ist da der Sinn an der Sache?

Frank789
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von Frank789 » 16.08.2016, 12:05

Ich sehe keine Nachteile bei einer Ust-Id als Kleinunternehmer.

Ja man bekommt Waren und Dienstleistungen aus dem EU Ausland als Netto Betrag und muss hinterher die 19% Ust nachzahlen. Allerdings hätte man diese als Kleinunternehmer ohne Ust-Id ohnehin gleich beim Erwerb bezahlt, ob man das nun hinterher zahlt oder gleich beim Kauf, ist doch unerheblich, es bleibt der gleiche Betrag.

(bestes Beispiel: Ebay und Amazon Rechnungen für die Gebühren)

Zum anderen ermöglicht die Ust-Id ein einfacheren Handel außerhalb deutschlands, vorallem wenn man in die EU oder gar Weltweit verkauft. Und außerdem wird dadurch die private Steuernummer ja verborgen, was besser für den Datenschutz ist.

Unterm Strich kann man sagen, eine Ust-Id für den Kleinunternehmer macht durchaus Sinn und bringt keine Nachteile mit sich, der bürokratische Aufwand ist sehr gering und eine Ust-Erklärung muss man als Kleinunternehmer so oder so am Ende des Jahres abgeben, klar man zahlt dann etwas nach was man unterm Jahr gespart hat, aber es sind ja keine Mehrkosten.


PS: Ahja, eine Ust-Voranmeldung muss man in der Regel nicht abgeben, es reicht die jährliche Ust-Erklärung.

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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von KompaktDesign » 17.08.2016, 07:30

[quote="Frank789"]Ich sehe keine Nachteile bei einer Ust-Id als Kleinunternehmer.

Ja man bekommt Waren und Dienstleistungen aus dem EU Ausland als Netto Betrag und muss hinterher die 19% Ust nachzahlen. Allerdings hätte man diese als Kleinunternehmer ohne Ust-Id ohnehin gleich beim Erwerb bezahlt, ob man das nun hinterher zahlt oder gleich beim Kauf, ist doch unerheblich, es bleibt der gleiche Betrag.

(bestes Beispiel: Ebay und Amazon Rechnungen für die Gebühren)
[quote]

Beispiel Ebay:

Kosten als Privatperson:
Nettobetrag + 15% USt.

Kosten als Kleinunternehmer mit USt.-id:
Nettobetrag + 19% USt.

Für mich ist das nicht das gleiche.

Ich finde es nicht paradox eine USt,-id-Nummer zu beantragen, gerade im internationalen Bereich mach das Sinn. Ich kann aber nicht nachvollziehen weshalb man dann nicht die auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet und von den Vorteilen profitiert.

Aber wenn Du so zufrieden bist, dann mach das weiter.

Frank789
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Re: Verkauf EU wird besteuert als Kleinunternehmer?

Beitrag von Frank789 » 20.08.2016, 00:11

KompaktDesign hat geschrieben: Beispiel Ebay:

Kosten als Privatperson:
Nettobetrag + 15% USt.

Kosten als Kleinunternehmer mit USt.-id:
Nettobetrag + 19% USt.

Für mich ist das nicht das gleiche.
Dies ist nicht mehr aktuell, am 1.Januar 2015 trat eine neue EU Richtlinie in Kraft, ab da werden immer die 19% Ust fällig und nicht die Luxemburgische 15%.

Ergo gibt es keine 4% Differenz und keine Mehrkosten.

Die Kleinunternehmerregelung hat ja auch seine Vorteile von denen man, je nach größe seines Betriebs, nun mal profitiert. Klar ist die Regelbesteuerung ja so gesehen besser, gibt ja reichlich mehr Kohle. Aber solche Umsätze muss man erstmal generieren. Aber das ist von Fall zu Fall unterschiedlich und hat nichts mit der Ust-Id zutun, um die es eigentlich ging und nicht um die Sinnhaftigkeit der Kleinunternehmerregelung. :wink:

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